Im Februar 2022 brachte sein Brandbrief das Narrativ der „sicheren“ Impfung zum Einsturz: In einem Brandbrief warnte der damalige Chef der BKK ProVita vor bis zu drei Millionen behandlungsbedürftigen Impfnebenwirkungen in Deutschland. Und zwar auf Basis tatsächlicher Daten der Betriebskrankenkassen. Die Konsequenz: Er wurde ruckzuck gefeuert. Lange blieb er stumm. Jetzt hat er sich in einem Interview erstmals öffentlich geäußert. Und konstatiert: Er würde wieder so handeln.
Kurzer Rückblick: Anfang 2022 lief die Corona-Impfkampagne bereits ein Jahr – und obwohl viele längst im Bekanntenkreis Kontakt mit Nebenwirkungen und Schädigungen nach der Impfung hatten oder selbst betroffen waren, beharrten Politik und „Experten“ auf der hohen Sicherheit der Vakzine und trieben die Durchimpfung voran. Die offiziell verlautbarten Daten schienen das Narrativ weitgehend zu stützen: Alles gar nicht so schlimm. Angeblich.
Doch während das mit der Überwachung der Impfstoffsicherheit betraute PEI für 2021 deutschlandweit von lediglich 244.576 „Verdachtsfällen für Impfnebenwirkungen“ sprach, verzeichnete man in den Daten der rund 11 Millionen Versicherten der BKKs von rund 2,5 Quartalen des Jahres 2021 bereits 216.695 Patienten, die wegen Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung ärztlich behandelt wurden. Das ging nicht auf. In einem Brandbrief rechnete der Chef der BKK-ProVita, der die Datenanalyse durch Tom Lausen angestoßen hatte, die Daten hoch: Demnach dürften damals bereits 2,5 bis 3 Millionen Menschen in Deutschland wegen Impfnebenwirkungen nach der Corona-Impfung in ärztlicher Behandlung gewesen sein. Das entsprach 4 bis 5 Prozent der Impflinge.
Diese Daten sorgten für Aufruhr. Doch statt die von Schöfbeck geforderten Analysen anzustellen, entledigte man sich des allzu auf die Gesundheit der Bürger bedachten Krankenkassenchefs. Er war seinen Job los – und verschwand aus dem Rampenlicht.
Wir berichteten damals über die Causa Schöfbeck und das bezeichnende Vorgehen der BKK-ProVita:
- Krankenkasse alarmiert: Millionen behandlungsbedürftige Impfnebenwirkungen nicht gemeldet
- Ernsthafte Untersuchungen zu Impfnebenwirkungen verhindert: BKK ProVita-Chef gefeuert
- Anfrage von Tom Lausen zeigt: Krankenkasse wollte Herausgabe von Nebenwirkungsdaten verhindern
Schöfbeck meldet sich zurück
Jetzt hat er sich in einem Interview mit Multipolar erstmals wieder zu Wort gemeldet. Warum so spät? Regulär wäre sein Vertrag mit der BKK ProVita noch bis Ende 2024 gelaufen und auf juristischen Rat hin habe er sich währenddessen nicht öffentlich geäußert, so seine Erklärung. Eigentlich wollte er abwarten, bis der laufende Rechtsstreit beendet ist – doch das ziehe sich so lange hin, dass er nun doch bereits an die Öffentlichkeit gehe.
Im Gespräch mit dem Medium erörtert der heute 63-Jährige, dass Mitarbeiter ihm schon 2021 nach Impfbeginn Berichte von schweren Nebenwirkungen bei Versicherten vorgelegt haben. Außerdem seien eine Mitarbeiterin sowie seine eigene Cousine betroffen gewesen, wobei letztere sich davon nie mehr erholt habe. Daher wollte er genauer hinsehen und schloss sich mit dem Datenanalysten Tom Lausen zusammen, um die Daten der rund 70 Betriebskrankenkassen zu untersuchen.
Die Daten sind in jedem Fall seriös, betont Schöfbeck im Gespräch. Der seinerzeitige Vorstandsvorsitzende des BKK-Dachverbandes habe seine Mitarbeiter im Controlling die Analyse überprüfen lassen – mit demselben Ergebnis. Spätere Auswertungen der Techniker Krankenkasse und die Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bestätigten die Analyse ebenso. Wobei Schöfbeck anmerkt: „Und wir sprechen nur von denen, wo die Ärzte eine Impfnebenwirkung erkannt und das dann entsprechend codiert haben. Wir wissen ja, dass es eine beträchtliche Dunkelziffer gibt, die die Ärzte gar nicht als Impfgeschädigte erkennen.“
Schockierende Berichte von Nebenwirkungen
Debattieren konnte man über den tatsächlichen Schweregrad der verzeichneten Fälle. Wie schwer Menschen erkrankt waren, war in den Zahlen nicht ersichtlich. Auch ob es sich um bleibende Impfschäden handelte, war unklar. Anderes hatte Schöfbeck aber auch nie behauptet. Fakt blieb: Nach keiner Impfung wurden jemals so viele Nebenwirkungen verzeichnet.
Als Reaktion auf die Veröffentlichung des Brandbriefs stellten Kritiker seinerzeit kurzerhand Bagatellfälle in den Raum. Schöfbeck berichtet im Interview aber von heftigen Reaktionen auf seinen Brief, die die „alles nicht so schlimm“-Erzählungen des Establishments abermals in Zweifel ziehen:
Da waren erschreckende Reaktionen dabei. Ich kann mich erinnern, dass ein Arzt geschrieben hat, der seine Praxis erst vor elf Monaten von seinem Vater übernommen hatte: Er habe in diesen elf Monaten mehr Impfnebenwirkungen gesehen, als sein Vater vor ihm in über 20 Jahren. Zwei Mütter haben mir Bilder beigefügt zu ihren Mails, von ihren verstorbenen Kindern, die in der Früh tot im Bett waren. Bei einem Kind war Blut im Gesicht, bei dem anderen Schaum vorm Mund – beides unmittelbar nach der Impfung. Mir haben so viele Leute, gerade auch Ärzte, Physiotherapeuten, Hebammen, so dramatisch beschrieben, was sie beobachten. Ich habe vieles nur querlesen können. Aber das war erschütternd.
Andreas Schöfbeck im Multipolar-Interview
„Natürlich kann ich in meiner Auswertung nicht sehen, wie schwer jede Diagnose war. Aber man könnte genau an dieser Stelle in tiefere Analysen einsteigen – das war mein Anliegen“, so Schöfbeck. Und: „Selbst wenn dann, sagen wir, 30 Prozent der Fälle leichte Impfreaktionen waren, würden ja immer noch irre Zahlen im Raum stehen, die geklärt werden müssen.“ Allein, der Wille der verantwortlichen Stellen fehlte. Und fehlt offenkundig bis heute.
Bezeichnende Umstände der Kündigung
Brisant sind auch die Umstände von Schöfbecks Kündigung am 1. März 2022, kurz nach der Veröffentlichung seines Brandbriefs. Nachdem die „Welt“ berichtet hatte, meldete sich auch das PEI bei ihm. Er wollte die Daten mit der Behörde besprechen – und zwar mit PEI-Präsident Klaus Cichutek. Ein Termin wurde angesetzt: für den 1. März um 16 Uhr. Passenderweise wurde dann an genau diesem Tag am Vormittag eine außerordentliche Verwaltungsratssitzung bei der ProVita anberaumt. Gegen 1 Uhr mittags sei ihm eröffnet worden, dass er fristlos gekündigt sei: „Ich habe dann die Daten nicht mehr besprechen können mit dem Paul-Ehrlich-Institut. Tom Lausen war bei dem Video-Termin mit Klaus Cichutek noch kurz dabei, man hat ihm aber den Ton weggenommen, er konnte nicht sprechen. Mein damaliger Stellvertreter hat das dann schnell beendet, wie ich hörte.“
Insgesamt wurde Schöfbeck am Ende dreimal gekündigt: einmal außerordentlich, zweimal ordentlich, wobei die ersten zwei Kündigungen gerichtlich wegen Formfehlern bereits aufgehoben wurden – die Kasse ging in Berufung, aktuell wartet Schöfbeck laut eigener Aussage auf die Terminierung einer Verhandlung beim Oberlandesgericht München. Seine betriebliche Altersvorsorge will man ihm aktuell auch nicht auszahlen.
„Würde das wieder so machen“
Andreas Schöfbeck hat Beruf und Land inzwischen den Rücken gekehrt: Die meiste Zeit sei er nun mit seiner Frau in Portugal, im Sommer außerdem ein paar Wochen in Südtirol. Trotz der Konsequenzen würde er aber laut eigener Aussage wieder so handeln. „Ich habe das im Rahmen meines Auftrags als Vorstand der BKK ProVita gemacht, aus meiner Verantwortung für die Kasse, für unsere Versicherten und für meine Mitarbeiter. Deshalb würde ich diesen Brief wieder schreiben, das ist gar keine Frage“, so Schöfbeck.
