Peking präsentiert sich im Nahen Osten als Vermittler, während chinesische Lieferanten das iranische Verteidigungsministerium mit Elektronik, Motoren und chemischen Vorprodukten beliefern. Als Washington und Teheran am 17. Juni eine 60-tägige Waffenruhe vereinbarten, traf noch am selben Tag eine weitere Lieferung in Teheran ein. Zwei Tage später folgten Bauteile im Millionenwert. Inzwischen hat der Iran einen beträchtlichen Teil dieses Nachschubs auf den Luftweg verlagert.
Am 17. Juni landete ein Flugzeug aus China am Imam-Khomeini-Flughafen in Teheran. Die Ladung für das iranische Verteidigungsministerium enthielt elektronische Komponenten, die bei Drohnen und Raketenlenksystemen eingesetzt werden können. Zwei Tage später registrierte der iranische Zoll mehr als ein Dutzend weitere Lieferungen mit Bauteilen im Wert von über sechs Millionen Dollar. Zur selben Zeit verwies die chinesische Führung öffentlich auf ihre Vermittlungsbemühungen zwischen Washington und Teheran. Immerhin ist der Iran für das chinesische Belt-and-Road-Projekt wichtig.
Der Umfang dieser Lieferungen geht inzwischen weit über einzelne wenige Frachtflüge hinaus. Von Januar bis Ende Juni verzeichnete der iranische Zoll rund 1.300 Sendungen mit Dual-Use-Komponenten aus China an das Verteidigungsministerium. Darunter befanden sich GPS-Geräte, Elektromotoren und Teile für Flugzeugtriebwerke. Viele Sendungen liefen unter Artikel 119 des iranischen Zollrechts, der Zollbefreiungen für Rüstungs- und Verteidigungsimporte ermöglicht. Grundlage der Angaben ist eine Auswertung iranischer Zolldaten durch das Wall Street Journal und die Handelsdatenbank ImportGenius.
Chemikalien für Raketentreibstoff inklusive
Wenige Tage vor Beginn des Krieges am 28. Februar kamen zudem 300 Tonnen chemischer Verbindungen aus China für das iranische Verteidigungsministerium ins Land. Im Dezember 2025 hatte der chinesische Händler Haokun Energy einem sanktionierten iranischen Importeur mitgeteilt, dass für die Ausfuhr von Natriumperchlorat staatliche chinesische Genehmigungen erforderlich seien. Das Unternehmen erklärte laut einem vom Wall Street Journal eingesehenen Schreiben, es habe mit chinesischen Behörden zusammengearbeitet, um einen Teil dieser Genehmigungen vertraulich abzuwickeln. Natriumperchlorat kann zur Herstellung von Ammoniumperchlorat dienen, einem wichtigen Bestandteil von Feststofftreibstoffen für ballistische Raketen. Ob das konkrete Geschäft anschließend zustande kam, blieb offen.
Die amerikanische Blockade iranischer Seewege setzte den Warenverkehr über die Häfen unter Druck. Der Iran wich deshalb zunehmend auf Flugverbindungen aus. Mahan Air steigerte die Zahl ihrer Flüge von Peking, Shanghai und Guangzhou nach Teheran laut FlightRadar24 von etwa vier pro Woche Anfang März auf rund 27 Ende April. In der ersten Septemberwoche waren es bereits 39 Flüge aus China in den Iran. Viele davon konnten über die Website der Fluggesellschaft nicht als Passagierverbindungen gebucht werden.
Peking schert sich kaum um Sanktionen
Mahan Air steht seit Jahren auf amerikanischen Sanktionslisten. Das US-Finanzministerium wirft der Fluggesellschaft vor, Waffen, militärische Ausrüstung und Personal für die Revolutionsgarden zu transportieren und den iranischen Drohnenapparat zu unterstützen. Ende Juli sanktionierte Washington erneut Unterstützer von Mahan Air. Dazu gehörte Shanghai Wings International Logistics. Die chinesische Firma soll für die Airline gearbeitet und Transporte von Elektronik aus China in den Iran organisiert haben.
Weitere Beschaffungswege führen ebenfalls über China und Hongkong. Am 10. Juni verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen Personen und Unternehmen, denen die Behörde Waffenbeschaffungen für die Revolutionsgarden und das iranische Verteidigungsministerium vorwirft. Eine Firma aus Hongkong soll außerdem Zahlungen innerhalb des iranischen Schattenbankensystems für solche Geschäfte abgewickelt haben. Die chinesische Regierung weist eine unerlaubte militärische Unterstützung für den Iran zurück und verweist auf ihre Exportkontrollen. Gleichzeitig lehnt Peking die amerikanischen Sanktionen gegen Geschäfte mit Teheran ab. Doch auch sonst ist das Iran-Geschäft im Interesse der kommunistischen Führung. Immerhin schwächt dies die Vereinigten Staaten und deren Militär.
