Sie war von Anfang an skeptisch gewesen und hatte auch ihre Tochter vor den Corona-Impfungen gewarnt – doch der gesellschaftliche Druck war stärker. Im Interview mit Johannes Clasen lässt eine Lehrerin und Mutter die Corona-Jahre Revue passieren und spricht über den plötzlichen und unerwarteten Tod ihrer 31-jährigen Tochter, deren kleine Kinder nun ohne Mutter aufwachsen müssen. Das emotionale Gespräch verdeutlicht erneut: Es muss eine Aufarbeitung geben.
Der folgende Artikel von Elisabeth Maria erschien zuerst beim MWGFD:
Grit im Gespräch mit Johannes Clasen über die Coronazeit, ihre frühe Skepsis vor den Corona-Impfungen, den plötzlichen Tod ihrer 31-jährigen Tochter, zwei kleine Enkelkinder, die ohne ihre Mutter aufwachsen müssen und über offene Fragen, die bis heute bleiben. Kraft geben ihr die Treffen im Malchower Format, die ihr helfen, trotz Trauer und Wut weiterzuleben.
Eine besondere Zeit, die für Grit anders begann
Die Coronazeit begann für Grit ruhig, fast sorglos. Panik spürte sie nicht – weder bei sich noch im Familien- und Freundeskreis.
Sie erinnert sich noch gut an ein Interview, das sie damals hörte – ein Gespräch zwischen Christian Drosten und dem Journalisten Jörg Thadeusz im RBB, in dem „so eine Beruhigung“ vermittelt wurde.
Nachrichten aus Ischgl oder die Bilder von Krankenhäusern erreichten sie zwar, verunsicherten sie aber nicht. „Ein gesunder Mensch wird das schon […] wegstecken“, so ihre Einschätzung.
Auch später blieb ihre Sicht vergleichsweise gelassen. Sie hatte keine Angst vor der Krankheit selbst – eher vor den Nachrichten und den politischen Maßnahmen, die folgten: Die ließen „einen eigentlich den Kopf schütteln.“
Zu Hause war ihre Welt in Ordnung: der Garten, die Familie, das Enkelkind. „Friede, Freude, Eierkuchen.“ – so beschreibt Grit diese Zeit, die durch den intensiven familiären Kontakt „auch was Schönes“ hatte.
Eine Lehrerin im Lockdown
Grit ist Lehrerin und war damals krankgeschrieben. Als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown begann, hätte sie eigentlich wieder arbeiten sollen. Doch ihre Krankschreibung verlängerte sich – im Nachhinein empfindet sie das sogar als Glück. Denn vieles, was in dieser Zeit an Schulen umgesetzt wurde, empfand sie als absurd. Besonders die aus ihrer Sicht „lächerliche“ Maskenpflicht in Schulen habe sie befremdet.
Frühe Zweifel an der Impfung
Als gegen Ende des Jahres 2020 über die Entwicklung der Corona-Impfstoffe gesprochen wurde, hörte Grit Warnungen, die andere kaum wahrnahmen. Besonders die Aussagen von Sucharit Bhakdi blieben ihr im Gedächtnis: Hinweise auf mögliche schwere Nebenwirkungen der neuen Impfstoffe, die in der Gesellschaft kaum diskutiert wurden. Grit suchte gezielt nach Stimmen, die Panik relativierten, die sagten, dass „alles nicht so schlimm“ sei, und nach Fakten, die beruhigten. So stand für sie früh fest, dass eine Impfung weder für sie, noch für ihren Mann und ihren minderjährigen Sohn in Frage kommen würde. Grit wollte bewusst Entscheidungen treffen, informiert und eigenverantwortlich. Dem politischen und gesellschaftlichen Druck stand sie zunehmend skeptisch gegenüber.
Als Lehrerin gehörte sie zu den privilegierten Gruppen, die früh ein Impfangebot erhielten. Fast alle ihre Kollegen nahmen es an. Doch sie blieb kritisch. Ihr Widerstand wurde stärker, je mehr man sie drängen wollte: „Ne, jetzt erst recht nicht. […] Warum will man das so mit Macht in die Menschen reinkriegen?“, fragte sie sich.
Eine Mutter, die immer gewarnt hatte
Grit warnte nicht nur ihren Mann und ihren Sohn vor der Impfung. Auch ihrer Tochter habe sie wiederholt ihre Meinung gesagt und ihr geraten:
„Lass dich nicht impfen!“
Die junge Frau war verheiratet, hatte mittlerweile zwei kleine Kinder und wohnte in Berlin. Auch wenn der Kontakt eng, die Beziehung liebevoll blieb, wusste die Mutter, dass ihr Einfluss begrenzt war und die Tochter ihre eigenen Entscheidungen traf. Der gesellschaftliche Druck – Testpflichten, Maßnahmen und die Angst, Außenseiterin zu sein – lasteten schwer auf ihr.
„Da war meine Tochter nicht so souverän wie ich.“
Drei Impfungen, ein letztes Weihnachten und ein plötzlicher Tod
Im Sommer 2021 ließen sich ihre Tochter und ihr Schwiegersohn schließlich impfen. Die junge Frau erhielt zunächst zwei Impfungen mit Moderna. Anfang 2022 folgte die Booster-Impfung mit Comirnaty. Zunächst verlief alles normal. Ihre Tochter arbeitete, kümmerte sich um Hausbau, Familie und ihre Kinder – das Leben verlief weiter wie gewohnt.
Weihnachten 2021 traf sich die Familie unter den damals geltenden Einschränkungen. Im Rückblick hat dieses Weihnachtsfest für Grit eine besondere Bedeutung.
„Es war letztendlich das letzte Weihnachten mit unserer Tochter.“
Damals ahnte noch niemand, wie tragisch sich das folgende Jahr entwickeln und das Leben der ganzen Familie für immer verändern würde.
Ab dem Frühjahr 2022 litt die junge Mutter unter starken Magen-Darm-Beschwerden und verlor deutlich an Gewicht. Dennoch arbeitete sie weiter, kümmerte sich um Haus, Kinder und Familie. „Die Kraft dazu war noch da“, sagt Grit im Rückblick. Sie bat ihre Tochter immer wieder, zum Arzt zu gehen. Doch diese wiegelte ab, wollte ihren Alltag aufrechterhalten. Im Juni organisierte sie noch die Geburtstagsfeier ihrer Tochter – vordergründig wirkte alles wie immer.
Kurz danach schickte sie Grit an einem Sonntag noch Fotos von sich und den Kindern.
Wenige Tage später, an einem Mittwoch, war sie „plötzlich nicht mehr da“, lag morgens tot in ihrem Bett.
„Wir sind aus allen Wolken gefallen.“
Der Schwiegersohn hatte am Abend zuvor nichts Ungewöhnliches bemerkt. Seine Frau sei ganz normal ins Bett gegangen, habe noch Rasen gemäht.
„Morgens hat sie den Wecker nicht gehört.“
Der Notarzt konnte nichts mehr tun. Da es sich um einen ungeklärten Todesfall handelte, folgten Polizei und Ermittlungen. Die Familie erstarrte in Schock und Verzweiflung.
Der erste Gedanke: die Impfung
In dieser unfassbaren Situation war für Grit sofort klar, was sie für die Ursache hielt.
„Ich hab sofort an diese Impfung gedacht. […] Im Prinzip hat Prof Bhakdi sowas ja vorausgesagt.“
Überflutet von einem Gefühl der Hilf- und Fassungslosigkeit dachte sie:
„Es ist jetzt genau das passiert und der Einschlag ist direkt bei dir.“
Neben der unermesslichen Trauer kam auch Wut:
„Auf der einen Seite Trauer, auf der anderen Seite totale Wut auf alles oder auf jeden, dass das möglich war.“
Bis heute ist sie überzeugt:
„Für mich steht hunderttausendprozentig fest, dass die Impfungen dafür verantwortlich waren.“
Die Obduktion – Ungereimtheiten und offene Fragen
Eine Obduktion sollte Gewissheit bringen, brachte jedoch nur neue Unsicherheiten.
Grit und ihr Mann befanden sich zu diesem Zeitpunkt in Quarantäne und konnten ihre Tochter daher nicht mehr sehen, sich nicht mehr von ihr verabschieden.
„Das ist für mich nach wie vor ein Ding, ich muss jetzt glauben, dass sie nicht da ist, ich hab irgendwie keinen Beweis dafür.“
Irgendwann sei schließlich eine Urne beerdigt worden.
Nach der Obduktion wurde ein Herzfehler, der nie Probleme bereitet hatte, als angebliche Ursache genannt – ein Befund, der laut einem Internisten aus Grits Umfeld den Tod nicht erklären könne.
Nach einem Jahr bat die Familie über eine Anwältin um Einsicht in die staatsanwaltliche Akte. In den Unterlagen fanden sich Hinweise auf mehrere Organschäden, die nicht erklärbar waren – unter anderem am Herzen, an der Lunge und an der Milz.
„So viele Schäden, und die Anwältin sagte uns: Ihre Tochter war schwer krank.“
Dabei sei sie, so Grit, bis zum Schluss leistungsfähig gewesen. „Ich möchte gerne eine Krankheit benannt haben, die diese Schäden hat“, so ihre Forderung. Doch eine klare Aussage wurde nicht getroffen. Bis heute nicht.
Eine weitere Ungereimtheit belastet Grit ebenfalls bis heute sehr: Ein Jahr nach dem Tod der Tochter versuchte sie, über Experten der MWGFD zusätzliche Untersuchungen der Gewebeproben zu veranlassen, um den Verdacht eines Impfschadens zu klären. Denn:
„Meine Überzeugung ist, dass es die Impfung war, die meiner Tochter das Leben gekostet hat.“
Doch als die Familie nach den Gewebeproben fragte, erhielt sie eine überraschende Antwort:
Die Proben, die eigentlich mehrere Jahre aufbewahrt werden müssten, seien bereits wenige Monate nach dem Tod ihrer Tochter vernichtet worden. Das habe sie sehr stutzig gemacht, so Grit, bis heute wisse sie nicht, warum das geschehen sei. Entweder sei gegen Vorschriften verstoßen oder ihnen nicht die Wahrheit gesagt worden.
Für Grit steht der Verdacht im Raum, dass man „irgendwie nicht mehr möglich machen wollte“, dass ihr Verdacht nachgeprüft werden könne.
„Das ist für mich auch noch mal so ein Schlag gewesen.“
Denn für sie wäre es ein wichtiges Ergebnis gewesen, „eine Bestätigung oder auch eine Nichtbestätigung zu bekommen. […] So bleibt das so lange ich lebe im Raum stehen.“
Für Grit bleibt damit eine für sie entscheidende Frage unbeantwortet. „Die Umstände des Todes, die Umstände der Obduktion hinterher sind für mich höchst fragwürdig“, lautet ihr Resümee.
Zwei Kinder ohne ihre Mutter
Am schwersten zu ertragen ist für Grit der Gedanke an ihre beiden Enkelkinder, die ihre Mutter nie wiedersehen werden:
„Meine Tochter hat zwei kleine Kinder hinterlassen. Die hätte sie gerne aufwachsen sehen.“
Die junge Frau sei eine liebevolle, engagierte Mutter gewesen. „Meine Tochter war gerne Mutter“, erinnert sie sich mit leiser Stimme. Der Kontakt zum Schwiegersohn ist bis heute gut.
„Das ist das Tröstliche dabei.“
Doch die Lücke, die der Verlust hinterlässt, ist unermesslich.
Zwischen Trauer und Wut
Vier Jahre sind inzwischen vergangen. Doch die Gefühle sind noch immer stark.
„Wenn ich darüber nachdenke geht es immer hin und her zwischen Trauer und Wut. Ich bin immer hin- und hergerissen und fühle mich so ohnmächtig.“
Besonders schwer fällt ihr, wenn mögliche Impfschäden öffentlich heruntergespielt, verharmlost und „bagatellisiert“ werden.
„Für mich ist das […] keine Einzelerscheinung.“
Sogar der Trauerredner habe bestätigt, dass seiner Beobachtung nach deutlich mehr junge Menschen plötzlich und unerwartet sterben würden.
Halt im Malchower Format
Eine wichtige Stütze hat Grit in den Treffen des Malchower Formats gefunden, wo sie Kraft tanken kann.
„Das ist wie so eine Art Selbsthilfegruppe für mich.“
Dort könne sie frei und offen sprechen, ohne Angst vor Ablehnung. Menschen, die ähnlich denken, hören ihr zu, sprechen ihr Mut zu und nehmen ihre Erfahrungen inmitten des großen Verlustes ernst. „Für mich ist das immer sehr wichtig“, sagt sie dankbar.
Der Wunsch nach Aufarbeitung
Was sich Grit heute am meisten wünscht, ist Aufklärung – nicht nur für sich und ihre Familie, sondern für alle, die betroffen sind.
„Ich wünsche mir wirklich eine Aufarbeitung. Nicht nur eine Enquete-Kommission, sondern wirklich Untersuchungsausschüsse.“
Für sie ist schwer zu ertragen, dass so viele Fragen offen und unbeantwortet bleiben. Die Tatsache, dass niemand Verantwortung übernehmen muss, ist für sie nicht nachvollziehbar und macht sie fassungslos.
Neben der Trauer spürt sie eine tiefe Ohnmacht:
„Welches Leid dabei […] passiert ist, durch die Verantwortlichen verursacht wurde. Es muss keiner eine Konsequenz tragen. Das tut mir sehr weh.“
Doch trotz aller Wut bleibt die Erinnerung an ihre Tochter lebendig – ebenso wie die Hoffnung, dass ihre Geschichte irgendwann Antworten und Gerechtigkeit bringt. Möge ihre Hoffnung wahr werden.
[1] Das Malchower Format ist eine monatlich stattfindende Vortragsreihe, die von Pfarrer Thomas Dietz ins Leben gerufen wurde. In diesem Beitrag wird dieses Format genauer erläutert.
