Seltene Erden: China hat den Westen in der Hand

Bilder: freepik (Hai via julos, Hintergrund via nicedream30)

Sollten die USA den Konflikt mit der Volksrepublik China intensivieren, könnte Peking die globale Versorgung mit den sogenannten Seltenen Erden unterbrechen. Doch davon ist die weltweite Hochtechnologie abhängig. Allein in Deutschland stünden hunderttausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Wussten Sie, dass die Volksrepublik zwar nur rund ein Drittel aller Reserven der sogenannten Seltenen Erden besitzt, allerdings für etwa 90 Prozent der globalen Produktion verantwortlich ist? Diese sogenannten Seltenen Erden sind Elemente, die für die Produktion von elektronischen Komponenten und High-Tech-Legierungen für den zivilen und militärischen Bereich unerlässlich sind. Und nun kündigte Peking an, die drei wichtigsten Seltenerd-Unternehmen des Landes (Minmetals Rare Earth, Chinalco Rare Earth & Metals Co, and China Southern Rare Earth Group Co) zu einem einzigen Unternehmen zu fusionieren. Ein Schritt, welcher der kommunistischen Führung in Peking mehr Kontrolle verschaffen soll.

Zwar besitzen auch Länder wie Russland, die USA, Australien, Indien, Afghanistan oder Brasilien nennenswerte Reserven dieser Mineralien und Metalle, doch die Ausbeutung und Verarbeitung spielt auf globaler Ebene kaum eine Rolle. Dabei ist vor allem die westliche Rüstungsindustrie auf die Lieferung dieser Elemente angewiesen. Ohne das Material aus China könnten die Vereinigten Staaten beispielsweise auch nicht ihren Stealth Fighter der fünften Generation, die F-35, herstellen, wie bereits die „Financial Times“ feststellte. Ganze 417 Kilogramm davon stecken allein in einem dieser Kampfjets. Das Sprachrohr der kommunistischen Führung in Peking, die „Global Times„, versucht jedoch das Ganze zu relativieren. Denn selbst wenn China die Exporte massivst beschränken würde, könnten die Amerikaner immer noch auf andere Lieferanten ausweichen.

Ohne Seltene Erden keine Hochtechnologie

Die insgesamt 17 sogenannten Seltenen Erden sind Metalle, die sich chemisch sehr ähnlich sind. Auch wenn der Name eigentlich so nicht wirklich treffend ist, weil sie doch recht häufig in der Natur vorkommen, liegt ihre „Rarität“ vor allem in dem aufwändigen und teils auch gefährlichen Extraktionsverfahren. Neodym, welches als Legierung zusammen mit Eisen und Bor für starke Permanentmagnete verwendet wird, ist so ein Beispiel. Dieses Element macht Lautsprecher und Computerlaufwerke kleiner und effizienter. Auch wird es für Windturbinen und Hybridfahrzeuge verwendet. Lanthan hingegen wird für Kamera- und Teleskoplinsen verwendet. Auch Studiobeleuchtungen und die Projektoren in Kinos beinhalten dieses Mineral. Zusammen mit dem ebenfalls „seltenen“ Cerium wird es auch bei der Raffinierung von Rohöl eingesetzt. Cerium selbst ist hingegen ein wichtiger Bestandteil von Katalysatoren bei Autos mit Verbrennungsmotoren.

Praseodym wird zur Herstellung starker Metalle für Flugzeugtriebwerke verwendet. Das heißt, auch für jene der westlichen Kampfjets. Es ist auch Bestandteil einer speziellen Glassorte, die zur Herstellung von Visieren zum Schutz von Schweißern und Glasmachern verwendet wird. Gadolinium wird in Röntgen- und MRT-Scansystemen sowie in Fernsehbildschirmen verwendet. Es wird auch erforscht, wie es für die Entwicklung effizienterer Kühlsysteme verwendet werden kann. Yttrium, Terbium und Europium sind für die Herstellung von Fernsehgeräten, Computerbildschirmen und anderen Geräten mit visuellen Anzeigen wichtig, da sie für die Herstellung von Materialien verwendet werden, die verschiedene Farben abgeben. Europium wird auch für die Herstellung von Steuerstäben in Kernreaktoren verwendet.

Ein Exportverbot hätte weltweit Folgen

Sollte die Lage wegen Taiwan, Hongkong und den Uighuren eskalieren und China ein Exportverbot für Seltene Erden beschließen, würde dies die globale Wirtschaft massivst treffen. Die Automobil-, Luftfahrt-, Computer- und Smartphoneindustrien wären davon direkt betroffen. Innerhalb kürzester Zeit würde die Produktion wohl weitestgehend lahmliegen. Millionen von Arbeitsplätzen wären dann in Gefahr. Stellen Sie sich vor, Volkswagen, Daimler & Co müssten die Produktion über Nacht einstellen. Vielleicht sogar für mehrere Monate, bis eine Ersatzproduktion angelaufen ist. Auch andere Technologieproduzenten müssten dann (vorübergehend) schließen. Wie groß wäre der volkswirtschaftliche Schaden für Deutschland?

Würde Peking so weit gehen? Vielleicht nicht sofort, aber selbst größere Exportbeschränkungen wären stark zu spüren. Entsprechende Drohungen wurden seitens der chinesischen Führung bereits im Jahr 2019 ausgesprochen. Der Grund dafür war der Handelskrieg mit den Trump-USA. Angesichts dessen, dass die Seltenen Erden aus China etwa 70-80 Prozent der entsprechenden Importe der Vereinigten Staaten ausmachen, ist auch klar, wie sehr eine solche Maßnahme die Amerikaner schmerzen würde. Und dort vor allem die Rüstungsindustrie und die Hightech-Branche. Insbesondere dann, wenn die Chinesen gezielt vorgehen würden.

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