In Zeiten, in denen der gemeine Steuerzahler schon beim Anblick der Benzinpreise weinen möchte, hat Sachsen bewiesen, dass Prioritäten eine Frage der Perspektive sind. Während Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und seine Delegation per Flugzeug nach Rom düsten, um Papst Leo XIV. die Ehre zu erweisen, musste der eigentliche Star der Reise – ein 4 Kilo schwerer, 80 Zentimeter langer Christstollen – 1.400 Kilometer über die Alpen chauffiert werden. Im eigenen Dienstwagen.
Kretschmer wollte dem Pontifex als Gastgeschenk einen echten Dresdner Christstollen bei einer Privataudienz am 23. September in Rom überreichen. Während Kretschmer mit mehreren Ministern und kirchlichen Vertretern im Flieger anreiste, wurde das Weihnachtsgebäck in einem sächsischen Dienst-BMW die rund 1.400 Kilometer von Dresden zum Vatikan transportiert. Begründung: Der Stollen war nicht flugtauglich.
Wegen der Größe und Fragilität des Stollens sei eine Mitnahme im Flugzeug weder in der Kabine noch im Aufgabegepäck möglich gewesen, hieß es von der Staatskanzlei. Überdies seien in dem Auto weitere Gastgeschenke sowie Unterlagen transportiert worden. Aber der Stollen, versteht sich, war der VIP.
Am Ziel angekommen, überreichte Kretschmer dem Heiligen Vater das Meisterwerk, das aus der Konditorei Thomas Neubert in Bärenstein im Erzgebirge stammt – auf einem Holzbrett mit eingelasertem Papstnamen. Wie auf einem Video von „Vaticannews“ zu sehen ist, wollte der Pontifex sogar schon das Messer zücken. Doch halt! Tradition ist Tradition. Der Stollen darf erst zur Weihnachtszeit angeschnitten werden, solange muss er noch „reifen“.
Mit dem Stollen erinnerte Kretschmer an den „Dresdner Butterbrief“ von Papst Innozenz VIII. aus dem späten 15. Jahrhundert, der den Sachsen das Backen mit Butter in der Fastenzeit erlaubte und der Durchbruch für das sächsische Nationalgebäck war.
Kretschmer sagte nach dem Treffen, der Papst wolle eigentlich keine Geschenke, habe den Stollen aber „gut“ gefunden. Ob der Steuerzahler, der die Kosten für die Stollenfahrt übernehmen darf, das so gut findet, darf bezweifelt werden …
