Die Hitzeflaute entlarvt die Kostenfalle der Energiewende

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Die Sommerhitze hat Deutschland fest im Griff – und mit ihr kommt ein neues Wort, das den eigentlichen Konstruktionsfehler der sogenannten Energiewende schonungslos offenlegt: die Hitzeflaute. Während tagsüber die Sonne brennt und Solaranlagen das Netz überlasten, bleibt abends der Wind aus. Die Folge sind explodierende Börsenpreise, absurde Milliardensubventionen für abgeregelten Strom und Gaskraftwerke, die das Schlimmste verhindern müssen. Die grüne Utopie vom billigen Strom ist eine gefährliche Illusion.

Die aktuelle Hochdrucklage bringt viel Sonnenschein, aber eben auch chronisch schwache Windgeschwindigkeiten. Seit Mitte Juni lässt sich am deutschen Strommarkt ein Phänomen beobachten, das die Schwächen der wetterabhängigen Stromversorgung wie unter dem Brennglas offenlegt: Tagsüber produziert die Photovoltaik unter sengender Sonne gewaltige Strommengen, für die es keine Abnehmer gibt. Der Solarstrom fällt am Mittag so reichlich an, dass die Netze kaum noch wissen, wohin mit der Leistung. Anlagen müssen abgeregelt werden, der Strom landet zu negativen Preisen auf dem Markt oder wird ins Ausland gedrückt. Doch das Erwachen folgt auf dem Fuße: Sobald die Sonne untergeht, fällt der Solarstrom schlagartig weg, während die Nachfrage nach Kühlung und Haushaltsstrom weiterläuft. Weht zugleich kaum Wind – die sogenannte Hitzeflaute -, fehlen binnen weniger Stunden gewaltige Mengen an Erzeugungskapazität. Die angebliche Stromschwemme mutiert innerhalb kürzester Zeit zu einer gefährlichen Versorgungslücke.

Welche dramatischen Züge dieser hektische Wechsel zwischen Überfluss und Mangel mittlerweile annimmt, zeigt der Blick auf die Strombörse. Seit Mitte Juni häufen sich die Tage, an denen am Nachmittag der Solarstrom abgeregelt wird, während am Abend die Preise durch die Decke schießen. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) meldete seit dem 18. Juni gigantische Preissprünge: In 39 Viertelstunden schoss der Preis auf über 300 Euro je Megawattstunde (MWh) hoch – mit einem schwindelerregenden Höchstwert von 747 Euro je MWh.

Dazwischen liegt der totale Preisverfall. Das Strommarktportal SMARD der Bundesnetzagentur verzeichnete im Jahr 2024 bereits erschreckende 524 Stunden mit negativen Preisen am deutschen Day-Ahead-Markt. Diese entstehen genau dann, wenn hohe und völlig unflexible Einspeise-Mengen aus Wind- und Solaranlagen auf eine geringe Nachfrage treffen. Strom lässt sich nicht einfach wie Wasser in einem Stausee lagern. Er muss im exakt gleichen Moment erzeugt, transportiert und verbraucht werden. Teure Batteriespeicher können hier nur kurzfristig Abhilfe schaffen, nicht jedoch längere Phasen abdecken.

Der Bürger zahlt für Phantomstrom: drei Milliarden Euro für „Redispatch“

Das Problem führt auch zu einer teuren Doppelstruktur, die sich das Land derzeit leistet. Wenn Anlagen wegen überlasteter Netze nicht einspeisen dürfen, entstehen für die Betreiber Entschädigungsansprüche – Kosten, die am Ende auf der Stromrechnung des Bürgers landen. Das sogenannte Redispatch-System (Eingriffe zur Vermeidung von Netzengpässen) verschlingt Unsummen. Die Bundesnetzagentur beziffert die Kosten für geplante Redispatch- und andere Engpassmaßnahmen allein für das Jahr 2025 auf satte 3,06 Milliarden Euro.

Laut SMARD fielen für 2025 rund 15,55 Terawattstunden (TWh) an Einspeisereduzierungen im Redispatch an. Davon entfielen allein 9,38 TWh auf Erneuerbare-Energien-Anlagen. Strom, der wegen fehlender Leitungen oder fehlendem Bedarf nie genutzt wird, den der Bürger aber dennoch fürstlich bezahlen muss. Gleichzeitig müssen jene konventionellen Kraftwerke weiter in Betrieb und Alarmbereitschaft gehalten werden, die man politisch wegen der katastrophalen Netto-Null-Ideologie eigentlich loswerden wollte. Sie sollen zwar möglichst selten laufen, müssen aber in der kritischen Stunde am Abend sofort verfügbar sein. Personal, Wartung, Brennstofflogistik und die rein technische Betriebsbereitschaft kosten massiv Geld – auch dann, wenn die Anlage tagelang stillsteht.

Das Batterie- und Wasserstoff-Märchen

Die Politik und ihre Experten reagieren auf dieses Dilemma jedoch nicht mit der Einsicht, dass wetterabhängige Energie klare physikalische Grenzen hat. Stattdessen wird von der Regierung der Aufbau immer weiterer Parallelstrukturen gefordert. Doch weder Batterien noch Wasserstoff sind das versprochene Zaubermittel. Batterien sind bestenfalls dafür geeignet, Sekunden, Minuten oder einige Stunden zu überbrücken – also Solarmengen vom Mittag in den frühen Abend zu verschieben. Doch zwischen dieser Tagesverschiebung und der Überbrückung einer Flaute liegen Welten.

Ein Industrieland kann seine Versorgungssicherheit nicht Millionen teurer, im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlicher und ressourcenfressender Lithium-Ionen-Batterien anvertrauen, die nur für Extremphasen dimensioniert und nach wenigen Jahren ersetzt werden müssen. Auch der ständig gehypte Wasserstoff ist vor allem eins: ein verlustreicher Energieträger. Erst wird Strom zur Elektrolyse benötigt, dann muss das Gas komprimiert, gespeichert, transportiert und später in einem Gaskraftwerk wieder zu Strom gemacht werden. Wer Strom in Wasserstoff verwandelt, um später wieder Strom daraus zu gewinnen, muss ein Vielfaches der ursprünglich benötigten Energiemenge erzeugen. Als „Winterbatterie“ für ganz Deutschland ist das eine extrem kostspielige und riskante Sache.

Zwei Stromsysteme, ein Steuerzahler

Die aktuelle sommerliche Hitzeflaute zeigt im Kleinen einfach nur das auf, was die winterliche Dunkelflaute im Großen offenlegt: Das System krankt nicht am mangelnden Ausbau von Wind- und Solarparks, sondern schlicht an deren physikalischer Nicht-Verfügbarkeit zur falschen Zeit. Fällt der Wetterstrom aus, nützt die auf dem Papier gewaltigste „installierte Nennleistung“ nichts – dann zählen nur die echten, steuerbaren Gigawatt an Strom der Kraftwerke.

Je mehr dieser volatilen Energien mit politischer Gewalt ins Netz gedrückt werden, desto größer wird der Bedarf an Ausbau, Speichern, Reservekraftwerken und permanenten Noteingriffen. Man nennt es zynisch „Transformation“, doch technisch betrachtet baut Deutschland eine zweite Stromversorgung neben der ersten auf. Ein unzuverlässiges Flatterstrom-System für schöne Stunden und ein zuverlässiges Sicherheitsnetz für den Rest der Zeit. Die Zeche für diesen gigantischen Planungsfehler zahlt am Ende nur einer: der Bürger.

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