Trigger-Warnung für „1984“: Universität findet Roman „anstößig und beunruhigend“

Bilder: Frau via freepik, Cover via Screenshot / Amazon.com

Die Studenten an einer britischen Universität werden vor „explizitem Material“ gewarnt, das sie in einem Roman erwartet, der ironischerweise die Gefahren der Zensur beschreibt. Mit der neuen „Cancel Culture“ und den ganzen „Trigger-Warnungen“ für hypersensible Schüler und Studenten wird eine Generation herangezüchtet, die mit den Härten des Lebens kaum mehr klarkommen wird. In den USA nennt man sie bereits „Generation Schneeflöckchen“.

Die Universität Northampton hat für ihre Studenten eine Warnung wegen des möglicherweise „anstößigen und beunruhigenden“ Inhalts der berühmten Dystopie „1984“ von George Orwell ausgesprochen. Der Roman, in dem die Gefahren totalitärer Herrschaft und Zensur beschrieben werden, ist nun mit einer roten Markierung versehen, da er „herausfordernde Themen im Zusammenhang mit Gewalt, Geschlecht, Sexualität, Klasse, Rasse, Missbrauch, sexuellem Missbrauch, politischen Ideen und anstößiger Sprache“ behandelt. Die Warnung, die sich an Studenten richtet, die ein Modul mit dem Titel „Identity Under Construction“ belegen, wurde nach einer Anfrage der Mail on Sunday zur Informationsfreiheit bekannt. Die Nachricht sorgte bei den Nutzern sozialer Medien für Aufregung. „Das hat etwas sehr Big Brother-mäßiges“, kommentierte der konservative britische Abgeordnete Andre Bridgen auf Twitter.

„Wenn auch nur ein einziger Student durch eine Warnung davon abgehalten wird, 1984 zu lesen, hat die Universität Northampton in ihrer Aufgabe völlig versagt. Dieses Buch sollte im Moment mehr als jedes andere gelesen werden“, so der australische Professor Andrew Timming. Der als libertär geltende Professor setzt sich auch für die völlige Redefreiheit ein.

Orwells Romanklassiker ist jedoch nicht der einzige, vor dem sich die Studenten in Northampton hüten sollten, so die Universitätsleitung. Samuel Becketts Theaterstück „Endgame“, die Graphic Novel „V For Vendetta“ von Alan Moore und David Lloyd und Jeanette Wintersons „Sexing The Cherry“ wurden von der Universität ebenfalls als „beleidigend und verstörend“ eingestuft. Offenbar gibt es auch Probleme mit Büchern, die in anderen Modulen des Englisch-Studiengangs von Northampton unterrichtet werden. Mark Haddons Roman „The Curious Incident Of The Dog In The Night-Time“ aus dem Jahr 2003 zum Beispiel könnte die Leser verärgern, da er den „Tod eines Tieres, Behindertenfeindlichkeit und eine beleidigende Sprache“ enthält, heißt es in der Warnung.

Die Bildungseinrichtung, die in der Ausgabe 2022 des The Times and Sunday Times Good University Guide derzeit auf Platz 108 von 132 britischen Universitäten rangiert, hat eine Erklärung abgegeben, um ihre Warnungen zu verteidigen. Die „Daily Mail“ zitiert die Universität Northampton mit den Worten: „Es ist zwar keine Universitätspolitik, aber wir können Studenten vor Inhalten warnen, die mit Gewalt, sexueller Gewalt, häuslichem Missbrauch und Selbstmord zu tun haben“, weil „einige Texte für manche Studenten eine Herausforderung darstellen könnten.“ In den Vereinigten Staaten, wo diese Entwicklung schon länger andauert, werden diese „Sensibelchen“ auch „Snowflakes“ (Schneeflocken) genannt.

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