Viele von ihnen werden auch in Deutschlands und Österreichs Sozialsysteme einreisen: Nur wenige Stunden vor Ablauf der Frist am heutigen 30. Juni türmen sich Hunderttausende Anträge auf Regularisierung der illegalen Einwanderung bei den spanischen Behörden. Die Links-Regierung in Madrid sorgt dafür, dass sich doppelt so viele irreguläre Migranten wie erwartet um einen legalen Aufenthalts-Status bewerben.
Das aktuelle „Regularisierungs-Programm“ der linken Regierung unter Pedro Sánchez (PSOE) steht in klarem Kontrast zu der restriktiveren Linie, die derzeit in Brüssel und von vielen anderen EU-Staaten gewünscht ist: Das Programm war ursprünglich für 500.000 Antragsteller gedacht, bis Mitte Juni waren jedoch bereits mehr als 900.000 Anträge eingegangen, wie das Migrationsministerium laut POLITICO nun mitteilte. Inzwischen sollen 1,3 Millionen Anträge eingegangen sein.
360.000 dieser Migranten haben bereits vorläufige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse erhalten. Das Programm gewährt einjährige, verlängerbare Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen an Personen, die vor dem 1. Januar 2026 in Spanien waren, mindestens fünf Monate kontinuierlich dort gelebt haben, ein unbelastetes Strafregister vorweisen und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellen.
Das „Regularisierungs-Programm“ geht auf eine Bürgerinitiative aus dem Jahr 2024 zurück, die von über 700.000 Spaniern unterzeichnet wurde. Unterstützt wurde sie von Hunderten humanitären Organisationen, Wirtschaftsverbänden und der katholischen Kirche. Im April 2026 verabschiedete die Regierung per Königlichem Dekret (Real Decreto 316/2026) die Regelung, die Anträge konnten ab dem 16. April online und ab dem 20. April persönlich gestellt werden. Die Frist endet unwiderruflich am 30. Juni 2026 – eine Verlängerung ist nicht vorgesehen.
Sánchez verteidigt die Maßnahme als „Akt der Gerechtigkeit“: Viele der Betroffenen arbeiteten bereits in der Schattenwirtschaft, zahlten Steuern und Sozialabgaben indirekt und füllten Lücken auf dem Arbeitsmarkt, etwa in Landwirtschaft, Pflege und Dienstleistungen. Die Regierung erhofft sich höhere Steuereinnahmen und eine bessere Integration.
Spaniens Konservative werfen Sánchez allerdings vor, mit der Massenlegalisierung ein falsches Signal zu senden und die irreguläre Migration zu fördern. Die oppositionelle Partido Popular (PP) und die rechtspopulistische Vox haben das Dekret deutlich kritisiert. Im Mai 2026 wies das Oberste Gericht (Tribunal Supremo) aber einen Antrag auf vorläufige Aussetzung zurück, dennoch bleibt die Maßnahme politisch umstritten.
Migrationspolitische Geisterfahrt Spaniens in der EU
Der spanische Alleingang steht in deutlichem Widerspruch zur aktuellen EU-Linie: Anfang Juni 2026 hat die Europäische Union den umfassenden Migrations- und Asylpakt finalisiert. Kernpunkte sind schnellere Rückführungen, strengere Grenzverfahren und die Einrichtung sogenannter „Return Hubs“ außerhalb der EU für abgelehnte Asylbewerber. Länder wie Dänemark, Österreich, Griechenland, Deutschland und die Niederlande drängen auf einen frühen Beginn der Aufnahme in diesen Zentren.
