Immer mehr Dürre? Globale Niederschlagsdaten zeigen seit Jahrzehnten das Gegenteil

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Dürre gehört zu den beliebtesten Schreckensbildern der Klimaindustrie. Eine umfassende Auswertung zweier globaler Niederschlagsdatensätze zeigt allerdings, dass die von meteorologischer Dürre betroffene Landfläche zwischen 1950 und 2020 signifikant zurückgegangen ist und sich selbst über mindestens 120 Jahre kein wesentlicher globaler Anstieg erkennen lässt. Trockene Böden gibt es trotzdem, doch wer deren Ursachen untersucht, landet schnell bei steigender Verdunstung, deutlich mehr Sonneneinstrahlung in Europa und sogar bei Eingriffen durch Windparks, während die öffentliche Debatte weiterhin bevorzugt nur auf das CO2 starrt.

Es gehört mittlerweile zum alljährlichen sommerlichen Ritual. Ein paar Wochen Hitze, irgendwo ein ausgetrockneter Acker, ein niedriger Wasserstand oder ein Waldstück mit braunen Bäumen – und spätestens in den Abendnachrichten ist die Diagnose gestellt. „Dürre infolge des Klimawandels“ lautet die Devise. Ob tatsächlich weniger Regen gefallen ist, ob ungewöhnlich viel Wasser verdunstete oder welcher Dürreindex überhaupt gemeint ist, interessiert dann kaum noch jemanden. Doch eben diese Frage entscheidet darüber, was die präsentierten Zahlen eigentlich aussagen.

Sergio M. Vicente-Serrano und seine Kollegen gingen diesem Problem in der 2022 in Philosophical Transactions of the Royal Society A veröffentlichten Arbeit „Global drought trends and future projections“ nach. Für ihre Analyse verwendeten sie unter anderem die beiden voneinander unabhängigen globalen Niederschlagsdatensätze CRU und GPCC und berechneten daraus den Standardized Precipitation Index, kurz SPI. Dieser Index macht das, was man sich unter einer meteorologischen Dürre landläufig vorstellen würde: Er erfasst, ob über einen bestimmten Zeitraum ungewöhnlich wenig Niederschlag gefallen ist.

Das Ergebnis passt ausgesprochen schlecht zur Vorstellung einer Welt, die angeblich seit Jahrzehnten immer stärker verdorrt. Für den Zeitraum 1950 bis 2020 nahm beim Zwölf-Monats-SPI der Anteil der von Dürre betroffenen Landfläche in beiden Datensätzen ab. Beim CRU-Datensatz sank die Fläche mit milder Dürre um rund 1,15 Prozentpunkte pro Jahrzehnt, bei moderater Dürre um 0,72 Prozentpunkte und bei schwerer Dürre um 0,41 Prozentpunkte. GPCC liefert ebenfalls durchgehend negative Trends: −0,78, −0,39 und −0,22 Prozentpunkte pro Jahrzehnt. Die Rückgänge sind statistisch signifikant.

Die Autoren gehen zeitlich sogar noch weiter zurück. Ihr Überblick über die vorhandenen Beobachtungsdaten ergibt für meteorologische Dürren seit mindestens 120 Jahren keine wesentliche globale Zunahme. Regional sieht die Entwicklung selbstverständlich unterschiedlich aus. Im Mittelmeerraum etwa gibt es andere Trends als in Nordeuropa. Von einem globalen Vormarsch des simplen Phänomens „es regnet immer weniger“ bleibt jedoch wenig übrig.

Die Dürre entsteht plötzlich in der Formel

Wie schafft man es dann, gleichzeitig wissenschaftliche Arbeiten zu veröffentlichen, die von einer drastisch zunehmenden globalen Dürre sprechen? Man misst etwas anderes. 2025 erschien in Nature die Studie „Warming accelerates global drought severity“ von Solomon H. Gebrechorkos und Kollegen. Dort sieht die Entwicklung auf einmal erheblich dramatischer aus. Für 2018 bis 2022 berechneten die Forscher weltweit eine um durchschnittlich 74 Prozent größere Dürrefläche als für 1981 bis 2017. Rund 58 Prozent dieses Anstiegs führen sie auf die gestiegene atmosphärische Verdunstungsnachfrage, kurz AED, zurück.

Der scheinbare Widerspruch zu Vicente-Serrano löst sich auf, sobald man sich ansieht, was berechnet wird. Beim SPI zählt der Niederschlag. Die Nature-Arbeit verwendet unter anderem den SPEI, bei dem zusätzlich berücksichtigt wird, wie viel Wasser die Atmosphäre theoretisch aufnehmen kann. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlung verändern damit den Dürrewert selbst dann, wenn sich beim Regen wenig tut. Wer „Dürre“ sagt, sollte deshalb zuerst spezifizieren, welche Art von Dürre man überhaupt meint.

Besonders aufschlussreich wird die Nature-Arbeit dort, wo die Forscher ihre eigene Berechnung auseinandernehmen. Sie rechnen die Entwicklung zusätzlich mit einer konstant gehaltenen atmosphärischen Verdunstungsnachfrage durch. Damit lässt sich abschätzen, wie das Dürresignal ohne deren langfristigen Anstieg ausgesehen hätte. Der globale Einfluss ist gewaltig: Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die erhöhte AED die Dürreschwere im Mittel um rund 40 Prozent verstärkt hat. Für die mediale Schlagzeile bleibt am Ende trotzdem meist nur „mehr Dürre durch Klimawandel“ übrig. Dass ein erheblicher Teil dieser Zunahme überhaupt erst über die Verdunstungskomponente in den verwendeten Index gelangt, schafft es wesentlich seltener bis zum Leser.

Europa hat ein ganz anderes Problem: Es bekommt immer mehr Sonne

Damit wird Europa interessant. Denn ausgerechnet hier hat sich während der vergangenen Jahrzehnte eine Größe massiv verändert, die für Erwärmung und Verdunstung unmittelbar relevant ist: die tatsächlich am Boden ankommende Sonnenstrahlung. Leandro C. Segado-Moreno und Kollegen untersuchten für ihre 2026 in Remote Sensing of Environment erschienene Arbeit „Past, current and future solar radiation trends in Europe: Multi-source assessment of the role of clouds and aerosols“ Messstationen, Satellitendaten und weitere Datensätze. An den europäischen Bodenstationen stieg die Oberflächen-Solarstrahlung zwischen 1994 und 2023 um rund 3,1 Watt pro Quadratmeter und Jahrzehnt.

Drei Jahrzehnte dieses Trends bedeuten, dass heute im europäischen Mittel erheblich mehr Sonnenenergie auf die Oberfläche trifft als Anfang der 1990er-Jahre. Die Forscher führen den Anstieg auf Veränderungen bei Aerosolen und Wolken zurück. Nach ihrer Zerlegung erklärt der direkte Aerosoleffekt ungefähr 20 Prozent des beobachteten Trends; ein großer Teil des Restes hängt mit Veränderungen der Wolken zusammen. Europas Luft wurde sauberer und der Kontinent damit im Schnitt auch sonniger. Schwefeldioxid, Ruß und andere Aerosole wurden durch Luftreinhaltemaßnahmen massiv reduziert. Diese Partikel hatten zuvor Sonnenstrahlung gestreut oder reflektiert und zugleich die Wolkenbildung positiv beeinflusst. Werden sie aus der Atmosphäre entfernt und nimmt zusätzlich die Bewölkung ab, erreicht mehr Sonnenenergie den Boden.

Selbst der Copernicus Climate Change Service führt inzwischen ausdrücklich „increasing solar radiation“ und „reduced air pollution“ unter den Faktoren auf, die erklären sollen, warum es in Europa wärmer wird. Für die vergangenen 30 Jahre nennt Copernicus einen europäischen Temperaturtrend von rund 0,56 Grad pro Jahrzehnt, gegenüber etwa 0,27 Grad global. Zu den von der Behörde genannten Ursachen gehören veränderte Wettermuster, zunehmende Solarstrahlung, geringere Luftverschmutzung, abnehmende Schneebedeckung und geografische Faktoren.

Im europäischen Klimabericht für 2025 findet sich dasselbe Bild noch deutlicher. Die Sonnenscheindauer und Oberflächen-Solarstrahlung lagen in weiten Teilen Nordwest-, Mittel- und Osteuropas deutlich über dem Mittel, während die Wolkenbedeckung über großen Teilen des Kontinents unterdurchschnittlich ausfiel. Copernicus ordnet diese Entwicklung ausdrücklich in die seit rund 40 Jahren beobachteten positiven Trends bei Sonnenscheindauer und Solarstrahlung ein. Das Wort „Sonneneinstrahlung“ kommt in vielen politischen Debatten über Europas Erwärmung trotzdem erstaunlich selten vor. Dort läuft die Geschichte wesentlich bequemer: Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre steigt, die Temperatur steigt, Fall abgeschlossen. Die tatsächliche europäische Entwicklung hat jedoch ein paar zusätzliche Regler.

Mehr Sonne macht den Boden wärmer

Mehr Sonneneinstrahlung liefert mehr Energie an die Erdoberfläche. Besonders deutlich schlägt sich das bei den Tageshöchsttemperaturen nieder. Bereits 2015 untersuchten Else van den Besselaar und Kollegen 312 europäische Wetterstationen für den Zeitraum 1961 bis 2010. Ihre Arbeit „Relationship between sunshine duration and temperature trends across Europe since the second half of the twentieth century“ fand einen starken positiven Zusammenhang zwischen Sonnenscheindauer und Temperaturentwicklung, am deutlichsten bei den Tageshöchsttemperaturen.

Die Forscher beschreiben selbst, dass das europäische „Dimming“ – die frühere Abnahme der Sonneneinstrahlung – die Erwärmung gedämpft und das anschließende „Brightening“ sie verstärkt habe. Europas Temperaturentwicklung wurde also nachweislich dadurch mitgeprägt, wie viel Sonnenenergie tatsächlich die Oberfläche erreichte. Und dieselbe Energie steht für die Verdunstung am Boden zur Verfügung. Deshalb taucht die Strahlung auch in den Berechnungen der potentiellen Evapotranspiration auf. Wird es sonniger, steigt unter entsprechenden Bedingungen die Energie, mit der Wasser aus Böden und Pflanzen in die Atmosphäre gelangen kann. Ein Boden kann dadurch trockener werden, obwohl der Himmel nicht plötzlich aufgehört hat, Regen zu liefern.

Und dann stellt man auch noch riesige Windkraftwerke in die Landschaft

Zur europäischen Energiewende gehört gleichzeitig der massive Ausbau der Windkraft. Die Anlagen greifen dabei in jene bodennahe Luftschicht ein, in der Wärme und Feuchtigkeit zwischen Boden, Vegetation und Atmosphäre ausgetauscht werden. Eine im Juli 2026 erschienene Studie der TU Dresden zeigt das ziemlich anschaulich. Die Forscher simulierten für „Impact of Wind Turbines on Near-Surface Microclimate and Soil Moisture Under Different Stability Regimes“ einen Windpark aus 25 Anlagen unter verschiedenen atmosphärischen Bedingungen. Die Rotoren veränderten Turbulenz, Temperatur, Wärmeflüsse und Bodenfeuchte. Unter stark instabilen Bedingungen nahm der latente Wärmefluss im Mittel um 5,08 Watt pro Quadratmeter zu; gleichzeitig sank die oberflächennahe Bodenfeuchte. Unter stark stabilen Nachtbedingungen stieg der latente Wärmefluss ebenfalls, die Luft in zwei Metern Höhe erwärmte sich im Mittel um 0,695 Grad und auch hier zeigte sich eine verstärkte Bodenfeuchteabnahme.

Die Veränderungen hängen stark von der atmosphärischen Situation ab. Unter einigen Bedingungen blieb die Bodenfeuchte höher, unter anderen sank sie. Unter stark instabilen Bedingungen war das Austrocknungssignal in den Nachläufen der Turbinen am stärksten und reichte im Modell bis rund 20 Zentimeter Bodentiefe. Die Autoren schreiben ausdrücklich, dass Turbulenz durch Windkraftanlagen Evapotranspiration verstärken und bei längeren Perioden ohne Niederschlag oder Bewässerung den Rückgang der Bodenfeuchte beschleunigen könnte.

Feldmessungen gibt es ebenfalls. Gang Wang, Guoqing Li und Zhe Liu veröffentlichten 2023 in Science of the Total Environment die Studie mit dem bemerkenswert eindeutigen Titel „Wind farms dry surface soil in temporal and spatial variation„. In den untersuchten chinesischen Grasland-Windparks fanden sie innerhalb der Windparkflächen im Jahresmittel eine Abnahme der Bodenfeuchte von 4,4 Prozent; die Auswirkungen unterschieden sich nach Jahreszeit, Windrichtung und Entfernung zu den Anlagen.

Die Windkraft selbst mag zwar keine Dürre an sich verursachen, allerdings liefert sie einen weiteren lokal wirksamen Eingriff in jenen Wärme- und Feuchtehaushalt, dessen Veränderungen anschließend wieder in Dürreindikatoren auftauchen können. Und ausgerechnet hierzu fehlen in Deutschland und Österreich bis heute umfassende Langzeitmessungen. Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages stellten 2025 fest, dass weltweit bislang nur sehr wenige Studien zu den Auswirkungen von Windenergieanlagen auf die Bodenfeuchte existieren. Jahrzehntelang Windräder aufstellen und anschließend feststellen, dass man deren langfristigen Einfluss auf den Wasserhaushalt der Böden kaum untersucht hat – auch so geht Energiewende.

Aus einer einfachen Dürre wurde ein ziemlich kompliziertes Geschäft

Am Anfang stand eine simple Frage: Regnet es immer weniger? Die Antwort der globalen Niederschlagsdaten fällt unbequem aus. Von 1950 bis 2020 ging die von meteorologischer Dürre betroffene Landfläche in zwei unabhängigen Datensätzen signifikant zurück. Über mindestens 120 Jahre erkennen die Forscher keinen wesentlichen globalen Anstieg meteorologischer Dürren. Gleichzeitig können Böden trockener werden. Dafür braucht es keine Zauberei. Entscheidend ist die Wasserbilanz: Was kommt durch Niederschlag hinein und was verschwindet durch Verdunstung wieder? Steigt die Verdunstungsnachfrage, verschlechtert sich diese Bilanz selbst bei unverändertem Regen. Die Nature-Studie von 2025 zeigt, wie groß dieser Effekt inzwischen in den verwendeten Dürreindikatoren ist.

Europa bietet dazu ein besonders interessantes Versuchsfeld. Seit Jahrzehnten kommt mehr Sonnenenergie am Boden an, die Wolkenbedeckung hat abgenommen und die Sonnenscheindauer ist gestiegen. Und eben diese wichtige Entwicklung wird selbst von Copernicus als ein Faktor der außergewöhnlich starken europäischen Erwärmung aufgeführt. Gleichzeitig beeinflussen tausende Windkraftanlagen lokal Turbulenz, Temperatur, Verdunstung und Bodenfeuchte. Das alles verschwindet in der öffentlichen Debatte regelmäßig hinter drei Wörtern: „Dürre durch Klimawandel“.

So lässt sich allerdings auch die linksgrüne Bevormundungspolitik wunderbar verkaufen. Für das Verständnis dessen, was auf einem europäischen Acker tatsächlich geschieht, ist die Formel etwas dürftig. Denn bevor aus einem trockenen Boden wieder einmal der nächste Beweis für die CO2-Katastrophe gebastelt wird, wäre eine Frage angebracht: Fehlt dort tatsächlich immer mehr Regen – oder sorgt eine ganze Reihe anderer Veränderungen dafür, dass das vorhandene Wasser schlicht schneller wieder verschwindet?

Wer sich näher mit den technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Schattenseiten des massiven Windkraftausbaus beschäftigen möchte: Heinz Steiner behandelt diese Themen ausführlich in seinem neuen Buch „Der Windkraft-Wahn„.

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