Hunderte Wärmepumpen könnten von Schäden betroffen sein, ein Investor fordert mindestens 1,5 Millionen Euro: Während die Politik den Einbau von Wärmepumpen vorantreibt, zeigt das Debakel aus Schleswig-Holstein, wie anfällig die Heizungen sein können – und wie schnell ein Austausch der Geräte anstehen kann.
Den Stadtwerken Schleswig-Holstein (SH) drohen wegen potenziell mangelhafter Wärmepumpen Regressforderungen in Millionenhöhe. Die Stadtwerke haben in den vergangenen Jahren mit zwei Tochterfirmen im Rahmen ihres sogenannten Kalte-Nahwärme-Projektes in Schleswig zahlreiche Wärmepumpen eines namhaften deutschen Herstellers verbaut. Das Problem: Die Geräte fallen nach und nach aus und weisen Schäden auf.
Wie die Schleswig-Holsteinische Zeitung (shz) berichtete, könnten mehr als 400 Anlagen betroffen sein. Die Stadtwerke gehen indessen davon aus, dass etwa ein Drittel der verbauten Geräte Auffälligkeiten aufweist.
Besonders schwer betroffen ist nach Angaben des Betreibers das Ferienhausdorf „Reetdorf“ in Nieby an der Geltinger Bucht. Dort wurden insgesamt 49 Wärmepumpen installiert. Eigentümer Norbert Essing beklagt, dass zahlreiche Anlagen bereits kurz nach ihrem Einbau 2018 Probleme bereitet hätten. Mehrere Geräte mussten inzwischen ausgetauscht werden.
Essing rechnet damit, dass letztlich sämtliche Wärmepumpen seiner Ferienanlage ersetzt werden müssen. Allein für den Austausch von 47 Geräten veranschlagte er zunächst rund 1,5 Millionen Euro (Stückpreis: 33.000 Euro). Hinzu kommen nach seinen Angaben Mietausfälle von mehr als 300.000 Euro, weil Ferienhäuser zeitweise nicht vermietet werden konnten.
Wer trägt die Kosten für die defekten Heizungen?
Inzwischen hat Essing eine erste Teilklage beim Landgericht Flensburg eingereicht. Er fordert die Übernahme von Reparatur- und Austauschkosten.
Die Stadtwerke SH widersprechen der Darstellung, dass sämtliche Anlagen ersetzt werden müssten. Geschäftsführer Bernd Reichelt geht davon aus, dass der Schaden deutlich geringer ausfallen werde als zunächst befürchtet. Ein Großteil der auffälligen Geräte könne mit überschaubarem Aufwand instand gesetzt werden. Ein vollständiger Austausch sei voraussichtlich die Ausnahme. Das sieht Essing anders: „Alle unsere Wärmepumpen kommen raus“, sagt er und verweist darauf, „dass die Bauleitung bei den Stadtwerken lag und sie unser alleiniger Vertragspartner sind“. Inzwischen hätten sich außerdem zwölf weitere Betroffene bei ihm gemeldet.
Wärmepumpe, Heizungswasser, falsche Schläuche?
Ungeklärt bleibt bislang, wodurch die Schäden überhaupt entstanden sind. Nach Angaben der Stadtwerke stehen insbesondere die Qualität des Heizungswassers und eine bestimmte Wärmepumpenserie mit hohem Stahlanteil im Fokus. Ein von Essing beauftragter Gutachter vermutet dagegen, dass ungeeignete Schläuche verbaut wurden, durch die Sauerstoff in die Anlagen gelangte und Korrosion verursachte.
Ob der Hersteller, die ausführenden Unternehmen oder andere Beteiligte verantwortlich sind, soll ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren klären. Dieses läuft bereits seit mehr als zwei Jahren, bislang ohne abschließendes Ergebnis.
Für Normalbürger kaum zu stemmen
Der Fall zeigt nebenbei auch die finanziellen Risiken der politisch vorangetriebenen Wärmewende. Mit dem Heizungsgesetz hat die Politik den Umstieg auf Wärmepumpen forciert. Doch schon die Anschaffung und Installation stellen für Hausbesitzer eine massive finanzielle Belastung dar. Gerade Eigentümer älterer, schlecht gedämmter Häuser stehen mitunter vor nicht zu stemmenden Investitionskosten.
Und wenn die Anlage dann doch verbaut wird? In Schleswig-Holstein sieht man, wie anfällig die gepriesenen Geräte sein können – und was für Kosten aus den technischen Problemen entstehen können. Was tun, wenn die gepriesene Technik nach kurzer Zeit ausfällt – wegen des Heizungswassers oder eines Schlauchs?
Auch Aufsichtsratschef gerät in die Kritik
Zusätzlichen Streit gibt es übrigens um die Rolle des Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzenden Holger Ley (CDU). Der leitet er auch den Aufsichtsrat einer 49-prozentigen Tochterfirma der Stadtwerke, die für den Kauf und den Einbau der Wärmepumpen verantwortlich war. Mehr noch: Im Auftrag dieser Tochterfirma hat dann eine andere, 100-prozentige Tochterfirma der Stadtwerke die Anlagen bei den Kunden vor Ort eingebaut und gewartet. Und wer leitet den Aufsichtsrat dieser Firma? Abermals Holger Ley.
Essing sieht darin einen Interessenkonflikt mit Blick auf die Klärung der Schuldfrage und hat Beschwerde bei der Kommunalaufsicht eingereicht. Die Stadtwerke weisen den Vorwurf zurück und betrachten die Doppelbesetzung als übliches Verfahren.