Die Technik moderner Elektroautos entpuppt sich als leichtes Opfer für gewiefte Bastler. In China nutzen Tesla-Fahrer Miniatur-Plastikköpfe von Hollywood-Stars und andere simple Gadgets, um die aufdringliche Fahrerüberwachung im Fahrzeug auszutricksen. Der lebensgefährliche Leichtsinn der Fahrer trifft hier auf das peinliche Versagen von Big Tech.
Wie ein aktueller Bericht des US-Magazins Wired offenbart, floriert in China derzeit ein skurriler Schwarzmarkt für Gadgets, die erschreckend simpel, aber offensichtlich auch hochgradig effektiv sind. Für umgerechnet gerade einmal 10 bis 40 US-Dollar können sich Tesla-Besitzer auf E-Commerce-Plattformen wie Taobao oder Douyin Miniatur-Köpfe kaufen – oft Abbilder von Prominenten wie Hollywood-Schauspieler Dwayne „The Rock“ Johnson. Diese etwa tischtennisballgroßen Figuren werden strategisch geschickt unter dem Rückspiegel oder an der Windschutzscheibe platziert, um die Kamera im Innenraum zu blockieren und der KI vorzugaukeln, ein aufmerksamer Fahrer blicke konzentriert auf die Straße.
Auslöser dieses bizarren Katz-und-Maus-Spiels war ein Software-Update von Tesla im Oktober vergangenen Jahres, das in China die Innenraumkameras aktivierte. Das System soll rigoros überwachen, ob der Fahrer die Augen auf den Verkehr richtet. Schaut er zu lange weg, schlägt das System Alarm; bei Nichtbeachtung wird der Autopilot deaktiviert und der Fahrer zeitweise für die Funktion gesperrt. Als einige Fahrer versuchten, die Überwachungskamera zum Schutz ihrer Privatsphäre einfach abzukleben, reagierte der E-Auto-Pionier prompt: Bei verdeckter Kamera verweigerte der Fahrassistent den Dienst. Die Antwort der aufmüpfigen Kundschaft ließ nicht lange auf sich warten – die Fake-Köpfe waren geboren.
🚗 Une simple tête en plastique à 3 $ aurait réussi à tromper le système de surveillance du conducteur de Tesla 😭
— 𝟑 𝐞̀𝐦𝐞 𝐎𝐞𝐢𝐥 (@_3emeOeil) June 17, 2026
Des internautes chinois ont montré qu'une tête de mannequin vendue quelques dollars sur une plateforme similaire à Aliexpress, pouvait parfois tromper certains… pic.twitter.com/SZcWzk2OlY
Die Kreativität der Leute kennt dabei kaum Grenzen. Ein chinesischer Tesla-Besitzer berichtete stolz, wie er auf einer Fahrt von rund 700 Kilometern den Großteil der Strecke mit eingeschaltetem Autopilot fahren konnte, während ein winziger Plastik-Glatzkopf das Kontrollsystem täuschte. In einem Video demonstriert der Fahrer, wie er gemütlich mit einer Hand Sonnenblumenkerne isst und mit der anderen filmt – das „smarte“ Auto bemerkte von all dem nichts.
Noch abstruser wird es bei anderen Produkten, die ebenfalls im Umlauf sind. Manche Fahrer nutzen sogenannte Lentikular-Drucke (bekannt als „Wackelbilder“), die durch die sanfte Bewegung des fahrenden Autos zwischen einem Bild mit geöffneten und einem mit geschlossenen Augen wechseln – das System fällt auf das simulierte Blinzeln herein. Die High-End-Version dieser Manipulations-Gadgets ist ein winziger Bildschirm im Taschenformat, der eine Endlosschleife eines blinzelnden Menschen abspielt. Händler prahlen damit, dass dieses System selbst bei den neuesten Tesla-Modellen und sogar dem Cybertruck in westlichen Märkten eine Fehlerquote von „0 Prozent“ habe.
Drivers in China are reportedly using small plastic doll heads sometimes modeled after celebrities like Dwayne “The Rock” Johnson to trick Tesla’s in-car driver monitoring system.
— CTO ROBOTICS Media (@ctorobotics) June 20, 2026
The idea is simple: Tesla’s Autopilot and Full Self-Driving (Supervised) use a cabin camera to… pic.twitter.com/AdbVI1Vrm0
Doch mit solchen Tricksereien gefährden die Besitzer solcher Fahrzeuge auch andere Menschen – und sich selbst. Denn der Autopilot dieser Autos ist nicht perfekt und benötigt immer wieder ein menschliches Eingreifen. Fahrerassistenzsysteme sind derzeit (entgegen der vollmundigen Werbeversprechen) nämlich immer noch weit davon entfernt, vollständig autonom und sicher zu navigieren. Ganz zu schweigen davon, dass die Hightech-Stromer nichts weiter als mobile Überwachungstools sind, die Fahrerdaten sammeln und mittels moderner Bilderkennungssoftware die Umgebung scannen.
