Interpol jagt aktuell die Auftragsmörderin, die im Fürstentum an der Côte d’Azur den ukrainisch-zypriotischen Multimillionär Vadym Yermolaiev (58) mit einer Nagelbombe töten wollte: Der Oligarch überlebte schwer verletzt, seiner Lebensgefährtin Anna Nasobina (48) rissen die Bombensplitter beide Beine weg. Jahrelang leitete Yermolaiev sein Firmenimperium von Wien aus.
Von Richard Schmitt
Im Palais Eschenbach an der Adresse Fleischmarkt 14/32, nur fünf Gehminuten von Hofburg und Kanzleramt entfernt, waren mehrere Firmen des ukrainisch-zypriotischen Unternehmers Vadym Yermolaiev gemeldet: die Alef-Vinal CJSC, die Akta CJSC, die LunaPak CJSC, die Agrokom CJSC und auch die Alef-Capital CJSC. Es war kein kurzes Gastspiel des geborenen Ukrainers in Wien: Die Geschäftstätigkeit ist von 2001 bis 2019 dokumentiert, dann – zu Beginn der Amtszeit von Wolodymyr Selenskyj als Präsident – ging Yermolaiev nach Monaco. Sein Vermögen wird auf 220 Millionen Euro geschätzt.




Der von der ukrainischen Regierung unter Wolodymyr Selenskyj mit Sanktionen verfolgte Oligarch dürfte sich im extrem gut überwachten Fürstentum mit seinen nur 38.000 Einwohnern vermutlich sicherer als in Wien gefühlt haben – in Österreichs Bundeshauptstadt werden bekanntlich Ukrainer auch zu Mordopfern. So wurde erst im November des Vorjahres ein ukrainischer Geschäftsmann (21) von zwei Killern in einem Mercedes verbrannt, und im Frühjahr 2015 lag ein Ukrainer (19) mit einem Messerstich in einem brennenden Keller eines Geschäftshauses an der Spiegelgasse im Ersten Bezirk.
Vor wenigen Tagen hatte dann die auf Yermolaiev angesetzte Auftragsmörderin den Oligarchen auch an seiner Wohnadresse in Monaco aufgespürt: Die Ukrainerin Anastasiia Berezovska (39) soll eine mit Schrauben und Nägeln gefüllte Rucksackbombe per Fernbedienung gezündet haben, bei der Tat war sie als Mann verkleidet. Die Tatverdächtige, die bisher in Deutschland gelebt hat und gut Deutsch spricht, wird nun von Interpol weltweit gesucht.
Der ukrainisch-zypriotische Unternehmer überlebte den Anschlag schwer verletzt, seiner Lebensgefährtin wurden bei der Explosion beide Beine abgetrennt, der gemeinsame Sohn (13) liegt ebenfalls mit schweren Verletzungen noch auf der Intensivstation.
Das Bombenattentat in Monaco beunruhigt nicht nur die 84 im Fürstentum lebenden ukrainischen Superreichen, sondern auch die ukrainische Community in Wien: Wenn ein Attentat sogar im extrem gut überwachten Monaco möglich ist, könnten auch in Wien nun Killer zuschlagen – so wird von den Ukrainern vermutet, dass der ukrainische Geheimdienst SBU hinter dem versuchten Mord an Yermolaiev steckt, damit diese „Botschaft“ sämtliche ausgewanderte Oligarchen davor warnt, politische Mitbewerber Selenskyjs bei einer Wahl in der Ukraine finanziell zu unterstützen. Erwiesen ist, dass Yermolaiev jedenfalls kein Freund des in Kiew amtierenden Präsidenten sei.
Ebenfalls ein Motiv für den versuchten Auftragsmord in Monaco könnte sein: Im Dezember wurde Yermolaievs Sohn Artur (35) auf Ersuchen von Interpol auf Zypern festgenommen, der Betreiber von zahlreichen Callcentern könnte Komplizen oder Geschäftspartner bei den Vernehmungen verraten haben. Estnische Ermittler warfen ihm vor, zu den Bossen eines internationalen Callcenter-Betrugsrings zu gehören, der Anleger mit fingierten Investitionsangeboten um insgesamt 100 Millionen Euro gebracht haben soll. Ein Gericht verurteilte Artur Yermolaiev zu fünf Jahren Gefängnis. Aufgrund eines Deals mit den Behörden saß er fünf Monate in Haft und zahlte 8,5 Millionen Euro an den estnischen Staat.






