Frauen melden sexuelle Übergriffe, in zwei Fällen folgen Anklagen – doch Ottawa hält an seiner Trans-Politik in Frauengefängnissen fest. Biologisch männliche Häftlinge können weiterhin entsprechend ihrer sogenannten Geschlechtsidentität in Einrichtungen für Frauen landen, solange die Behörden das Sicherheitsrisiko für beherrschbar halten. Ausgerechnet die eigene Verteidigungsschrift der kanadischen Regierung zeigt nun, was hinter Gefängnismauern längst passiert ist.
April 2020 im Grand Valley Institution for Women in Ontario: Eine Gefangene erhebt schwere Vorwürfe gegen einen als „gender diverse“ geführten Häftling, der in den Akten nur als S/M bezeichnet wird. Einen Monat später folgen eine Anklage wegen sexuellen Angriffs und eine weitere wegen krimineller Belästigung. Vier Jahre später steht der nächste Fall in den Akten. Im Oktober 2024 meldet eine andere Frau einen sexuellen Angriff durch den Häftling KF/R – diesmal folgen sogar zwei Anklagepunkte wegen sexueller Übergriffe. Und diese Angaben stammen aus Ottawas eigener Verteidigungsschrift, die am 31. August 2026 beim Federal Court eingereicht wurde.
Im Zentrum steht die Commissioner’s Directive 100 – jene Richtlinie, die biologisch männlichen Häftlingen den Weg in Frauengefängnisse öffnen kann. Kanadas Gefängnisbehörde darf Gefangene entsprechend ihrer sogenannten Geschlechtsidentität oder ihres Geschlechtsausdrucks in Männer- oder Fraueneinrichtungen unterbringen, auch wenn ihr biologisches Geschlecht ein anderes ist. Erst wenn Sicherheits- oder Gesundheitsrisiken nach Einschätzung der Behörde nicht beherrschbar sind, soll das biologische Geschlecht den Ausschlag geben. Über diese Grenze entscheiden Beamte der Gefängnisverwaltung. Die Frauen hinter den Mauern können sich ihre Mitgefangenen dagegen nicht aussuchen.
The Canadian government has finally admitted that trans-identified male criminals placed in women's prisons have raped female inmates.
— REDUXX (@reduxx) September 5, 2026
Despite the assaults, the government has said its policies do not infringe on the women's rights.https://t.co/KxXaYTrTjt
Die Akten nennen noch weitere Vorwürfe. Bereits 2018 meldete eine Frau einen sexuellen Übergriff durch einen „gender diverse“ Häftling. Die Gefängnisleitung separierte den Beschuldigten, eine auf Sexualdelikte spezialisierte Polizeieinheit nahm Ermittlungen auf. Die Frau brach ihre Zusammenarbeit später ab, worauf keine Anklage folgte. 2021 berichtete eine Gefangene im Fraser Valley Institution von einem sexuellen und körperlichen Angriff; auch dort wurde die Polizei eingeschaltet. Ottawa weist andere von der Klägerseite gesammelte Vorfälle zurück oder erklärt sie für nicht ausreichend überprüfbar. Die beiden Fälle mit Anklagen wegen sexueller Übergriffe bleiben jedoch schwarz auf weiß in der Regierungsakte stehen.
Wie heikel die Sache ist, verrät bereits der eigene Prüfkatalog der Gefängnisbehörde. Bei Verlegungen sollen frühere Gewalt- und Sexualdelikte, mögliche Traumatisierungen anderer Gefangener und sogar Risiken für Kinder im sogenannten Mother-Child Program berücksichtigt werden. Trotzdem kann ein biologisch männlicher Häftling in einem Frauengefängnis untergebracht werden, wenn die Behörde das Risiko für beherrschbar hält. Hinter dem Wort „Risikoabwägung“ steckt für die betroffenen Frauen eine brutale Realität: Sie sitzen hinter verschlossenen Türen, während andere darüber entscheiden, mit wem sie ihre Haft verbringen müssen.
CANADA: A trans-identified male convicted of brutally murdering his own mother was transferred to a women's prison where he impregnated a female inmate.
— REDUXX (@reduxx) September 8, 2026
Clayton "Natalia Anastasia Warkova" Warkentin was later released into a female halfway house.https://t.co/xasDm1boSv
Gegen diese Politik zieht Canadian Women’s Sex-Based Rights, kurz CAWSBAR, vor Gericht. Die Frauenrechtsorganisation wirft Ottawa vor, weibliche Häftlinge durch die Unterbringung biologisch männlicher Gefangener zusätzlichen Gefahren auszusetzen. Viele Frauen im Strafvollzug hätten bereits vor ihrer Haft körperliche oder sexuelle Gewalt durch Männer erlebt. Nun sollen sie ausgerechnet in staatlicher Obhut mit einer Politik leben, die biologische Männer in Fraueneinrichtungen bringen kann. Der Federal Court ließ die Klage im Mai 2026 weiterlaufen und gewährte CAWSBAR das sogenannte Public Interest Standing.
Das von den Liberalen regierte Ottawa weicht trotzdem keinen Zentimeter zurück. Die Regierung bestreitet, dass die von CAWSBAR angeführten Schäden durch die Directive 100 verursacht wurden, und verteidigt die bestehende Regelung weiter. Selbst für den Fall, dass das Gericht eine Verletzung der Rechte weiblicher Häftlinge feststellt, hält Ottawa eine Rechtfertigung unter Section 1 der kanadischen Charter für möglich. Die Regierung kämpft vor Gericht also weiter für eine Politik, während ihre eigene Akte sexuelle Übergriffe dokumentiert, die bereits zu Anklagen geführt haben.
Hinter den Gefängnismauern ist aus der Gender-Politik längst eine sehr reale Machtfrage geworden. Ottawa schreibt die Regeln, die Gefängnisverwaltung entscheidet über die Verlegung – und die Frauen müssen mit den Folgen leben. Sexuelle Übergriffe wurden gemeldet, Polizeibehörden eingeschaltet und Anklagen erhoben. Trotzdem bleibt die Tür zum Frauengefängnis für biologisch männliche Häftlinge offen.
