Deutschland: Nun will man Züge streichen, um Schienen zu entlasten und Chaos zu vermeiden

Symbolbild: Unsplash

Züge streichen, damit die Gleise länger halten: In Bayern wird gerade ernsthaft diskutiert, ob die Deutsche Bahn vorübergehend Fahrten streichen soll, um das marode Schienennetz zu entlasten. Weniger Verschleiß, weniger Chaos durch Störungen – so die Logik. Eine endgültige Entscheidung dazu wurde zwar noch nicht getroffen, doch die bloße Tatsache, dass ein solcher Vorschlag auf dem Tisch liegt, ist schon ein Armutszeugnis. Und die Verantwortung dafür trägt nicht primär die Deutsche Bahn, sondern die Politik in Berlin.

Nach einer nicht öffentlichen Diskussion des Verkehrsausschusses im bayerischen Landtag mit Bahnchefin Evelyn Palla erklärte der CSU-Verkehrspolitiker Jürgen Baumgärtner, bei einer anschließenden Pressekonferenz, wichtige Bahnknoten müssten möglicherweise entlastet werden. Das könne auch bedeuten, „dass wir den einen oder anderen Zug streichen müssen“.

Das Bahnnetz ist nicht erst seit Kurzem marode. Das Verkehrsministerium – egal unter welchem Minister und welcher Koalition – hat jahrzehntelang weggeschaut. Der Sanierungsstau, der heute Hunderte Langsamfahrstellen, kaputte Weichen und ein überlastetes Netz hinterlässt, ist das Ergebnis systematischer politischer Vernachlässigung. „Wir haben eine Schieneninfrastruktur in Deutschland, insbesondere auch in Bayern, die über Jahre, Jahrzehnte vernachlässigt worden ist“, sagte Bahnchefin Palla. Die Erneuerung der Infrastruktur werde „mit Sicherheit noch zehn Jahre benötigen“. Und das, wo Deutschland nicht mehr für Pünktlichkeit und Tempo bekannt ist, sondern eher für lange Verzögerungen. Der Bund als alleiniger Eigentümer hat offenkundig versagt.

Die Entscheidung über Zugstreichungen soll Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche fallen, nachdem eine interne Arbeitsgruppe der Bahn dem Bundesverkehrsministerium Bericht erstattet hat. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) will Zugstreichungen nach Möglichkeit verhindern. „Ich habe keinen Plan, wie viele Züge wir streichen, darum geht’s eigentlich nicht.“ Ziel sei es, den Bahnverkehr stabil zu halten.

Die marode Bahninfrastruktur hat für Fahrgäste gravierende Auswirkungen: Verspätungen, Ausfälle, überfüllte Züge. Und jetzt sollen sie sich möglicherweise auch noch mit Zugstreichungen herumärgern. Immerhin, ein gestrichener Zug kommt nicht zu spät und fällt auch nicht auf halber Strecke aus. Vielleicht kann die Bahn so ihre Statistiken aufpolieren. Hoffentlich macht das Prinzip nicht Schule: Würde man Gesetze streichen, gäbe es schließlich auch offiziell weniger Straftäter …

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