Die Formulierung könnte kaum deutlicher sein: In der „Neuen Weltordnung“ werde die digitale Identität zur Grundlage dafür, wie Bürger staatliche Leistungen erhalten, am Wirtschaftsleben teilnehmen und Zugang zum Finanzsystem bekommen. Gesagt wurde das am Rande der UN-Generalversammlung von einem hochrangigen Vertreter der nigerianischen Regierung. Nigeria baut die entsprechende Infrastruktur bereits auf: Eine lebenslange digitale Identität soll Behörden, Banken und private Dienste miteinander verbinden – von der Geburt bis zum Tod. Für erste staatliche Programme gilt bereits die klare Ansage: Ohne diese Identitätsnummer keine Teilnahme.
Die Worte fielen am 22. September bei einem hochrangigen Side Event während der 81. UN-Generalversammlung in New York. Organisiert wurde „The Digital Public Ecosystem: Identity, Trust, and Inclusive Access in the Digital Economy“ von der nigerianischen UN-Vertretung beziehungsweise der National Identity Management Commission (NIMC), unterstützt vom ID4D-Projekt der Weltbank. Ibrahim Hadejia, stellvertretender Stabschef des nigerianischen Präsidenten, verlas dort die Eröffnungsrede im Namen von Vizepräsident Kashim Shettima.
„In der neuen Weltordnung geht es bei der digitalen Identität längst nicht mehr nur darum festzustellen, wer wir sind“, erklärte Hadejia. Sie werde zur Grundlage, über die Bürger öffentliche Dienstleistungen beziehen, an der digitalen Wirtschaft teilnehmen, Zugang zum Finanzsystem erhalten und mit Regierungen sowie Institutionen interagieren. Anschließend beschrieb er ein digitales Ökosystem, in dem Identität, Zahlungen, Daten und digitale Dienste ineinandergreifen.
Nigeria spielt den Vorreiter
Nigeria liefert die Infrastruktur dazu bereits. Mehr als 142 Millionen Menschen besitzen inzwischen eine National Identification Number (NIN), bis Dezember sollen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung erfasst sein. Die Nummer ist längst mit SIM-Registrierung, Steuerwesen, Pässen, Prüfungen, Renten, Unternehmensregistrierung und Sozialprogrammen verknüpft. Die App NINAuth verarbeitet nach Angaben der NIMC Millionen Verifikationen täglich und kann unter anderem Steuer-ID, Krankenversicherung und weitere staatliche Nachweise anbinden.
NIMC-Chefin Bisoye Coker-Odusote legte auf derselben Bühne nach. NINAuth sei als digitale Nachweis-Wallet aufgebaut und solle schließlich zur zentralen Anmeldung für private und staatliche Dienstleistungen im ganzen Land werden. Auch grenzüberschreitende Interoperabilität sei vorgesehen. Aktiengeschäfte, Passangelegenheiten, Sozialtransfers und weitere Dienste sollen über dieselbe digitale Identität verifiziert werden können.
Beim staatlichen Schulspeisungsprogramm zeigt sich bereits, wie daraus eine Zugangsvoraussetzung wird. Erfasst werden Kinder, Eltern, Kleinbauern, Köche und Lieferanten. Die zuständige Koordinatorin Princess Aderemi Adebowale formulierte es unmissverständlich: „Ohne Ihre NIN können Sie nicht teilnehmen.“ Auch zeitlich kennt das Modell kaum Grenzen. NITDA-Chef Kashifu Inuwa Abdullahi sprach von digitalen Dienstleistungen „von der Geburt bis zum Tod“. Geburt und Pass eines Kindes, Registrierung eines Autos, Hauskauf und andere Lebensereignisse sollen möglichst digital abgewickelt werden. Parallel dazu wird die NIN bereits bei der Geburtsregistrierung vergeben.
Die ganze Welt soll das System übernehmen
Und die Infrastruktur soll exportiert werden. Flutterwave-Mitgründer Olugbenga Agboola erklärte auf dem Podium, man wolle die Arbeit der NIMC „in die ganze Welt“ bringen. Banken und andere Anbieter könnten über die Identitätsinfrastruktur überprüfen, wo jemand lebt, woher er kommt, welche Adresse er besitzt und wo er sein Konto führt. Seine Vorstellung fasste er in einem bemerkenswerten Satz zusammen: „Wir können überall auf der Welt wissen, wer Sie sind.“
Mit dem NIMC Act 2026 erhält dieses System noch mehr Gewicht. Die NIN wird darin ausdrücklich als grundlegender Identitätsnachweis Nigerias festgeschrieben. Die NIMC übernimmt gleichzeitig eine zentrale Rolle für die nationale digitale öffentliche Infrastruktur und soll den interoperablen Datenaustausch zwischen Ministerien, Behörden, Finanzinstituten und privaten Unternehmen ermöglichen. Die staatliche Identitätsnummer wird damit zum Schlüssel für immer mehr digitale Türen.
Neu ist die Pflicht zur NIN allerdings nicht. Schon eine Verordnung von 2017 schrieb die Nummer für eine breite Palette von Vorgängen vor, darunter medizinische Leistungen, Versicherungen, Aktiengeschäfte, Arbeitsverhältnisse, Prüfungen, Schuleinschreibungen und staatliche Sozialleistungen. Das neue Gesetz baut auf diesem Fundament weiter und macht aus der Identitätsnummer noch stärker eine zentrale digitale Zugangsinfrastruktur.
Ein Globalisten-Projekt
Auch die globalistisch orientierte Weltbank treibt solche digitalen öffentlichen Infrastrukturen international voran. Digitale Identitäten, Zahlungssysteme und interoperabler Datenaustausch gehören zu den zentralen Bausteinen dieser Programme. Nigeria zählt seit Jahren zu jenen Staaten, in denen die Weltbank den Ausbau solcher digitaler Identitätssysteme finanziell und technisch unterstützt.
Auf der New Yorker Bühne bekam diese Infrastruktur ihre Bezeichnung gleich mitgeliefert: Es werde eine „Neue Weltordnung“ implementiert. Dazu gehören eine digitale Identität von der Geburt bis zum Tod, staatliche und private Dienste, Banken, Sozialleistungen und perspektivisch grenzüberschreitende Verifikation. Die totale Überwachung der Menschen ist in Arbeit. Nicht nur in Nigeria. Überall.
