Israelische Neuordnung im Libanon: Eine Option

Symbolbild: quatroxproduction / freepik

Der israelische Einmarsch könnte den gescheiterten Staat Libanon aus dem Chaos führen. Die Ermächtigung von libanesischen Bündnispartnern und ein Bevölkerungsaustausch können das möglich machen. Hier eine Skizze einer möglichen weiteren Entwicklung.

von Eric Angerer

Wie bereits beschrieben, dringt Israel seit vergangener Woche in den Südlibanon ein. Es soll um die Besetzung des Gebietes bis zum Fluss Litani gehen. Das würde einen Vormarsch von 25 bis 30 Kilometern bedeuten – und die Kontrolle über ein Gebiet, das überwiegend von Schiiten bewohnt wird und das von deren terroristischer Miliz Hisbollah, einem Proxy der iranischen Mullahs, beherrscht wird.

Und offenbar setzt Israel darauf, den Großteil der Bevölkerung aus dem Gebiet südlich des Litani zu verdrängen. Christliche Dörfer scheinen allerdings davon verschont zu bleiben.

Gunst der Stunde nutzen

Die israelische Führung könnte das Momentum nutzen und gegenüber dem Libanon eine Neuordnung anstreben. Der Libanon und auch Syrien waren lange weitgehend christlich-orthodoxe Gebiete unter byzantinischer Herrschaft, die später immer mehr islamisiert wurden.

Die künstlichen Grenzziehungen durch Frankreich und Großbritannien sind ein wesentlicher Grund dafür, dass es sich bei Syrien und dem Libanon um gescheiterte Staaten handelt. Sie sind zerrissen durch zahlreiche ethnische und religiöse Gruppen.

Dass mit israelischer Intervention hier eine Neuordnung stattfinden könnte, würde einigen drangsalierten Minderheiten zugutekommen. Neue Grenzziehungen und Bevölkerungsaustausch würden mittel- und langfristig Konflikte entschärfen und allen die Möglichkeit einer besseren Entwicklung geben.

Israel praktiziert das bereits mit seinem Schutz der Drusen in Syrien. Im Libanon könnten ebenfalls die Drusen und vor allem die Christen (Maroniten, Griechisch-Othodoxe, Griechisch-Katholische, Armenisch-Orthodoxe) davon profitieren.

Drusen in Syrien unter Druck 

Am klarsten ist die Perspektive bezüglich der Drusen, einer religiösen Strömung, die zwar aus dem Islam kommt, aber kaum mehr etwas mit ihm zu tun hat, sondern mehr mit Mystik und Seelenwanderung, und die etwa Missionierung ablehnt. Diese Minderheit umfasst im Libanon etwa 300.000 Menschen, die vor allem an der Grenze zu den Golanhöhen siedeln. Die 700.000 Drusen in Syrien leben ziemlich kompakt im Süden an der Grenze zu Israel und zum Libanon.

Im Juli 2025 wurden die syrischen Drusen vom neuen dschihadistischen Regime und von seinen Handlangern unter sunnitisch-arabischen Beduinen attackiert. Dabei wurden in der Ebene unterhalb von Suweida in einem Pogrom im Stile des 7. Oktober 2023 etwa 30 drusische Dörfer niedergebrannt und die Einwohner regelrecht abgeschlachtet. Dschihadisten filmten sich gegenseitig, wie sie stolz abgeschlagene Köpfe von drusischen Frauen und Kindern und sogar ein herausgeschnittenes Herz eines Drusen herumzeigen und dabei „Allahu Akbar“ brüllen.

Bei diesen monströsen Massakern wurden mindestens 2000 Drusen ermordet und – ganz in der islamischen Expansionstradition – etwa 300 Drusen, vor allem junge Frauen und Mädchen, verschleppt. Die westlichen Linken und die globalistischen Mainstreammedien schwiegen über diese Verbrechen weitgehend, stattdessen hofierten westliche Politiker den Anführer der Mörderbanden.

Die drusischen Milizen haben sich, so gut es ging, verteidigt, was in der Ebene mit unterlegener Bewaffnung kaum möglich war, im Gebirge um Suweida aber einigermaßen funktioniert. Wesentlich dafür war die Unterstützung durch die israelische Luftwaffe. Das war keine Überraschung, denn in Israel leben etwa 150.000 Drusen, die dort eine anerkannte und loyale Minderheit darstellen. Viele Drusen dienen in der israelischen Armee bis in höchste Funktionen. Israel sieht sich zunehmend als Schutzmacht auch für die syrischen Drusen, die dem jüdischen Staat wiederum freundschaftlich gegenüberstehen.

Perspektive Drusenstaat

Allerdings war die Unterstützung Israels – unter proislamischem internationalem Druck – bisher halbherzig. Israelische Drusen und ihre Unterstützer fordern eine entschiedenere Hilfe Israels für Suweida, so etwa Mansur Ashkar, ein ehemaliger drusischer Offizier israelischer Spezialeinheiten, in diesem sehenswerten Video:

Als ersten und sofortigen Schritt verlangt Ashkar die Einrichtung eines „humanitären Korridors“ von den israelischen Golanhöhen, wo auch viele Drusen leben, ins Gebiet von Suweida, um die 600.000 Drusen dort wirklich versorgen zu können. Seiner Meinung nach würden die Drusen, ausreichend bewaffnet von Israel, diesen Korridor am Boden selbst sichern, wenn die israelische Luftwaffe die Kontrolle in der Luft übernimmt.

Die syrischen Drusen würden nicht nur deshalb gerne Israelis werden, sondern auch, weil sie sehen, wie gut die israelischen Drusen leben. Es scheint jedenfalls nur logisch, die Drusengebiete aus dem syrischen Staat herauszulösen, sie Israel anzugliedern oder eine Art Eigenstaatlichkeit unter israelischem Schutz herzustellen oder eine Art Konföderation zu bilden.

Daran hat Israel mehrfaches Interesse. Erstens entsteht ein Puffer zum syrisch-sunnitischen Regime. Zweitens gewinnt man in der Region wehrhafte Verbündete. Drittens erleichtert es die Kontrolle über das jüngst israelisch besetzte Hermon-Gebirge, das militärisch gegenüber Syrien und dem Libanon ebenso wichtig ist wie als Wasserquelle für den jüdischen Staat.

Christen in Syrien und im Libanon

Komplizierter als bei den Drusen ist die Sache bei den syrischen Christen. Das Gebiet des heutigen Syrien wurde ab der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert islamisiert. Dennoch waren noch um 1900 etwa 30 Prozent der Bevölkerung orthodoxe Christen. Sie wurden aber auch in spätosmanischer Zeit massiv schikaniert und bedrängt. In der Folge emigrierten allein zwischen 1900 und 1919 etwa 800.000 syrische Christen in die USA (angesichts der damaligen Bevölkerungsgröße eine riesige Anzahl).

Zwischen 1915 und 1917 wurden in einem Völkermord bis zu 250.000 syrische Christen von osmanisch-türkischen Nationalisten ermordet. Auch in den folgenden Jahrzehnten wurde ihr Anteil an der Bevölkerung stetig geringer. Obwohl unter dem Assad-Regime relativ geschützt, lag ihr Anteil schon 2010 nur mehr bei etwa 10 Prozent, also 2,5 Millionen. Durch Bürgerkrieg, islamistischen Terror und Auswanderung ging ihre Zahl seitdem nochmal deutlich zurück. Da die syrischen Christen außerdem verstreut leben und nun Hardcore-Islamisten das Land beherrschen, ist ihre Perspektive in Syrien düster. Eine Perspektive könnte sich für sie aber in Zusammenhang mit dem Libanon ergeben.

Im Libanon ist die Situation der Christen noch anders. Das Land stand ebenfalls ab dem 7. Jahrhundert die meiste Zeit unter islamischer Herrschaft. Die Islamisierung lief aber unterm Strich weniger erfolgreich. Noch bis in die 1960er Jahre waren die (meist orthodoxen) Christen mit etwa 55 Prozent die Mehrheit im Land. Dennoch gab es bereits im 19. Jahrhundert osmanisch-islamischen Druck. Dann, durch den libanesischen Bürgerkrieg 1975 bis 1990, verließen vor allem libanesische Christen das Land, sodass heute in Brasilien, den USA und anderen Ländern viele Millionen libanesische Christen leben. 

Aktuell, nach palästinensischen und syrischen Flüchtlingen und höheren Geburtenraten, machen Muslime etwa 55 Prozent der ungefähr 6 Millionen Libanesen aus – jeweils zur Hälfte Sunniten, die überwiegend im Norden leben, und Schiiten, die einerseits ganz im Süden und andererseits im Nordosten (der Bekaa-Ebene) siedeln. Die Christen machen etwa 40 Prozent aus, die in der mittleren Hälfte des Landes die Mehrheit stellen. Die 300.000 Drusen im Land leben vor allem im Osten. Die zentral gelegene Hauptstadt Beirut ist gemischt und hat gut 2 Millionen Einwohner.

Entwaffnung der Hisbollah und Bürgerkrieg

Bislang war die dschihadistische Schiitenmiliz Hisbollah im Libanon eine Art Staat im Staate. Unterstützt vom Assad-Regime in Syrien und vom Iran der Mullahs war ihre Macht groß. Sie revanchierte sich bei Assad durch die Bereitstellung von Truppen im Bürgerkrieg gegen die sunnitischen Extremisten in Syrien.

Nun ist das Assad-Regime von diesen Al-Kaida-Leuten gestürzt, der Iran geschwächt, die Hisbollah durch israelische Angriffe zurechtgestutzt. Ohne die iranische Rückendeckung und Nachschub aus Syrien steht die Hisbollah innenpolitisch unter Druck und die libanesische Regierung forderte jüngst ihre Entwaffnung. Die Hisbollah drohte daraufhin mit Bürgerkrieg.

In der Folge tat die libanesische Regierung, ein fragiles und wenig handlungsfähiges Konstrukt aus Vertretern verschiedener Ethnien, wieder einmal nichts. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass die libanesische Armee zahlenmäßig schwächer und weniger kampferfahren ist als die Hisbollah. Die Regierungssoldaten sind sicherlich auch weniger motiviert, ihre schiitischen Teile würden womöglich nicht auf die Hisbollah schießen.

Wenn nun aber die israelische Armee die Aufgabe der Entwaffnung der Hisbollah übernimmt, könnte sich die Lage ändern. Die libanesische Armee könnte unterstützend daran teilnehmen, die libanesische Regierung perspektivisch wieder die Kontrolle über das Land übernehmen. Da Israel vermutlich keine Lust hat, seine Soldaten ständigen Angriffen von Dschihadisten, die aus dem Schutz der Zivilbevölkerung heraus agieren, auszusetzen, drängen sich demografische Lösungen auf.

Bevölkerungsaustausch

Und da Israel bezüglich der Hisbollah und des Libanon, aus dem es immer wieder angegriffen wurde, Sicherheitsinteressen hat, könnte es beginnen, hier größer zu denken. Konkret könnte es einerseits den libanesischen Christen ein vielversprechendes Angebot machen und andererseits den militärischen Druck auf das syrische Dschihadistenregime erhöhen – um schließlich einen Deal abzuschließen.

Den klügeren libanesischen Christen wird klar sein, dass ihnen mittel- und langfristig dasselbe Schicksal droht wie den Christen in Syrien, in Ägypten und in diversen anderen arabisch-islamischen Staaten, dass sie durch Geburtenraten, Terror und Abwanderung auf absehbare Zeit zur marginalisierten Minderheit im eigenen Land werden.

Mit nachdrücklicher israelischer Unterstützung könnte der Ausweg ein Bevölkerungsaustausch mit Syrien (und eventuell auch dem Irak) sein. Syrien müsste die libanesischen Sunniten aufnehmen und könnte eventuell die mehrheitlich sunnitischen Gebiete im Norden abgetreten bekommen. Es müsste dafür seine drusischen Gebiete aufgeben. Die syrischen Christen, egal ob noch im Lande oder in den letzten Jahren vertrieben, könnten im Libanon eine neue Heimat finden.

Mit den libanesischen Schiiten ist es schwieriger. Zumindest die aus dem Südlibanon müssten abgesiedelt werden. Die Bekaa-Ebene könnte an Syrien abgetreten werden. Wenn die libanesischen Schiiten, die das Assad-Regime unterstützt hatten, dann aber zum jetzt von sunnitischen Extremisten beherrschten Syrien gehören, könnte das leicht dazu führen, dass sich dort die verschiedenen Fraktionen der „Friedensreligion Islam“ gegenseitig die Köpfe abschneiden.

Eine Alternative wäre ein Bevölkerungsaustausch mit dem mehrheitlich schiitisch-arabischen Irak. Dort lebten bis 2003 etwa 1,5 Millionen orthodoxe Christen, heute sind es maximal noch 300.000, die unter Verfolgung und Abwanderung leiden. Sie und die in andere Länder vertriebenen irakischen Christen könnten im Libanon Zuflucht und eine neue Heimat finden.

Christenstaat Libanon?

Der Libanon könnte so zu einem christlichen Staat im Nahen Osten werden, zur Zufluchtsstätte auch für andere orientalische Christen. Wichtig wäre, dass die Maroniten, die Griechisch-Orthodoxen, die Griechisch-Katholischen und die Syrisch-Orthodoxen eine gemeinsame Identität finden, so wie es die in Israel gesammelten Juden vorgezeigt haben. Ein zentraler Aspekt wäre dabei eine gemeinsame Sprache, die eben gerade nicht die des arabischen Kolonialismus sein sollte.

Israel hat dazu das Hebräische als Alltagssprache wiederbelebt. Für einen Staat der orientalischen Christen im Libanon würde sich entweder Aramäisch anbieten, die ehemalige Verkehrssprache der Region und die Sprache von Jesus Christus, oder Griechisch, die Sprache, die die orthodoxen Christen der Region während der byzantinischen Zeit sprachen.

Der libanesische Christenstaat könnte unter dem Schutz Israels stehen, militärisch aufgebaut und zu einem verlässlichen Verbündeten des jüdischen Staates werden, mit loyalen drusischen Minderheiten in beiden Staaten.

Und der christliche Libanon könnte auch politische und wirtschaftliche Unterstützung der großen libanesisch-christlichen Diaspora erhalten und – so wie Israel – vorzeigen, dass auch im Nahen Osten ein moderner, prosperierender Staat möglich ist (wenn nicht eine archaische Herrschaftsideologie wie der Islam den Fortschritt behindert).

Alawitenstaat?

Die Alawiten sind eine Abspaltung des schiitischen Islams, die erhebliche mystische Elemente hat, die „fünf Säulen des Islam“ allegorisch auslegt. Alawiten haben keine Moscheen, dürfen Alkohol trinken und sind insgesamt eine moderate, relativ moderne Strömung. Sie machen etwa 12 Prozent der syrischen Bevölkerung aus, leben sehr kompakt im syrischen Küstengebirge und stellen dabei in den beiden Provinzen Latakia und Tartus die Mehrheit der Bevölkerung.

Bereits in der Zeit des französischen Völkerbundmandats hatten sie dort (wie auch die Drusen im Süden) zeitweise einen eigenen Staat. Im Assad-Regime waren nicht nur die Präsidenten Alawiten, sondern auch viele hohe Staatsbeamte und Militärs. Im syrischen Bürgerkrieg hielt sich das Regime mit Hilfe aus dem schiitischen Iran und der schiitischen Hisbollah-Milizen gegen die sunnitischen Dschihadisten, die wiederum Hilfe von der Türkei und Katar hatten, an der Macht. Im Zuge der Auseinandersetzungen rief der einflussreiche und berüchtigte aus Ägypten stammende und von Katar aus auf Al Jazeera predigende Yusuf al-Qaradawi 2013 zum Kampf gegen die Alawiten auf, die „ungläubiger als Juden und Christen“ seien.

Nach dem Sturz des Assad-Regimes durch die von der Türkei gelenkten Al-Kaida-Nachfolger stehen die Alawiten in Syrien unter massivem Druck ihrer sunnitisch-dschihadistischen Todfeinde und sind wiederholt mörderischen Übergriffen ausgesetzt. Obwohl Assad und seine Kader gemeinsam mit dem Iran und der Hisbollah rabiat antiisraelisch waren (und sich Syrien ja seit 1948 offiziell im Kriegszustand mit Israel befindet), könnte dieser Druck die Stimmung unter den Alawiten rasch ändern.

Wenn sich die Alawiten für den Weg in Richtung Unabhängigkeit entscheiden, werden sie bei der militärischen Durchsetzung für Hilfe der israelischen Luftwaffe dankbar sein. Generell könnte unter israelischem Schutz aus den beiden syrischen Küstenprovinzen ein relativ moderner und säkularer alawitischer Staat entstehen, der mit einem christlichen Libanon die jeweiligen Minderheiten (Alawiten aus dem Libanon, Christen aus dem Alawitenstaat) austauscht oder auch nicht. 

Ob sich ein Alawitenstaat und auch ein Bevölkerungsaustausch-Deal zwischen dem Libanon und Syrien realisieren lassen, wird freilich auch von geopolitischen Faktoren abhängen. Wie stark bringen sich die USA unterstützend ein? Wie wird sich das israelisch-russische Verhältnis entwickeln? Kann die Türkei, die das neue Islamistenregime in Damaskus in einer Art neoosmanischer Ausrichtung als Protektorat betreibt, zu solchen Deals gezwungen werden? Wie geht es mit dem Mullah-Regime weiter? Gelingt Israel eine Fortsetzung der Normalisierung mit den VAE, den Saudis und Ägypten? 

Israelische Vorbereitungen

Bei den oben ausgeführten Perspektiven handelt es sich durchaus nicht um nebulöse Hirngespinste. Bereits Ende August 2025 äußerte sich General Amir Avivi, Sprecher des Israel Defense and Security Forum (IDSF), eines Zusammenschlusses von 34.000 Reserveoffizieren mit guten Verbindungen zu Armeeführung und Regierung, eindeutig:

Israel habe kein Interesse am Wiedererstarken eines einheitlichen syrischen Staates. Die dortigen Minderheiten wüssten sehr gut, dass ihnen unter der Herrschaft der Al-Kaida-Dschihadisten die vollständige ethnische Säuberung drohe. Israel solle sie militärisch und politisch unterstützen.

Aber auch konkrete Schritte werden angeblich bereits unternommen, offenbar unter Beteiligung von US-Stellen und als Projekt „Westsyrien“. In Washington soll das „Institute for Near East Policy“ von Michael Singh beteiligt sein. Von israelischer Seite läuft der Plan angeblich über zwei Koordinatoren – General „Yael“ und Kapitän „Robert“. Es soll bereits konkrete Pläne geben, unter israelischer Aufsicht neue Realitäten auf beiden Seiten der syrisch-libanesischen Grenze zu schaffen.

Am 5. August gab die auf Regierungsbeziehungen und strategische Beratung spezialisierte Firma Tiger Hill Partners in der US-Hauptstadt bekannt, dass sie als offizieller Vertreter der „Stiftung für die Entwicklung Westsyriens” fungieren werde. Tiger Hill, das sich auf Regierungsbeziehungen und strategische Lobbyarbeit spezialisiert hat, versprach, sich für Christen, Drusen, Alawiten, Kurden und „moderate Sunniten” einzusetzen und gleichzeitig mit US-Politikern zusammenzuarbeiten, „um den politischen Wandel in Syrien zu gestalten“.

Bereits Ende Juli war in Syrien eine Küstenfraktion namens „Saraya al-Jawad” (Männer des Lichts) erstmals in Erscheinung getreten. In ihrer Erklärung griff die Gruppe den neuen syrischen Präsidenten Abu Mohammad al-Julani (Ahmad al-Sharaa), den Emir von Katar und den Präsidenten der Türkei an, während sie Ägypten, dem israelischen Journalisten Eddy Cohen und namhaften Exilanten aus den Reihen der Alawiten, Drusen und Christen – darunter Scheich Hikmat al-Hijri, Mazloum Abdi und Patriarch John al-Yaziji – ihren Dank aussprach.

Deutlicher wurde die Richtung am 17. Juli, als in einem Hotel in Tel Aviv ein geschlossenes Treffen zwischen israelischen Regierungsbeamten, syrischen Alawiten und syrischen Drusen stattfand. Zu den Teilnehmern gehörten sieben seit langem im Exil lebende Alawiten und Drusen, die mit dem Kreis von Scheich Muwafaq Tarif – dem Führer der Drusen in Israel – verbunden sind und sowohl syrische als auch israelische Staatsangehörige sind.

Am 6. August kündigte Eddy Cohen, ein israelischer Journalist und Kommentator für arabische Angelegenheiten, auf seiner arabischsprachigen Facebook-Seite die Vorbereitung einer Allianz zwischen Alawiten und Drusen in den USA an. Es besteht offenbar eine Koordination zwischen einem säkularen Netzwerk syrischer Exilanten und israelischen Vermittlern. Gerüchte sprechen auch von Plänen, Kämpfer in die syrische Küstenregion zu entsenden.

Verbündete gegen den Dschihadismus

Die linken „Antiimperialisten“ im Westen sind natürlich empört über eine mögliche „Zerstörung der territorialen Einheit“ Syriens und des Libanon. Wenn man von Großmächten gezogene künstliche Grenzen nicht als heilig betrachtet, die Wünsche der Bevölkerung in dem jeweiligen Gebiet wichtiger findet und nicht den islamischen Extremisten die Mauer macht, kann man die Initiativen zur Neuordnung von Syrien und dem Libanon ganz anders bewerten.

Die bisherigen und aktuell bedrohten Minderheiten der Drusen, Christen und Alawiten werden das gewiss tun. Israel kann Verbündete gewinnen und damit die Abwehrfront gegen den Dschihadismus verbreitern. Davon würden in der gesamten Region und bis nach Europa alle profitieren, die nicht irgendwann in einer islamistischen Diktatur aufwachen wollen.

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