Afghanistan: Der Westen ist abgezogen – die Katastrophe bleibt

Symbolbild: Pixabay Amber Clay

„Alles cool in Kabul“, der klassische Sponti-Spruch, kommt heute wohl nur mehr eingefleischten Sarkasten über die Lippen. Nach 20 Jahren des jüngsten westlichen Militärengagements, das ebenso verheerend endete wie alle früheren, ist nicht nur die geopolitische Situation am Hindukusch prekärer denn je. Sondern nun sind sogar noch mehr Staatsbürger wehrlos in der Hand islamistischer Fundamentalisten als je zuvor, erst recht zu Beginn des Feldzugs 2001.

Ein Kommentar von Daniel Matissek

Den Gotteskriegern sind nicht nur NATO-Waffen im Wert von 85 Milliarden US-Dollar in die Hände gefallen. Es befinden sich nach wie vor 100.000 Verbündete der westlichen Allianz – Ortskräfte, Angehörige Hilfsorganisationen und ausländische Zivilmitarbeiter und vor allem 200 US-Staatsbürger – in Afghanistan: zurückgelassen von den eigenen Streitkräften und den Launen der Taliban letztlich wehrlos ausgeliefert. Diese erlangen damit ein weiteres ideales Erpressungsinstrument in der Hand, um sich die Anerkennung und internationale Zurückhaltung zu erkaufen, die ihnen in ihrer letzten Herrschaftsperiode 1996 bis 2001 verwehrt blieb. Angela Merkel hat ja bereits die ersten hundert Millionen Euro als Blankoscheck springen lassen, Milliarden werden folgen. Besonders paradox: Die ehemaligen Kriegsgegner werden auf diese Weise wie Verbündete behandelt – nicht nur von der deutschen Bundesregierung, sondern auch vom Weißen Haus.

Sleepy Joes Offenbarungseid

Sleepy Joe, der bei dieser ersten außen- und sicherheitspolitischen Feuerprobe seiner Amtszeit grandios versagt hat, verantwortet mit dem kopflosen Abzug ein noch größeres Debakel als einst Jimmy Carter nach der Besetzung der US-Botschaft in Teheran im Gefolge der iranischen Revolution 1979/1980. Diesmal stehen auch mehr amerikanische Leben auf dem Spiel als damals. Doch anders als Carter, dem Parteifreund und Amtsvorgänger Bidens, den die damalige Krise dann zugunsten Reagans die Wiederwahl kostete, lässt das linke Establishment diesem präsenilen Präsidenten einfach alles durchgehen.

In Afghanistan spielen sich derweil groteske Szenen ab: „Turbanköpfe“ alias hochrangige Taliban-Führer, die vor C-130-Transportflugzeugen auf dem Flughafen von Kabul posieren. Kämpfer machen Selfies in den Cockpits afghanischer Militärhubschrauber, die vor dem Verlassen von US-Truppen außer Betrieb gesetzt worden waren. Stolz präsentieren bärtige Milizionäre gekaperte Munitionsdepots mit den Waffen, mit denen sie bald schon die nächste Generation Dschihadisten ausbilden werden. Es ist ein Scheitern auf ganzer Linie, das zwar schon seit Beginn des „War on Terror“ vorprogrammiert war, doch in seinem schlussendlichen Ausmaß erst durch eine völlig unfähige Politik verschuldet wurde – nicht nur in Berlin, sondern auch in Washington.


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Es sollte eine Reise entlang der Seidenstraße werden. Sie endete in der Gewalt pakistanischer Taliban. Achteinhalb Monate lang lebte ein Schweizer Paar in Todesangst. Nun erzählen sie ihre eindrucksvolle Geschichte.

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