Windradland Niederösterreich: Adel und Kirche als neue Energiegroßmächte

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In Niederösterreich gehören kirchliche Institutionen und adelige Familien zu den größten Landbesitzern, die als Verpächter für Windkraftanlagen agieren. Während viele Verträge aufgrund von Verschwiegenheitsklauseln privat bleiben, sind einige prominente Akteure und Projekte bekannt.

Von Angelika Starkl

In der niederösterreichischen Landschaft vollzog sich ein leiser, aber lukrativer Strukturwandel. Wo einst ausschließlich Forstwirtschaft und Jagd die Erträge der großen Güter sicherten, prägen heute moderne Windenergieanlagen das Portfolio. Als Hauptakteure kristallisieren sich zwei historische Konstanten heraus: der Adel und die Kirche. Mit ihrem massiven Grundbesitz sind sie die unverzichtbaren Partner der Energiewende und profitieren von einer Wertschöpfung, die weit über der klassischen Landwirtschaft liegt.

Die katholische Kirche ist in Niederösterreich über ihre Stifte und Diözesen einer der größten privaten Akteure. Die Motivation ist hier zweigeteilt: ökologische Bewahrung der Schöpfung und wirtschaftliche Absicherung kirchlicher Strukturen. Das Stift Klosterneuburg mit 12.000 Hektar ist einer der finanzstärksten Grundbesitzer und nutzt seine Flächen im Weinviertel strategisch für Windkraft und Photovoltaik, um den Erhalt seiner kulturellen Erbe-Bauten zu finanzieren. Stift Herzogenburg & Bistum St. Pölten agieren als verlässliche Verpächter im Zentralraum NÖ. Die Pachteinnahmen fließen hier direkt in die Erhaltung der Pfarreien und sozialen Einrichtungen. Stift Heiligenkreuz mit 19.000 Hektar prüft trotz Fokus auf Biomasse im Wienerwald sehr kritisch nach ethischen und wirtschaftlichen Kriterien.

Der Adel: Von Forstwirten zu Energiewirten

Für den niederösterreichischen Adel, insbesondere im Wald- und Weinviertel, ist die Windkraft die Antwort auf die Krise der Forstwirtschaft. Die Familie Abensperg-Traun agiert mit dem Gut Petronell als moderner Projektentwickler. Sie verpachten nicht nur, sondern gestalten die Energielandschaft aktiv mit. Familie Hoyos und Hardegg halten in den windstarken Regionen des Waldviertels und des nördlichen Weinviertels ihre Schlüsselgrundstücke. Sie kooperieren eng mit Versorgern wie der EVN Naturkraft. Die Familie Esterházy hat ihr operatives Zentrum im Burgenland, doch sind ihre Flächen im Wiener Becken (NÖ) hochrelevante Standorte für Großprojekte.

Das Geschäft mit dem Wind

Die wirtschaftliche Dimension der Verpachtung hat die Machtverhältnisse im ländlichen Raum verschoben. Während Waldflächen oft nur marginale Deckungsbeiträge liefern, generiert ein modernes Windrad (Anlage der 4-6 MW-Klasse) jährliche Pachten zwischen 40.000 € und 80.000 €. Da der Bau im Wald oder Forst hohe Anforderungen an Logistik und zusammenhängende Flächen stellt, haben Großgrundbesitzer gegenüber kleinstrukturierten Bauern einen massiven Marktvorteil. Die Verpachtung ist an strenge Auflagen des NÖ Raumordnungsgesetzes gebunden. Waldstandorte erfordern zudem aufwendige Ersatzaufforstungen gemäß dem Forstgesetz.

Große Adelshäuser und kirchliche Institutionen haben sich von passiven Grundbesitzern zu den einflussreichsten Treibern der Energiewende entwickelt. Angesichts von “Klimawandel”, Borkenkäferplagen und sinkenden Holzpreisen fungiert die Windkraft für diese Akteure als lebensnotwendige „zweite Ernte“, die den Erhalt historischer Güter und kultureller Erben sichert.

Benedikt Arbensberg-Traun

Ein herausragendes Beispiel für diese Professionalisierung ist Mag. Benedikt Abensperg-Traun. Er hat das traditionelle Modell der reinen Verpachtung verlassen und agiert über ein Geflecht aus spezialisierten Unternehmen als aktiver Energieunternehmer. Mit Firmen wie der Abensperg und Traun Energie GmbH und der BAT Windenergie Management GmbH steuert er Projekte von der Planung bis zum Betrieb. Besonders prägnant ist seine Allianz mit der kapitalstarken Supernova-Gruppe unter Frank Philipp Albert. In der gemeinsamen Supernova Green Energy GmbH verschmilzt der jahrhundertealte Grundbesitz der Familie Abensperg-Traun, etwa in der Region Bad Pirawarth oder Rappottenstein, mit modernem Investorenkapital. Das Projekt Windpark Sallingberg im Waldviertel verdeutlicht dabei die strategische Ausdauer: Trotz komplexer UVP-Verfahren und strenger Artenschutzauflagen für Schwarzstorch und Fledermaus setzt er konsequent auf die Windkraft als krisenfeste Einnahmequelle für die familieneigenen Forstverwaltungen.

Mag. Benedikt Abensperg und Traun ist somit eine Schlüsselfigur bei der Verknüpfung von traditionellem Grundbesitz und moderner Energiewirtschaft in Niederösterreich. Hier sind die wichtigsten Energiefirmen unter seiner Leitung:

Abensperg und Traun nutzen dabei die Flächen der familieneigenen Forstverwaltung Wolkersdorf und Rappottenstein, um Windparks ökologisch und ökonomisch in den bestehenden Forstbetrieb zu integrieren.

Benedikt Abensperg-Traun hat das traditionelle Modell des „passiven Verpächters“ verlassen. Durch seine Firmenkonstrukte agiert er als aktiver Energieunternehmer, der die gesamte Wertschöpfungskette – von der Standortplanung bis zum Betrieb – kontrolliert.

Johannes Trauttmannsdorf

Noch einen Schritt weiter in der Evolution vom Schlossherrn zum Energie-Tycoon ist Johannes Trauttmansdorff gegangen. Mit seiner Firmengruppe imWind, die ihren Hauptsitz im Schloss Pottenbrunn hat, ist er zum größten privaten Windkraftbetreiber Österreichs aufgestiegen. Trauttmansdorff ist kein reiner Verpächter mehr; er ist ein Full-Service-Player der Branche. Mit über 500 MW installierter Leistung zeigt er, wie der Adel die gesamte Wertschöpfungskette – von der Finanzierung über den Bau bis zum Stromverkauf – kontrollieren kann. Seine Pionierarbeit im Weinviertel und im Burgenland hat imWind zu einem Marktgiganten gemacht, der heute auf Augenhöhe mit staatlichen Versorgern agiert. In der bisher bedeutendsten Transaktion am österreichischen Energiemarkt hat Johannes Trauttmansdorff im Jahr 2025 sämtliche Anteile an der imWind-Gruppe an die Wien Energie verkauft.

Der Wind-Graf-Deal

Der Verkauf markiert das Ende einer Ära, in der eine adelige Familie als privater Pionier die Windkraftlandschaft dominierte, und überführt diese Kapazitäten nun in die Hand eines öffentlichen Energieversorgers. Laut Berichten des Wirtschaftsmagazins Trend und anderer Branchenquellen dürfte sich der Kaufpreis für die Übernahme sämtlicher Anteile im Bereich von 800 Millionen Euro bewegen. Obwohl der individuelle Reingewinn für Johannes Trauttmansdorff nicht öffentlich beziffert wird, markiert dieser Verkauf den bisher größten Deal im Bereich der Windkraft in Österreich und macht den ehemaligen “Wind-Grafen” zu einem der erfolgreichsten Ex-Unternehmer des Landes im Sektor der Erneuerbaren Energien.

Ehemals adelige Familien (Großgrundbesitzer)

Viele Familien aus dem historischen Adel nutzen ihren Forst- und Landbesitz im Weinviertel und Waldviertel für Windparks:

  • Familie Esterházy: Zwar ist der Schwerpunkt im Burgenland, doch auch in angrenzenden niederösterreichischen Gebieten (z. B. im Wiener Becken) agieren die Stiftungen als Flächenbereitsteller.
  • Familie Abensperg-Traun: Verfügt über große Wald- und Landflächen (insbesondere im Weinviertel), die für Windkraftprojekte genutzt werden.
  • Familie Hoyos: Als bedeutende Waldbesitzer im Waldviertel und Industrieviertel sind sie Partner für Energiebetreiber wie die EVN (Wien Energie/EVN).
  • Familie Hardegg: In der Region rund um das Weinviertel (z. B. Raum Seefeld-Kadolz) sind sie maßgebliche Verpächter. 

Der Kirchenstand im Heimatland

Parallel dazu sichert die Kirche durch ihren immensen Landbesitz die infrastrukturelle Basis der Energiewende. Große Stifte wie Klosterneuburg, Herzogenburg oder Heiligenkreuz verwalten zusammen zehntausende Hektar. Die katholische Kirche ist nach dem Staat der zweitgrößte Grundbesitzer Österreichs. In NÖ treten vor allem Stifte und Diözesen als Verpächter auf: 

  • Bistum St. Pölten: Die Diözese verpachtet Flächen für Windparks, um kirchliche Aufgaben (z. B. Pfarrgehälter) zu finanzieren.
  • Stift Herzogenburg: Bekannt als Verpächter für Windkraftprojekte in der Region rund um den Stiftungsbesitz.
  • Stift Klosterneuburg: Als einer der größten privaten Grundbesitzer in Niederösterreich stellt das Stift regelmäßig Flächen für Erneuerbare Energien zur Verfügung.
  • Stift Heiligenkreuz: Besitzt weitreichende Forstflächen im Wienerwald und in anderen Teilen NÖs, setzt jedoch primär auf Biomasse und Nahwärme.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Energiewende in Niederösterreich ist ohne die Kooperation der historischen Elite nicht denkbar. Während Akteure wie die Familie Abensperg-Traun durch strategische Partnerschaften mit Projektentwicklern wachsen, hat sich das Haus Trauttmansdorff mit imWind eine eigene industrielle Basis geschaffen. Adel und Kirche sind heute nicht mehr nur Symbole der Vergangenheit, sondern die neuen „Energiegroßmächte“, die die industrielle Transformation des ländlichen Raums maßgeblich bestimmen.

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