Robert Habeck zieht es in die internationale Finanz- und Immobilienwirtschaft. Ab 1. August wird der frühere Vizekanzler und Wirtschaftsminister als „Senior Advisor“ für Urban Partners tätig – einen dänischen Stadtentwicklungsinvestor, der mehr als 25 Milliarden Euro verwaltet und sein Deutschlandgeschäft ausbauen will. Ausgerechnet der Mann, der den Umbau von Energieversorgung, Gebäudebestand und Wirtschaft jahrelang politisch vorantrieb, berät künftig ein Unternehmen, das mit genau diesem Umbau Geld verdienen will.
Die Drehtüren zwischen der Politik und den Konzernen funktionieren immer noch gut. Von gut bezahlten Politikerposten wird oftmals auf noch besser bezahlte Beraterposten gewechselt – und das nicht selten bei Unternehmen, die von der von den jeweiligen Politikern unterstützten Politik finanziell stark profitierten. Der Fall Robert Habeck, der zum dänischen Immobilieninvestor Urban Partners gewechselt ist, stellt hierbei keine Ausnahme dar. Das Unternehmen, das früher unter dem Namen NREP firmierte, investiert in Wohnbau, Logistik, Stadtquartiere, Immobilienfinanzierung und urbane Technologien. Sein Geschäftsmodell besteht darin, Kapital großer Investoren in die „Transformation“ von Städten zu lenken: in energetische Sanierungen, Neubauten, Brownfield-Entwicklung, Quartiersumbau und Projekte rund um Nachhaltigkeit, Mobilität und Wohnraum.
Eben an dieser Schnittstelle soll Habeck künftig wirken. Nach Angaben des Unternehmens soll er dessen Strategie für „nachhaltige, klimaneutrale und soziale Stadtentwicklung“ stärken. Urban Partners verweist ausdrücklich auf die Bedeutung öffentlich-privater Zusammenarbeit – und wer passt da besser hin, als ein Grünen-Politiker, der von 2021 bis 2025 als Wirtschafts- und Klimaminister einer der maßgeblichen Treiber jener Klima-, Energie- und Gebäudepolitik war, die Investitionen in Wärmedämmung, Heizungswechsel, Neubau, Sanierung und kommunale Infrastruktur massiv politisiert und verteuert hat. Nun wechselt er in ein Unternehmen, dessen Renditeperspektive gerade in solchen Transformationsprojekten liegt.
Zufälle gibt’s (nicht):
— Michael 🇩🇪 (@Bundeskanz50246) July 6, 2026
Robert Habeck wechselt nun als Senior Advisor zur dänischen Investmentgesellschaft Urban Partners. Als einer der Eigentümer ist dort die Viessmann Generations Group gelistet – das Familienunternehmen, das während seiner Amtszeit als… pic.twitter.com/XuLa2TqBB4
Einer der Investoren bei Urban Group ist Viessmann. Offiziell soll die Partnerschaft die „nachhaltige urbane Transformation“ vorantreiben. Viessmann investierte dabei nicht nur in die Gesellschaft selbst, sondern engagierte sich auch in mehreren Fondsstrukturen von Urban Partners. Der Name Viessmann ist deshalb politisch aufgeladen, weil das Familienunternehmen Anfang 2024 seine Klimatechnik-Sparte Viessmann Climate Solutions an den US-Konzern Carrier verkauft hatte. Zum Geschäft gehörten unter anderem zentrale Bereiche des Heizungs- und Wärmepumpengeschäfts. Der Milliardenverkauf verschaffte der Viessmann-Gruppe erhebliche zusätzliche finanzielle Spielräume – und kurz darauf folgte der Einstieg bei Urban Partners, einem Investor, der auf die nachhaltige Umgestaltung des Gebäudebestands setzt.
Noch gewichtiger ist Novo Holdings. Die Investmentgesellschaft übernahm bereits 2020 einen Anteil von 25 Prozent an NREP, dem Vorgängerunternehmen von Urban Partners. Das Unternehmen erhöhte damals zugleich seine Kapitalzusagen für künftige Immobilienfonds des Unternehmens. Novo Holdings ist eng mit der Novo-Nordisk-Stiftung und dem dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk verbunden. Diese Konstruktion zeigt vor allem, in welcher Liga Urban Partners spielt. Es geht nicht um einen kleinen Projektentwickler, der ein paar Wohnhäuser errichtet. Es geht um die Bündelung institutionellen Kapitals, großer Familienvermögen, Stiftungsstrukturen und Fondsinvestoren, die in Europas Städte, Wohnungsbestände und Infrastruktur investieren wollen.
Robert Habeck jetzt also Senior Advisor bei Urban Partners in Dänemark und wer ist da als Eigentümer gelistet?
— A. Duke (@ADuke08812702) July 6, 2026
Viessmann Generation Group, ja genau die Viessmann die während seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister, ihre Klimatechniksparte an die US Carrier Global verkaufte.… pic.twitter.com/eVuCcdUApt
Auch die deutsche Führungsstruktur von Urban Partners ist interessant. Geschäftsführer der deutschen Gesellschaften ist Wolfgang Ködel. Er wechselte 2023 von BlackRock zu NREP beziehungsweise Urban Partners und sollte damals ausdrücklich die Investitionen des Unternehmens in Deutschland vorantreiben. Zuvor war er laut Branchenberichten 16 Jahre bei BlackRock tätig und hatte dort das deutsche Immobiliengeschäft mit aufgebaut. Übrigens derselbe Vermögensverwalter, für den Friedrich Merz Aufsichtsratsvorsitzender (BlackRock Asset Management Deutschland AG) war.
Wie glaubwürdig ist ein System, in dem ehemalige Spitzenpolitiker nach ihrer Amtszeit bei Investoren landen, die von genau den wirtschaftlichen und regulatorischen Umbrüchen profitieren können, die sie zuvor mitgestaltet haben? Denn die angeblich rein gemeinwohlorientierte „Transformation“ der Städte ist längst ein gigantischer Markt. Wohnraummangel, Dekarbonisierung, Energieauflagen, Sanierungsdruck, kommunale Förderprogramme und steigende Baukosten schaffen ein Umfeld, in dem politische Entscheidungen den Wert bestimmter Anlagen und Geschäftsmodelle erheblich beeinflussen können. Da stellt sich die Frage, ob man dies nicht vielmehr als eine Art von Korruption verstehen sollte – mit gut dotierten Berater- bzw. Aufsichtsratsjobs nach Beendigung der politischen Karriere.





