Während hierzulande Kritiker der grünen Energiewende reflexartig in die rechte Ecke gerückt und mit dem Etikett des „Feindbilds“ versehen werden, zieht auf tschechischer Seite heftiger Widerstand auf. Der südböhmische Landeshauptmann Martin Kuba rechnet auf Facebook gnadenlos mit dem Mega-Windparkprojekt Sandl ab – und stellt den österreichischen Planern unmissverständlich die Rote Karte aus!
Von Nikolaus Weitblick
19 gigantische Windräder, schlanke 285 Meter hoch, sollen direkt an der tschechischen Staatsgrenze in die Höhe rücken. Mitten hinein in das unberührte Naturparadies des Gratzener Berglandes nahe Sandl / Oberösterreich. Doch nun braut sich Ärger zusammen. Der tschechische Landeshauptmann macht aus seiner Meinung zu diesem grenznahen Öko-Wahnsinn keinen Hehl: „Das ist überhaupt keine gute Idee!“
Naturvernichtung im Eiltempo? Tschechien sagt NEIN!
In einem Statement auf Facebook machte Landeshauptmann Kuba klar, dass man sich diesen massiven Eingriff in eines der wertvollsten und am besten erhaltenen Grenzgebiete Mitteleuropas nicht gefallen lässt. Hier prallen Welten aufeinander: Während in Österreich Kritiker oft mundtot gemacht werden und legitimer Bürgerprotest als störend empfunden wird, bezieht die tschechische Selbstverwaltung eine glasklare Haltung. Das Gebiet strotzt vor geschützten Lebensräumen, landschaftsprägenden Elementen und Naturwerten von europäischem Rang, weshalb der Kreis im internationalen UVP-Verfahren (Umweltverträglichkeitsprüfung) eine harte, negative Stellungnahme abgegeben hat.
Keine Einmischung – aber Respekt vor der Natur!
Dabei hütet sich Kuba davor, den Österreichern in ihren Energiemix hineinzureden, und zieht eine saubere Trennlinie: So wie er stets die österreichische Kritik an tschechischen Atomkraftwerken zurückgewiesen hat – schließlich ist für Tschechien die Kernkraft der einzig logische Weg zu stabiler und sauberer Energie –, pocht er nun umgekehrt auf den Schutz des eigenen Naturerbes. Besonders spannend ist, dass Kuba keineswegs ein pauschaler Windkraft-Gegner ist, da in Südböhmen längst eine durchdachte Strategie existiert, wo erneuerbare Energien sinnvoll Platz finden können.
Wenn die Grenze zur Industriezone wird
Doch wenn es um das Gratzener Bergland geht, hört der Spaß auf, denn ein Projekt dieser gigantischen Dimension – mit fast 300 Meter hohen Kolossen direkt an der Grenze zu einem Gebiet, dessen ganzer Stolz die unberührte Natur mit einem Minimum an technischen Elementen ist – sprengt jeden Rahmen. Die Forderung aus Südböhmen ist unmissverständlich, indem man keine Zustimmung zum Vorhaben in dieser Form erteilt, die sofortige Prüfung alternativer Standorte in sicherer Entfernung zur Grenze und zu den sensiblen Schutzgebieten verlangt und eine absolute Gleichbehandlung bei der Beurteilung grenzüberschreitender Umweltauswirkungen fordert. Es bedarf, so bringt es der Landeshauptmann auf den Punkt, der fundamentalen Basis einer funktionierenden Partnerschaft, bei der gegenseitiger Respekt vor den Werten der Nachbarn im Vordergrund steht. Ob die rot-weiß-roten Projektbetreiber diesen deutlichen Warnschuss aus dem Süden endlich ernst nehmen, bleibt abzuwarten.
Am Ende offenbart sich hier jedoch das gewohnte Trauerspiel der heimischen Politik, bei dem oberösterreichische Entscheidungsträger lieber ungeniert Wahrheiten in Hinblick auf den Naturschutz negieren und ihre eigenen vollmundigen Versprechungen verraten. Noch im Dezember 2024 feierte sich die oberösterreichische Landesregierung in einer groß inszenierten Pressekonferenz dafür, den Böhmerwald und das nordöstliche Mühlviertel als unantastbare Windkraft-Ausschlusszone zu definieren, weil ein Eingriff dort einen immensen, unumkehrbaren Schaden anrichten würde. Doch anstatt diese fachlich begründete Linie und den Schutz des einzigartigen Freiwaldes durch eine offizielle Verordnung im Landtag zu besiegeln, wird das Ganze im stillen Kämmerlein verschleppt und ausgehöhlt, um industriellen Lobbys den Weg zu ebnen.
Wenn Politiker die Realität des Naturschutzes je nach Windrichtung verbiegen und getroffene Aussagen wie ein Fähnchen im Wind drehen, bleibt am Ende nur die Erkenntnis, dass die wahren Feinde einer glaubwürdigen Umweltpolitik in den eigenen Regierungsstuben sitzen.