Erste Anzeichen von Sorge? Deutschland präsentiert Nebenwirkungs-App

Bild: Internet-Sujet der deutschen Bundesregierung

Um Kritiker zu beschwichtigen, titelten wir diesen Artikel mit „Sorge“ und nicht mit „Panik“. Doch letztere wäre vielleicht angebracht, wenn man alleine auf die hunderttausenden Meldungen von leichten und schweren Nebenwirkungen sowie Todesfällen in der EMA-Datenbank blickt. Experten meinen, dass nur 6 Prozent der tatsächlich erlebten Nebenwirkungen je ihren Weg in diese Datenbank finden – eine mit Vorsicht zu genießende Zahl, denn tatsächlich weiß das niemand. Deutschland präsentierte nun die App „SAFEVAC 2.0“ mit der Nebenwirkungen bequem vom Krankenbett aus gemeldet werden können – in allen Fällen wo man noch selbst tippen kann.

In einem Design, das an die Wahlwerbung der Grünen erinnert, präsentierte die Deutsche Bundesregierung die Handy-Applikation SAFEVAC 2.0 der Öffentlichkeit. Entwickelt wurde die Software im Auftrag des Paul-Ehrlich-Institutes, finanziert vom Bundesministerium von Gesundheit. Auf den ersten Blick kommt sie nicht so gut an. 504 Bewertungen im Apple Store mit einer Bewertung von 3,1 von 5 möglichen Punkten ist eher mau. Im Google Play Store finden sich 1.147 Bewertungen und eine Gesamtwertung von 3,4 von 5 Punkten. In der Regel greifen Menschen ungern Handy-Software an, die unter 4 Bewertungspunkten liegen.

Es handelt sich um eine Studie…

Offiziell wird der Sinn der Applikation so begründet: „Das Paul-Ehrlich-Institut hat dazu die Smartphone-App SafeVac 2.0 entwickelt, mit der Geimpfte digital Auskunft darüber geben können, wie sie die Impfung vertragen haben. Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dieser Beobachtungsstudie tragen so aktiv dazu bei, weitere Erkenntnisse über COVID-19-Impfstoffe zu gewinnen.“ Die Teilnahme ist freiwillig. Wie viele Teilnehmer an der aktuellen Impfstudie (Aussage der EMA) tatsächlich ihre Nebenwirkungen rückmelden oder aus Furcht, Scham oder anderen Gründen verschweigen, sei dahingestellt. Nahezu jeder von uns kennt jemanden, der zumindest mit Fieber und mehrtägigem Krankenstand auf eine Covid-19-Impfung reagierte. Die Wenigsten melden diese Nebenwirkungen oder tragen sie selbständig ein – das können Sie durch Befragung ihres eigenen Freundeskreises leicht feststellen.

Fragwürdige Programmierung

Nachdem bei uns in der Redaktion niemand getestet, gechippt oder geimpft ist (ein wenig Spaß muss sein), haben wir die App nicht selbst getestet. Wir verlassen uns hier auf die Bewertung der Anwender. Dabei liest man Erstaunliches:

Nur eintragen, wenn man gefragt wird

Die Programmierung, dass man Symptome nur eintragen kann, wenn man gefragt wird, ist echt blöd. Manche Beschwerden treten auf und verschwinden, bevor der nächste Abfragezeitpunkt kommt. Andere Beschwerden kommen währenddessen dazu und bleiben. Wenn man gefragt wird, welche Beschwerden man hat(te), kann man nicht sagen, wann welche aufgetreten und abgeklungen sind, sondern sie sind nur als Gruppe auflistbar. Auch ist es so möglich, dass Beschwerden bis zur nächsten Abfrage vergessen werden.

Bewertung von T.T. in Google Play Store

Intuitiv geht anders

Intuitiv geht anders. Wenn man nicht weiß, dass das System bei den Chargen Großbuchstaben erzwingt, muss man probieren, die Fehlermeldung ist dafür unbrauchbar. Warum ich die Erstimpfung nicht eingeben kann, steht auch nirgends, es funktioniert nur die zweite. Und die Freitextfelder fur die Symptombeschreibung sind viel zu knapp. Wenn’s euch nicht interessiert, dann sagt’s doch gleich, dann spare ich mir die Eingabe!

Bewertung von C. N. in Google Play Store

Chargennummern werden nicht erkannt

Wie bei vielen anderen Nutzern auch wird auch bei mir die Chargennummer trotz wiederholter richtiger Eingabe nicht erkannt. Groß/Kleinschreibung richtig, Internetverbindung optimal. Die App ist damit unbrauchbar. Verwunderlich, dass das PEI nicht reagiert, wenn so viele Nutzer über den gleichen Bug berichten. Nachtrag 29.04.: Auch meine E-Mail an das PEI wurde von diesem bis heute nicht beantwortet, obwohl vom PEI in der Fehlermeldung selbst empfohlen. Insgesamt wenig Vertrauen erweckende App.

Bewertung von O.L. in Google Play Store

Andere Anwender sind hingegen glücklich und zufrieden.

Die App ist klar und übersichtlich aufgebaut. Was ich mir jedoch noch wünschen würde wäre eine Art Wiki oder FAQ zu den Beschweren. Bisweilen war ich mir nicht ganz sicher, wie z.B. die Abgrenzung von „Schmerzen an der Einstichstelle“ zu „Muskelschmerzen“ ist. Da wäre es sicher hilfreich, das hinzuzufügen, so das man als Nutzer ein gut informiertes Feedback geben kann. Eventuell mit Bildern/Grafiken (?) Insgesamt bin ich froh, dass es die Impfung gibt und finde diese App und ihre Idee prima.

Bewertung von L.S. in Google Play Store

Sorgen der Bundesregierung um Bevölkerung wohl überschaubar

Zusammengefasst kann Entwarnung gegeben werden. Basierend auf den Rückmeldungen der Anwender macht sich die Deutsche Bundesregierung weder sorgen, noch ist sie in Panik. Die App soll wohl beschwichtigen und den Menschen signalisieren, dass man „ja eh etwas getan hat“. Zudem wird es mit dieser Methodik wohl kaum möglich sein, schwere, kritische oder gar tödliche Nebenwirkungen zu erfassen, denn die jeweiligen Patienten haben dann andere Sorgen – und wenn sie die Nebenwirkungen überleben, fragt die App praktischerweise nicht mehr danach (nur 2 Tage rückwirkend, so aktuelle Userkommentare).

Übrigens, falls Sie ihre Nebenwirkungen außerhalb der beschränkten Funktionen von SafeVac melden wollen, gibt es hier auf „hausarzt.digital“ eine Anleitung zur Verwendung des Online-Meldesystems nebenwirkungen.bund.de.

Nur nicht das Wort „deutsch“ verwenden

Uns ist übrigens nicht bekannt, seit wann die deutsche Bundesregierung sich in Sozialen Medien nur noch „Bundesregierung“ nennt (vergleichbar mit der Deutschen Nationalmannschaft, die seit Jahren nur noch „die Mannschaft“ heißen darf), wir nehmen es aber gerne zur Kenntnis. Wir Österreicher nehmen uns aber das Recht heraus, uns nicht mitgemeint zu fühlen.

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