In Niederösterreich drehen sich derzeit 823 Windräder. Damit ist das Bundesland der österreichweite Spitzenreiter. Allein im Bezirk Mistelbach drehen sich über 200 Anlagen, gefolgt vom Bezirk Gänserndorf mit knapp 300 Anlagen. Der Bezirk Gänserndorf ist somit der absolute Star der Windindustrie in Niederösterreich. Hier stehen die meisten Anlagen des Landes, und der Ausbau geht weiter zügig voran. Was machen diese Windmaschinen mit den Menschen dort? Es ist erschreckend, wenn man durch den Landstrich fährt.
Eine Betrachtung von Angelika Starkl
Wenn man heute über das nördliche Niederösterreich blickt, sieht man gigantische, weiße Wind-Maschinen, die wie Vorboten einer technokratischen Epoche in unseren Heimatboden gerammt wurden. Sie stehen dort als brummende Zeugen einer neuen Klimareligion, die das Heilige durch den Schattenwurf und die unberührte Natur durch das Funktionale ersetzt haben.
Wo früher der Blick ruhen konnte, am sanften Übergang von der Erde zum Himmel, da wird das Auge nun von der verstörenden Rotation der achtzig Meter langen Speerspitzen gebannt.
Es ist eine Unruhe, die sich tief in die Seele frisst,weil jede Maschine den Horizont aufschneidet und uns den Frieden des weiten Anblicks in das schöne Land hinein raubt.
Man will uns vereinnahmen
Der Raub beginnt bereits bei der Sprache, dieser sanften Wortwahl reinster Verharmlosung.
Man spricht von Windrädern, als wären sie spielerische Objekte einer vergangenen, idyllischen Zeit. Man nennt die industriellen Hochspannungsareale ganz unpassend und harmlos „Parks“, um die technisierte Bedrohung in einen Mantel der Natürlichkeit einzuwickeln. Nur: ein Park ist ein Ort der Erholung und des Lachens, während diese Monster mit ihrer Dominanz jeden weiten Raum mit dem mechanischen Rhythmus von Speerspitzen vertonen.
Diese verharmlosenden Begriffe, diese Umdeutungen, sind die berechnenden Ideen einer technokratischen Elite. Sie begreift den Lebensraum der Menschen nicht, sondern berechnet ihn als bloße Potenzialfläche auf den Landkarten. Windräder sind Landräuber, die nicht nur den Boden industriell besetzen, sondern auch das Gefühl von wohliger Heimat zerstören. Die Ästhetik der Landschaft, die über Jahrhunderte natürlich gewachsen ist, wird dem Primat der Energie-Effizienz geopfert, so als hätte Schönheit keinen Wert mehr.
Beim Drehen der Rotoren
Diese Rotorenriesen sind die neuen Grabkreuze einer entmenschlichten Epoche, die den Glauben an das Schöpferische gegen die Dominanz des Machbaren eingetauscht hat. Mit ihrer kaum vorstellbaren Höhe von zweihundertfünfundachtzig Metern sprengen sie jeden menschlichen Maßstab und degradieren den Betrachter zum sprachlosen Statisten in seinem Lebensraum. Die Ansammlung von Windrädern ist industrielle Landnahme mit Machtanspruch, die nicht nur den Boden zerstört, sondern auch das Gefühl von Heimat. Wer dort aufgewachsen ist, empfindet beim Anblick der blinkenden Industriemaschinen oft schmerzhafte Entfremdung. Ein Heimweh am eigenen Ort. Die vertraute Kulisse der Kindheit ist einer effizienten Produktionsstätte zweifelhafter Energieerzeugung gewichen. Als ob man den Wind tatsächlich ernten könnte!
Selbst die Nachtruhe wird gestohlen, wenn das rhythmische, rote Blinken der Lichter die archaische Dunkelheit des Weinlandes durchbricht und den Himmel in einen rotäugigen, überwachten Luftraum verwandelt. Die Seele findet keinen Rückzugsort mehr.
Der Takt der Maschine diktiert
Es ist eine bittere Erkenntnis, dass die Ästhetik unserer Heimat und die spirituelle Stille der Landschaft geopfert werden, während das große Geschäft mit dem Landraub in fernen Büros geplant und abgewickelt wird. Am Ende bleibt das Gefühl einer tiefen Ohnmacht. Einer Ohnmacht gegenüber einer technokratischen Weltsicht, die alles Messbare ehrt, aber das Unbezahlbare zerstört. Es ist die Ruhe und die Würde der Felder und Wälder unserer Heimat.
Ausverkauf der Heimat
Man hat das Land nun industrialisiert.
Der Horizont sah vorher doch zu friedlich aus!
Man hat die Aussicht fachgerecht seziert
und warf die Schönheit aus dem Land hinaus.
Sie nennen es Windpark, was so harmlos klingt,
als ob man dort mit Kindern Blumen pflückt.
Doch wenn der Stahl sein Todesliedchen singt,
wird jeder Herzschlag unsanft weggedrückt.
Achtzig Meter Speer aus Epoxid!
Ein spitzes Kreuz für die moderne Pflicht!
Wer auf das Konto und die Quote sieht,
für den hat Landschaft kein Gewicht.
Der Technokrat im fernen Glaspalast
rechnet Erträge aus von all demWind.
Er hat die Ruhe immer schon gehasst,
weil Stille keine Dividende bringt.
Dreihundert Meter hohe Arroganz,
ein Wusch-Wusch ständig überm Ort
Es ist der neue, feile, geile Klimatanz,
den Hausverstand, bläst’ts dabei fort.
Wir retten jetzt die Schöpfung durch Ruin!
Schützen den Wald mit Stahl und Mischbeton.
während wir vor den allmächtigen Riesen knien,
als Jünger einer falschen Klima- Religion.
Geschäft läuft! Auch die Rendite passt!
Der Himmel selber hat Profit gebracht,
und wer in Lieb die Heimat still erfasst,
na, der wird ganz einfach ausgelacht!
Angelika Starkl
