Tote nach Legionellen-Ausbruch in Linz: International vergleichbare Fälle bei Rechenzentren

Ausgerechnet Kühltürme von IT-Rechenzentren sind als Verbreitungsherde potenziell tödlicher Legionellen bekannt / Report24 KI

Lange Zeit wurde in Linz herumgedruckst. Die Kühltürme von „einem Unternehmen“ könnten die Quelle für die Verbreitung potenziell tödlicher Legionellen in Linz sein. Drei Todesfälle später kommen Hintergründe ans Licht, selbst der ORF schreibt von der Linz AG. Was bislang noch niemand geschrieben hat: Ebendort befindet sich das IT- und Data-Center der Linz AG Telekom mit über 7.000 Servern, die gekühlt werden wollen. Der genetische Beweis steht bislang angeblich noch aus. Wir haben international recherchiert, ob vergleichbare Fälle bekannt sind – und wurden vielfach fündig.

Die offizielle Version in Linz besagt, dass der Kühlturm, von dem die Infektionen ausgehen sollen, welche seit dem 20. Juli 2026 drei Menschenleben forderten und 28 Menschen aufs Krankenbett schickten, ein „Stromnetzgebäude“ kühlen würde. Dass es sich um ein IT-Rechenzentrum handeln könnte, liegt mit Kenntnis der Örtlichkeit zwar nahe, wurde aber nicht bestätigt. Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, gäbe es ein neues Risiko im Umfeld des von der Landespolitik hochgejubelten Mega-Rechenzentrum von Google in Kronstorf. Natürlich ist ein Kühlturm eines Rechenzentrums kein genereller Grund zur Panik, aber regelmäßige Reinigung und Kontrolle sind offenbar für Menschen im Umfeld lebenswichtig.

10 Tote in Deutschland

Ein Legionellenausbruch im Raum Ulm und Neu-Ulm forderte Ende 2009 und Anfang 2010 fünf Todesopfer. 64 Menschen erkrankten. Als Infektionsquelle identifizierten die Behörden ein Nass-Rückkühlwerk auf dem Gebäude Olgastraße 67 in Ulm. Genetische Untersuchungen bestätigten die Übereinstimmung von Patienten- und Umweltproben. Das Gebäude gehört zum Telekom-Komplex und wird in Telekom-Unterlagen als „Telekomrechenzentrum Ulm“ bezeichnet. Das Robert-Koch-Institut registrierte beim weiter gefassten regionalen Geschehen insgesamt 113 Meldungen und zehn Todesfälle, die enger definierte Ausbruchskohorte umfasste 64 Erkrankte und fünf Tote.

Vorfall in Illinois verlief zum Glück ohne Opfer

Im Kühlturm des Central Management Services Computer Center im US-Bundesstaat Illinois wurden Anfang 2018 Legionellen nachgewiesen. Zwei untersuchte Proben aus der Kühlanlage des staatlichen Computerzentrums in Springfield fielen positiv aus. Anders als beim Ausbruch in Ulm konnten die Behörden jedoch keine Erkrankungen mit der kontaminierten Anlage in Verbindung bringen. Weder unter den Beschäftigten noch in der Bevölkerung wurden zugehörige Krankheitsfälle gemeldet. Todesopfer gab es ebenfalls keine. Der Vorfall dokumentiert damit eine Legionellenkontamination in der Kühltechnik eines Rechenzentrums, jedoch keinen daraus entstandenen Krankheitsausbruch.

Legionellen international bekanntes Risiko bei Kühltürmen

Legionellen in Kühltürmen von Rechenzentren und natürlich in Kühltürmen generell gelten international als bekanntes Gesundheitsrisiko. Während konkrete Krankheitsausbrüche nur selten öffentlich einem Rechenzentrum zugeordnet wurden, dokumentieren Fachquellen aus China und anderen asiatischen Staaten ausdrücklich Legionellenrisiken und teilweise problematische hygienische Zustände in den Kühlsystemen existierender und aktiver Rechenzentren.

Besonders aufschlussreich ist China. Vertiv veröffentlichte bereits 2020 einen Fachbeitrag über die „potenziellen Risiken für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit von Rechenzentren“. Darin heißt es, dass ein großer Teil chinesischer IDC-Anlagen offene Kühltürme verwende und deshalb ein erhebliches Legionellenrisiko bestehe. Gezeigt wird sogar der stark verschmutzte Innenbereich des offenen Kühlturms eines tatsächlich betriebenen Rechenzentrums. Vertiv warnt außerdem vor der Ausbreitung legionellenhaltiger Aerosole in die Umgebung.

Wie schon ausgeführt, sind Probleme mit Legionellenverseuchung unabhänig von Rechenzentren bei Kühltürmen weltweit bekannt. Es gibt immer wieder Vorfälle mit dutzenden Toten.

Viele Tote in New York

Im Sommer 2015 erlebte New York einen der schwersten Legionellen-Ausbrüche der US-Geschichte. Zwischen 2. Juli und 3. August erkrankten im South Bronx 138 Menschen, 128 mussten ins Krankenhaus, 16 starben. Die Behörden untersuchten zahlreiche Kühltürme und identifizierten schließlich den Kühlturm des Opera House Hotels als entscheidende Quelle. Laboruntersuchungen zeigten eine Übereinstimmung der dort gefundenen Legionella-pneumophila-Bakterien mit Patientenproben. Der Ausbruch führte anschließend zu deutlich strengeren Vorschriften für Registrierung, Kontrolle und Wartung von Kühltürmen im Bundesstaat New York.

Zehn Jahre später kam es in Central Harlem erneut zu einem schweren Legionellen-Ausbruch. Die Erkrankungswelle begann Ende Juli 2025 und umfasste nach abschließender wissenschaftlicher Auswertung 118 bestätigte Fälle und sieben Todesopfer. Bereits innerhalb der ersten drei Untersuchungstage nahmen die Behörden Proben aus 43 Kühlturmsystemen. Mittels Ganzgenomsequenzierung konnten die Legionellen aus Patientenproben mit Bakterien aus zwei Kühltürmen auf demselben Häuserblock in Verbindung gebracht werden. Die New Yorker Gesundheitsbehörde ließ belastete Anlagen umgehend sanieren und erklärte den Ausbruch Ende August für beendet.

Gerücht: FFP2-Masken böten vollständigen Schutz gegen Legionellen-Gefahr

Mainstream Medien bemühen aktuell das Gerücht, FFP2-Masken würden vor Legionellen schützen. Das ist natürlich genau so falsch, wie es beim SARS-CoV-2 Virus war. Nachdem sich die Legionellen im Umfeld von Kühltürmen tatsächlich in Aerosolen, also kleinen Wassertröpfchen, verbreiten, bieten diese Masken eine Reduktion des Risikos, Legionellen zu inhalieren.

Die Masken sind übrigens nur dazu zertifiziert, nur 6% des Prüfaerosols durch das Filtermaterial durchzulassen. Das gilt allerdings nur unter Laborbedingungen, in der Praxis wäre ein perfekt an der Haut anliegender Sitz der Masken erforderlich. Erinnern Sie sich noch an die Masken der Corona-Zeit? Saßen diese perfekt? Würden Sie sich bei einem für vulnerable Personen wirklich lebensbedrohenden Bazillus darauf verlassen?

Zusammenfassend: Eine korrekt sitzende FFP2 kann solche Aerosole sehr deutlich reduzieren, das Risiko aber nicht gänzlich ausschließen. Leckagen an den Rändern vermindern die Schutzwirkung erheblich.

Hilfreich wäre eine vollständige Information durch die Behörden für die gefährdete Bevölkerung im Umfeld betroffener Kühltürme. Betroffene aus Linz sind gerne dazu eingeladen, sich bei der Redaktion zu melden und über Aufklärung durch die Behörden und eventuelle Krankheitsfälle zu berichten: [email protected].

Im Vergleich: weitere internationale Fälle

Im nordfranzösischen Raum Lens ereignete sich zwischen November 2003 und Februar 2004 einer der schwersten Legionellen-Ausbrüche Europas. Insgesamt erkrankten 86 Menschen im Alter zwischen 32 und 92 Jahren, 18 von ihnen starben. Die Untersuchungen führten zu einem industriellen Rückkühlwerk eines petrochemischen Betriebs in Harnes. Dort wurden erhebliche Legionellenkonzentrationen festgestellt. Erkrankungen traten noch in mehr als zehn Kilometern Entfernung auf. Untersuchungen bestätigten schließlich einen Zusammenhang zwischen der industriellen Kühlanlage und dem außergewöhnlich weitreichenden Ausbruch.

Im Sommer 2012 wurde Québec von einer schweren Legionellen-Welle getroffen. Insgesamt wurden 181 beziehungsweise nach späterer wissenschaftlicher Auswertung 182 Erkrankungen registriert, 13 bis 14 Menschen starben. Besonders betroffen war die Unterstadt von Québec. Die Behörden untersuchten schließlich mehr als hundert Kühltürme im betroffenen Gebiet. Genetische Vergleiche von Legionellen aus Patienten und Umweltproben ermöglichten die Identifizierung des verantwortlichen Kühlturms.

Im November 2014 entwickelte sich nördlich von Lissabon einer der größten europäischen Legionellen-Ausbrüche. Die damalige Abschlussbilanz verzeichnete 375 Erkrankte und zwölf Todesfälle; spätere portugiesische Angaben erhöhten die Zahlen auf 403 Erkrankte und 14 Tote. Die Spur führte zu den Kühltürmen eines Düngemittelwerks in Forte da Casa. In einer Anlage wurde derselbe Legionellenstamm gefunden wie in Proben von Erkrankten. Wetterbedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit und schwachem Wind dürften die Verbreitung der kontaminierten Aerosole zusätzlich begünstigt haben.

Die spanische Stadt Murcia erlebte im Sommer 2001 einen der größten bekannten Legionellen-Ausbrüche weltweit. Mehr als 800 Verdachtsfälle wurden gemeldet, 449 Erkrankungen offiziell bestätigt; sechs Menschen starben. Die epidemiologischen und mikrobiologischen Untersuchungen führten zu Kühltürmen im Stadtgebiet, wobei insbesondere die Kühlanlage eines Krankenhauses als entscheidende Quelle identifiziert wurde. Legionellen aus der Anlage zeigten dasselbe molekulare Muster wie Erreger aus Patientenproben. Der Fall demonstrierte eindrucksvoll, wie Kühltürme infektiöse Aerosole über größere innerstädtische Gebiete verbreiten können.

Im April 2000 erkrankten rund um das neu eröffnete Melbourne Aquarium 125 Menschen an Legionärskrankheit, vier Patienten starben. Die meisten Erkrankten hatten das Aquarium besucht, doch auch Menschen, die sich lediglich in der näheren Umgebung aufgehalten hatten, waren betroffen. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf das Kühlsystem des Gebäudekomplexes. Der Ausbruch entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Legionellen-Ereignisse Australiens und zeigten: Infektiöse Wasser-Aerosole können auch Personen erreichen, die das betreffende Gebäude niemals betreten haben.

Im englischen Barrow-in-Furness kam es im Sommer 2002 zu einem folgenschweren Legionellen-Ausbruch mit 172 gemeldeten Fällen und sieben Todesopfern. Als Quelle wurde die schlecht gewartete Kühlanlage des kommunalen Kulturzentrums Forum 28 identifiziert. Das System bot Legionellen günstige Wachstumsbedingungen; kontaminierte Aerosole gelangten über die Anlage in einen stark frequentierten Bereich des Stadtzentrums. Der Fall führte zu Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, letztendlich zahlte die Stadtverwaltung 125.000 Pfund Strafe und 90.000 Pfund Verfahrenskosten. Die für den Bereich zuständige Stadtbeamtin wurde von den Tötungsvorwürfen freigesprochen, musste aber ebenso 15.000 Pfund Strafe bezahlen. Die Wartungsfirma wurde zu 1,5 Millionen Pfund Schadensersatz verurteilt.

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