Arabische Emirate treten aus der OPEC aus und verändern den globalen Ölmarkt

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Mit den VAE verlässt einer der vier „Großen“ das Erdölkartell. Das kommt nicht überraschend. Es könnte die Ölpreise senken und die weltweiten Energiemärkte neu mischen.

Von Eric Angerer

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind nicht das erste Land, das die OPEC verlässt. Indonesien trat 2016 endgültig aus. Katar verließ die OPEC im Januar 2019, Ecuador Ende Januar 2020, Angola im Dezember 2023. Stets sind Konflikte um Förderquoten die Ursache.

Die Mechanismen der OPEC und die Saudis

Die OPEC, das globale Kartell der ölproduzierenden Staaten, arbeitet mit einem Quotensystem, das begrenzt, wie viel Öl jedes Mitglied fördern darf. Wegen der Höhe dieser Quoten gibt es seit Jahren Konflikte zwischen den VAE und Saudi-Arabien, dem mächtigsten Mitglied der OPEC. Die VAE haben massiv in den Ausbau ihrer Ölindustrie investiert und streben eine größere Marktpräsenz an, wurden jedoch durch die OPEC-Fördergrenzen immer wieder ausgebremst.

Derzeit fördern die VAE unter den geltenden Quoten rund 3,2 bis 3,6 Millionen Barrel pro Tag (bpd), verfügen jedoch über eine freie Kapazität von nahezu 4,8 Millionen bpd, so die Nachrichtenagentur Reuters. Die Pläne sehen eine Steigerung der Förderung auf rund fünf Millionen bpd bis zum kommenden Jahr vor. 

Die Saudis haben die Ölpreise traditionell gesteuert, indem sie die eigene Produktion kürzten und für Disziplin innerhalb der Gruppe sorgten. Ohne die VAE wird Saudi-Arabien im Zweifel stärker die eigene Produktion kürzen müssen, um die Preise stabil zu halten. Damit wird es für Riad teurer, die Höhe bestimmter Ölpreise aufrechtzuerhalten. Dadurch verliert das Königreich an Durchsetzungskraft, um die OPEC-Gruppe zu steuern und zu disziplinieren.

Saudi-Arabien ist auf hohe Ölpreise angewiesen – rund 90 US-Dollar (77 Euro) pro Barrel – um die Staatsausgaben und die ehrgeizige Vision-2030-Agenda zu finanzieren, ein Paket gewaltiger Infrastrukturprojekte zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Dazu gehört auch eine futuristische Stadt im Wert von 500 Milliarden US-Dollar namens NEOM. Jedes zusätzliche Barrel, das weniger verkauft wird, bedeutet Einnahmeverluste und geringere Möglichkeiten, die eigene Wirtschaft weiterzuentwickeln.

Niedergang der OPEC

Der Austritt macht langjährige Spannungen innerhalb der OPEC sichtbar, insbesondere den Vorwurf, Saudi-Arabien dominiere die Entscheidungsprozesse. Der Schritt erfolgt außerdem zu einem Zeitpunkt, an dem der Einfluss der OPEC insgesamt schwindet. Einst kontrollierte das Kartell mehr als die Hälfte des weltweiten Angebots, heute ist es weniger als ein Drittel.

Die OPEC war 1960 gegründet worden und hat ihren Sitz in Wien. Ihre Mitglieder sind jetzt noch Algerien, Äquatorialguinea, Gabun, Iran, Irak, die Republik Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien und Venezuela. Die größten Förderquoten haben die Saudis, der Irak, der Iran und Kuwait. Die VAE waren bisher an zweiter Stelle und sind nun raus. 

Über die sogenannte OPEC+ hat die OPEC auch noch mit Russland, Mexiko, Kasachstan, dem Oman und Aserbaidschan Absprachen versucht. Allerdings stand die OPEC bereits vor dem Austritt der VAE unter Druck durch wiederholte Quotenverstöße von Mitgliedern wie dem Irak und Nigeria sowie durch Russlands inkonsequente Einhaltung der Vereinbarungen innerhalb von OPEC+.

Und da auch andere Länder wie insbesondere die USA zuletzt zu immer wichtigeren Ölproduzenten aufgestiegen sind, ist die OPEC heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. Sie hat nicht mehr die große Macht wie vor einigen Jahrzehnten. Der Austritt der VAE versetzt ihr nun einen weiteren schweren Schlag.

Geopolitische Aspekte und der Iran-Krieg

Beim Austritt der VAE aus der OPEC und den Konflikten zwischen den VAE und den Saudis geht es freilich nicht nur um Erdöl, sondern auch um Geopolitik. Die VAE mit ihren 11 Millionen Einwohnern versuchen seit einiger Zeit, sich vom großen Bruder Saudi-Arabien (35 Millionen Einwohner) zu emanzipieren.

Das zeigte sich bereits in den Konflikten im Sudan, wo sie unterschiedliche Kräfte unterstützen, und im Jemen, wo sie eine Zeit lang gemeinsam gegen die proiranischen Huthis agierten, wo aber zuletzt die Saudis die pro-VAE-Kräfte ausschalteten.

Dahinter stehen grundlegendere regionale Bündnisse. Die Saudis sind traditionell mit Ägypten und Pakistan verbunden und betrieben zuletzt eine Annäherung an die Türkei, die man davor wegen ihrer Nähe zur Muslimbruderschaft und zu Katar wenig gemocht hatte und die selbst Satelliten in Syrien und in Libyen unterhält. Die VAE hingegen sind mit Indien und Israel verbunden.

Der Austritt der VAE dürfte die Fronten schärfen und den Anfang einer neuen Ära der Energie- und Handelsströme im Nahen Osten kennzeichnen. Die VAE hatten sich auf den Schritt seit einiger Zeit vorbereitet. Bereits vor 14 Jahren starteten sie eine strategisch wichtige Umgehungspipeline. Sie verbindet die Ölfelder bei Habshan in Abu Dhabi mit dem Hafen Fujairah am Golf von Oman. Die Leitung kann rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag transportieren. Tanker können dadurch direkt in den Indischen Ozean auslaufen, ohne die Straße von Hormus passieren zu müssen.

Seit Kriegsbeginn läuft die Pipeline auf Hochtouren: Im März 2026 wurden in Fujairah täglich sogar an die zwei Millionen Barrel verladen. Selbst iranische Drohnenangriffe konnten das nicht verhindern – auch angesichts des israelischen Luftabwehrsystems in den VAE. Die Emirate können so Öl exportieren, auch wenn Hormus blockiert ist.

Die Zukunft der VAE

Gleichzeitig treiben die VAE eine tiefgreifende technologische Transformation voran. Der Bruder des Präsidenten kaufte schon 2025 erhebliche Anteile an World Liberty Financial – dem Krypto-Projekt der Trump-Familie. Über die Fonds MGX und G42 investieren die VAE in Künstliche Intelligenz, Datenzentren und die Tokenisierung von Rohstoffen. Öl, Gas und andere Waren sollen künftig auf Blockchain gehandelt und in Stablecoins wie USD1 abgewickelt werden. Damit umgehen sie das traditionelle Bankensystem, SWIFT und mögliche Sanktionen.

Verbunden sind diese Entwicklungen auch mit dem India-Middle East-Europe Economic Corridor (IMEC). Der Korridor verbindet indische Häfen über Fujairah und Abu Dhabi per Bahn und Schiff mit Jordanien, Israel und über Griechenland mit Europa. Trump nannte ihn „eine der größten Handelsrouten der Geschichte“. Die VAE haben die notwendigen Bahnstrecken schon gebaut. Fujairah bildet den zentralen Knotenpunkt – ganz gezielt außerhalb der Hormus-Unsicherheiten. Der OPEC-Austritt eliminiert jetzt die letzte institutionelle Hürde für den vollen Betrieb.

Mit dem Austritt aus der OPEC gewinnen die VAE deutlich mehr Flexibilität für ihre Ölförderung und werden unabhängiger von der Straße von Hormus. Der weltweite Ölmarkt gestaltet sich damit noch stärker neu. Zuvor waren schon die USA zu den größten globalen Produzenten aufgestiegen, war Venezuela unter US-Kontrolle gefallen und konnte der Iran zuletzt kein Öl mehr exportieren. Der Austritt der VAE ist nur der Höhepunkt einer jahrelangen Neuordnung.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete den Austritt der VAE als „großartig“. Das ist kein Wunder, denn er stärkt – durch die Schwächung des OPEC-Kartells – die Rolle der USA auf den weltweiten Energiemärkten weiter. Und wenn dadurch in den kommenden Monaten, unter Ausschluss des Iran, eine Senkung der globalen Spritpreise gelingen sollte, käme das zeitlich genau richtig für die US-Halbzeitwahlen im Herbst.

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