Nationalismus, Massenmigration, der Niedergang des Westens und die Rückkehr nationaler Stärke: In einer Grundsatzrede vor der Akropolis in Athen hat US-Außenminister Marco Rubio eine schonungslose Bestandsaufnahme der westlichen Zivilisation vorgenommen. Scharfe Kritik übte er dabei am politischen und kulturellen Kurs der vergangenen Jahrzehnte und forderte Europa auf, zu seinen historischen Wurzeln und seiner alten Stärke zurückzufinden.
„Im Laufe der Zeit begannen wir im Westen, uns gerade für jene Dinge zu schämen, die uns außergewöhnlich machten“, erklärte Rubio. Der eigene Wohlstand sei zu einer Quelle von Schuldgefühlen geworden, die Leistungen früherer Generationen würden zunehmend infrage gestellt. „Das Wort Nationalismus wurde zu einem Schimpfwort.“
Besonders scharf kritisierte der amerikanische Außenminister den Umgang des Westens mit seiner eigenen Geschichte. „Und so rissen wir unsere Denkmäler nieder; wir verurteilten unsere eigene Geschichte.“ Vielerorts werde Kindern beigebracht, sich für ihre Heimatländer zu schämen. Gleichzeitig habe der Westen seine Grenzen geöffnet, seine Industrie ins Ausland verlagert und seine Streitkräfte verfallen lassen. Immer mehr nationale Souveränität sei an internationale Bürokratien abgegeben worden.
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Rubio warnte vor den geopolitischen Folgen dieser Entwicklung. Während das Selbstvertrauen des Westens geschwunden sei, hätten dessen Gegner ihre Macht ausgebaut. Die kommenden zehn Jahre würden darüber entscheiden, ob der Westen seine führende Stellung behalte oder einer Zukunft von „Verfall, Knechtschaft und Niedergang“ entgegensehe.
Unter Präsident Donald Trump hätten die Vereinigten Staaten ihre Entscheidung bereits getroffen: „Wir entscheiden uns für das kompromisslose Streben nach nationaler Macht.“ Dazu zählte Rubio die Reindustrialisierung der amerikanischen Wirtschaft, den Wiederaufbau der Verteidigungsfähigkeit und den Kampf um die technologische Vorherrschaft.
Auch die europäische Migrationspolitik nahm Rubio aufs Korn. Griechenland würdigte er als vorbildlichen Verbündeten, unter anderem wegen des gemeinsamen Bestrebens, „Europas Grenzen vor den Bedrohungen durch Massenmigration zu schützen“.
Das links-woke Ideal, Gleichheit über Leistung und Größe zu stellen, prangerte er an. „Wir machen das Außergewöhnlichste unter uns zum Gefangenen des Durchschnittlichen, des Gewöhnlichen, des Mittelmäßigen“, sagte Rubio. Dem stellte er das antike Griechenland gegenüber: eine Kultur des Ehrgeizes, des Wettbewerbs, der Tapferkeit und der Pflichterfüllung. Diese Eigenschaften hätten die westliche Zivilisation geprägt und müssten heute wiederentdeckt werden.
Seine Botschaft an Europa war deutlich: „Wir glauben, dass Europa aus seinem langen Schlaf erwachen und das Feuer neu entfachen kann, das hier vor Jahrtausenden entzündet wurde.“
Nachfolgend dokumentieren wir die Rede von US-Außenminister Marco Rubio in vollständiger deutscher Übersetzung:
Rede von US-Außenminister Marco Rubio auf der Akropolis in Athen
Überall auf der Welt gibt es großartige Ruinen. In vielen Fällen sind es Orte, an denen die Geschichte sich erschöpft zu haben scheint: Überreste ferner Kulturen, die längst aus dem lebendigen Gedächtnis verschwunden sind.
Doch die Akropolis ist anders.
Seit Jahrtausenden zieht die Zivilisation, die das errichtet hat, was hinter mir steht, die Vorstellungskraft der westlichen Welt in ihren Bann. Generationen unserer Staatsmänner, Künstler und Philosophen haben zu ihr aufgeblickt – sie haben sie voller Verwunderung betrachtet, und sie haben sie voller Ehrfurcht betrachtet.
Nun hat die Zeit die Eigenschaft, unsere Sinne abzustumpfen: Große Siege und katastrophale Niederlagen scheinen zu einer Fußnote in einem Schulbuch zu schrumpfen, zu einer weiteren Tatsache, die unsere Schulkinder auswendig lernen und wieder vergessen. Doch die Griechen der Antike scheinen eine geradezu mystische Macht über unser Gedächtnis auszuüben. Sie rufen uns immer wieder zu sich zurück.
480 Jahre vor Christus erreichten die Heere des Xerxes diese Stadt und steckten ihre Heiligtümer in Brand. Die meisten Athener waren zu diesem Zeitpunkt bereits mit Schiffen auf eine nahe gelegene Insel geflohen. Doch eine Handvoll von ihnen weigerte sich, ihre Heimat zu verlassen. Stattdessen verschanzten sie sich in der felsigen Festung der Akropolis, um einen außergewöhnlichen letzten Widerstand zu leisten. Sie schleuderten gewaltige Felsbrocken die Klippen hinab auf die persischen Eindringlinge und hielten das größte Reich ihrer Zeit tagelang in Schach.
Schließlich wurden sie überwältigt. Die Perser plünderten die Tempel, brannten die Heiligtümer nieder und machten die Akropolis dem Erdboden gleich. Doch als die Athener zurückkehrten, sammelten sie die zerbrochenen Überreste der alten Akropolis und begruben sie in dem Hügel, auf dem sie gestanden hatte. Und Jahrzehnte später errichteten sie unter Perikles den Parthenon.
Seit 25 Jahrhunderten steht der Parthenon nun dort. Reiche sind in seinem Schatten aufgestiegen und untergegangen. Und die Nachkommen der Männer, die ihn erbauten – die Söhne Athens und Roms –, haben ihre Zivilisation bis an die Enden der Erde getragen.
Zweieinhalb Jahrhunderte nach der Gründung der amerikanischen Republik, auf der anderen Seite der Welt, weit entfernt von dem Ort, an dem ich jetzt stehe, stehe ich heute hier als Außenminister dieser Republik und als Urenkel von Siedlern, die aus Spanien in die Neue Welt kamen. Ich stehe hier, um Zeugnis abzulegen von einer Schuld, die weder der Lauf der Zeit noch irgendeine räumliche Entfernung jemals tilgen kann.
Die Geschichte Amerikas, die Geschichte meines Landes, trägt überall die Fingerabdrücke der Antike. Griechenland ist buchstäblich in die Architektur unserer Regierungsgebäude eingemeißelt: in die hoch aufragenden Säulen, in die Kuppeln und Denkmäler überall in unserer Hauptstadt. Die Stadt, in der unsere Verfassung geboren wurde – Philadelphia –, trägt selbst einen griechischen Namen.
Die Männer, die mein Land gründeten, waren fasziniert von dem Erbe, das wir von Ihrem Land übernommen haben. Sie waren außerordentlich geschichtskundig – sie waren sich ihres einzigartigen Platzes in der Geschichte lebhaft bewusst –, doch keine andere Epoche der Vergangenheit fesselte ihre Aufmerksamkeit und ihre Vorstellungskraft so sehr wie die Antike.
Viele, sehr viele Menschen sind überrascht zu erfahren, dass der in den Federalist Papers am häufigsten zitierte Autor weder ein Philosoph der Aufklärung noch ein politischer Theoretiker war. Nein, der am häufigsten zitierte Autor in den Federalist Papers war Plutarch, der griechische Biograf der großen Männer Griechenlands und Roms.
Nun ist viel über den Einfluss des antiken Griechenlands auf die Ideen der amerikanischen Gründerväter geschrieben und gesagt worden – und ebenso über seinen Einfluss auf all die westlichen Philosophen und Staatsmänner, die ihnen vorausgingen.
Die meisten von uns kennen die Grundzüge dieser Geschichte. Athen gab uns die Demokratie. Platon und Aristoteles gaben uns die westliche Philosophie. Unsere Vorstellungen von Recht, Tugend, Staatsbürgerschaft und republikanischer Regierungsform wurden in den griechischen Stadtstaaten geprägt. Selbst ein großer Teil unseres politischen Wortschatzes – Begriffe wie „Demokratie“, „Tyrannei“ und das Wort „Politik“ selbst – hat hier seinen Ursprung.
All das ist wahr. Doch das, was wir diesem Ort verdanken – als Amerikaner und als Menschen des Westens –, reicht tatsächlich viel, viel tiefer.
Diese Institutionen und Ideen – diese Institutionen und Ideen waren der äußere Ausdruck grundlegenderer Eigenschaften, die wir bei den alten Griechen erkennen. Eigenschaften, die sich nicht auf irgendein bestimmtes politisches System oder eine bestimmte Theorie reduzieren lassen.
Hier, in Athen, fanden wir die erste vollständige Verwirklichung all jener wesentlichen Eigenschaften, die später den Westen prägen sollten: ausgeprägte Individualität und unermüdlichen Ehrgeiz; kühnen Entdeckergeist und Erfindungsreichtum; die Sehnsucht nach Entdeckungen, nach Abenteuern, Risiko und Ruhm.
Eine unstillbare Neugier auf die Welt und die Prinzipien, nach denen sie funktioniert; einen Hunger danach, die Geheimnisse der Natur zu erkennen und die Geheimnisse des Kosmos zu begreifen. Eine Ungeduld gegenüber der Vorstellung, dass etwas unmöglich sei, ein Aufbegehren gegen alle Grenzen und Beschränkungen, ein unablässiges Streben danach, in die Tiefen des Unbekannten zu blicken.
Dies waren nicht bloß die Formeln oder Lehrsätze einer bestimmten philosophischen Schule. Es waren die Wesenszüge eines Volkes – ausgedrückt in seinen Traditionen, seinen Geschichten, seiner Vorstellungskraft; in den Eigenschaften, die es von seinen Bürgern verlangte; in den Dingen, für die es lebte, kämpfte und starb.
Sie zu kennen bedeutet, uns selbst zu kennen.
Was hier an diesem Ort erblühte, war das westliche Verlangen, all das aufzudecken, was Unwissenheit, Dunkelheit und Entfernung dem menschlichen Geist verborgen gehalten hatten.
Die Griechen haben nicht nur die Geschichte geprägt; die Griechen haben uns die Geschichtsschreibung selbst gegeben.
Vieles von dem – vieles von dem, was wir über zahlreiche antike Zivilisationen wissen, stammt nahezu ausschließlich aus den Aufzeichnungen griechischer Entdecker und Historiker. Entdecker und Historiker, die nicht nur die Geschichte ihres eigenen Volkes niederschrieben, sondern hinauszogen, um die Geschichten fremder Völker und Kulturen überall auf der Welt zu beobachten und festzuhalten.
Während andere nach innen blickten, waren die Griechen die Ersten, die ihren Blick nach außen richteten, um dem Reiz und dem Ruhm nachzujagen, all das zu sehen, was fremd und neu war.
Es war diese Eigenschaft – es war diese Eigenschaft, die den Westen dazu antreiben sollte, Dinge zu erschaffen und zu errichten, zu denen andere nicht imstande waren. Sie unterschied uns von so vielen anderen Kulturen und Zivilisationen, in denen Stabilität und die Sicherung des Lebensunterhalts die höchsten Lebensziele waren.
Doch wir haben von den Griechen nicht nur den Ehrgeiz geerbt, das Unbekannte zu erforschen, sondern auch die Überzeugung, dass das Unbekannte erkannt werden kann.
Das Vertrauen darauf, dass die Welt erfasst, vermessen, kartiert und verstanden werden kann – und dass der Kosmos einer rationalen Ordnung folgt, die von bestimmten grundlegenden Gesetzen beherrscht wird. Gesetzen, die der Mensch beobachten und die der menschliche Geist verstehen kann.
Dies war das Fundament des westlichen Denkens: unserer Mathematik, unserer Wissenschaft, unserer Medizin. Unserer Philosophie, Ethik und Religion.
Es ebnete dem Evangelium Jesu Christi den Weg, in Europa auf fruchtbaren Boden zu fallen und zu einem Reich der Christenheit heranzuwachsen. Es bildete die Grundlage für den Reichtum der christlichen Theologie – für Augustinus und Thomas von Aquin und die gesamte Tradition des Naturrechts.
Es brachte eine Zivilisation hervor, die nicht nur durch eine gemeinsame Kultur geprägt war, sondern auch durch eine gemeinsame Anthropologie – ein gemeinsames Verständnis des Menschen und seines Platzes im Universum.
Ihre Nachkommen sollten nicht nur die Vorstellung einer natürlichen Ordnung teilen, sondern auch ein besonderes Verständnis von Tugend, von Bestimmung und Schicksal, von Wahrheit, Güte und Schönheit; von einem Kodex, der vorgibt, wie Menschen leben sollen; von objektiven Maßstäben und Idealen, nach denen es zu streben gilt.
Für die Griechen der Antike war das Streben nach Vortrefflichkeit das eigentliche Prinzip der menschlichen Existenz.
Sie organisierten das gesamte öffentliche Leben um Wettstreit, Ehrgeiz und Wettbewerb: in Philosophie und Dichtung, in Bildhauerei und Drama, in Sport und Kunst, in Krieg und Staatskunst.
Die klassische griechische Stadt war eine Arena, in der große Männer sich erproben und beweisen konnten, in der sie ihre Fähigkeiten durch unablässigen Kampf vervollkommneten – um die Besten, die Stärksten, die Schönsten zu sein und danach zu streben, der Vollkommenheit immer ein Stück näherzukommen.
Nun weiß ich, dass das, was ich gerade beschrieben habe, diese Lebensweise, für moderne Ohren seltsam klingen mag; vielleicht klingt sie sogar grausam.
Das Ideal vieler Ideologien unserer Zeit ist, offen gesagt, eine Welt vollkommener Sicherheit geworden, frei von Risiko oder Scheitern, ohne den Ruhm des Sieges und ohne die Schande der Niederlage.
Allzu oft bauen wir heutzutage nach unten. Wir gestalten unsere Maßstäbe so, dass niemand verlieren kann; wir beschäftigen uns mehr mit dem Wohlbefinden der Schlechtesten als mit dem Potenzial der Besten.
Wir machen das Außergewöhnlichste unter uns zum Gefangenen des Durchschnittlichen, des Gewöhnlichen, des Mittelmäßigen.
Die Männer, die den Parthenon errichteten, bauten nach oben.
Sie waren der Überzeugung, dass das höchste und edelste Streben im Leben darin bestand, alle anderen zu übertreffen und danach zu streben, in allen Dingen der Beste zu sein.
Die antiken griechischen Stadtstaaten waren erfüllt. Sie waren erfüllt von intensiver Leidenschaft, Rivalität, Parteienstreit und Konflikten.
Doch aus diesem ständigen Ringen um Auszeichnung – daraus entstand die große Blüte von Kunst und Philosophie sowie politischer und intellektueller Energie, die eine Ansammlung mediterraner Städte in die Geburtsstätte der größten Zivilisation der Welt verwandeln sollte.
Der Thymos, wie die alten Griechen ihn nannten – das Feuer der Leidenschaft, der Stärke, des Mutes und des Stolzes –, ist das Herz einer großen Zivilisation.
Und ohne ihn? Ohne ihn verlieren Nationen ihren Willen zu kämpfen, ihren Willen zu streben, ihren Willen zu überleben.
Heute hat ein viel zu großer Teil des Westens diese Eigenschaft vergessen.
Im Laufe der Zeit begannen wir im Westen, uns gerade für jene Dinge zu schämen, die uns außergewöhnlich machten. Es war uns peinlich, dass unsere Errungenschaften uns vom Rest der Welt abhoben.
Unser Wohlstand wurde auf irgendeine Weise zu einer Quelle von Schuldgefühlen. Wir glaubten nicht mehr daran, dass wir unsere Größe verdienten und sie uns erarbeitet hatten.
Das Wort „Nationalismus“ wurde zu einem Schimpfwort.
Und so rissen wir unsere Denkmäler nieder; wir verurteilten unsere eigene Geschichte. Und an zu vielen Orten brachten wir unseren Kindern bei, sich für die Länder zu schämen, die sie eines Tages erben würden.
Dabei öffneten wir unsere Grenzen, verlagerten unsere Industrie ins Ausland und ließen unsere Streitkräfte verkümmern und verfallen.
Und mit jedem weiteren Jahr schienen wir immer mehr von unserer Souveränität auszulagern, indem wir unsere Entscheidungen an globale Bürokratien übertrugen, die sich weit außerhalb unserer Kontrolle befanden.
Doch andere waren nur allzu bereit, das Vakuum zu füllen, das wir hinterließen – das Vakuum, das durch unsere Schwäche entstanden war.
Und während das Selbstvertrauen des Westens schwand, wurden seine Gegner und Rivalen immer selbstbewusster und bauten an unserer Stelle ihren eigenen Wohlstand und ihre eigene Macht aus.
Und nun, heute, stehen wir an einem Scheideweg.
Denn das nächste Jahrzehnt und die Entscheidungen, die wir treffen, werden die Geschichte des nächsten Jahrhunderts schreiben.
Der Weg, den wir einschlagen, wird darüber entscheiden, ob der Westen seine Stellung an der Spitze der Welt behauptet oder sich mit einer Zukunft des Verfalls, der Knechtschaft und des Niedergangs abfindet.
Entweder entscheiden wir uns, jetzt zu handeln, oder wir verlieren überhaupt die Möglichkeit, noch zu handeln.
Unter Präsident Trump haben die Vereinigten Staaten ihre Entscheidung getroffen.
Wir entscheiden uns für das kompromisslose Streben nach nationaler Macht: die Kontrolle über unsere kritischen Lieferketten zurückzugewinnen, unsere Wirtschaft zu reindustrialisieren, unsere Verteidigung wiederaufzubauen und um die Vorherrschaft bei den Technologien und Industrien der Zukunft zu kämpfen.
Wir entscheiden uns dafür, nach neuen Grenzen zu streben: in der fortgeschrittenen Fertigung und der Superintelligenz; bei Drohnen, Waffen und Kriegsführung; bei Chips, Mineralien, im Cyberbereich und in jedem anderen Bereich menschlicher Möglichkeiten.
Unsere Energie freizusetzen, unsere Fabriken wiederaufzubauen, unsere Astronauten auf den Mond zurückzubringen und ein neues Zeitalter der Erforschung des Weltraums einzuleiten.
Nun waren die alten Griechen bei all ihren hohen Idealen nicht naiv.
Sie verstanden, dass Nationen Interessen haben. Sie verstanden, dass Staatskunst Klugheit und Diplomatie erfordert, aber sie verstanden auch, dass sie die Fähigkeit erfordert, Gewalt einzusetzen, wenn Klugheit und Diplomatie scheitern.
Sie verstanden, dass Macht nicht nur voraussetzt, über die Mittel zur eigenen Verteidigung zu verfügen, sondern auch glaubwürdig zu vermitteln, dass man bereit ist, diese Mittel einzusetzen.
Dies ist das klassische Verständnis von Politik und Staatskunst, das die Trump-Regierung wiedergewinnen möchte – nicht nur für unser Land, sondern für unsere gesamte Zivilisation.
Wir glauben, dass Europa aus seinem langen Schlaf erwachen und das Feuer neu entfachen kann, das hier vor Jahrtausenden entzündet wurde.
Es gibt bereits Anzeichen dafür.
Auf diesem Kontinent erleben wir, was unserer Hoffnung nach der Beginn eines Generationenwechsels sein wird: rasant steigende Verteidigungsausgaben, eine Vielzahl neuer Partnerschaften und Programme sowie eine ausgeweitete Fertigung und Produktion – im Anschluss an die historischen Verteidigungszusagen, die im vergangenen Jahr in Den Haag gemacht wurden.
Griechenland stand im Zentrum dieses Wandels.
Die Menschen dieses Landes haben erneut bewiesen, dass sie sowohl für Europa als auch für die Vereinigten Staaten ein unverzichtbarer Freund sind – in allen Bereichen, von der Energie über die Migration bis hin zur Verteidigung, wo Griechenland ein vorbildlicher Verbündeter gewesen ist.
Und es ist unsere aufrichtigste Hoffnung, dass ganz Europa ihrem Beispiel folgen wird.
Auch wenn Leidenschaften die Bande der Zuneigung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa bisweilen belastet haben mögen, dürfen wir nicht zulassen, dass sie diese Bande zerreißen.
Gemeinsam müssen wir ein Bündnis stärken, das in der Lage ist, den Bedrohungen unserer Zeit entgegenzutreten.
Und wir können das.
Denn wir glauben nicht, dass die transatlantische Freundschaft ein Nullsummenspiel sein sollte. Ganz im Gegenteil: Unsere Vision ist die eines Bündnisses, dessen Stärke größer ist als die Summe seiner Teile.
Diese Vision haben wir erst im vergangenen Monat in der Praxis erlebt, in einem beispiellosen neuen Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Dänemark und Grönland – einem Abkommen, das die Arktis neu gestalten und die Sicherheit der gesamten NATO stärken wird.
Alle drei Partner dieses Abkommens gingen als Sieger daraus hervor. Ganz Europa – ebenso wie die NATO und die Vereinigten Staaten – ging daraus sicherer, stärker und besser geschützt hervor.
Wir wollen gemeinsam gewinnen. Wir müssen gemeinsam gewinnen.
Nun ist es heutzutage in Mode gekommen, zu glauben, eine aufgeklärte Außenpolitik bedeute, der Weltgemeinschaft Vorrang vor dem eigenen Volk einzuräumen.
Und ich denke, auch hier können wir viel von den Männern des antiken Griechenlands lernen. Denn sie wussten, dass an der Loyalität gegenüber der eigenen Nation nichts Egoistisches oder Falsches ist und dass es ebenso wenig egoistisch oder falsch ist, dafür zu kämpfen, ihre Interessen über alles andere zu stellen und zu verteidigen.
Sie glaubten – mit aller Entschiedenheit – an das Ideal des großen Mannes: des außergewöhnlichen Individuums, das durch seine eigenen Taten Unsterblichkeit erlangt.
Doch sie glaubten, dass Ruhm und Ansehen dadurch errungen werden, dass man für etwas Größeres als sich selbst strebt, Opfer bringt und Großes vollbringt.
Der immer wiederkehrende Held der antiken griechischen Welt war der Mann, der bereit war, jeden Preis für eine Sache zu zahlen, die seiner Treue würdig war.
Wir sehen dies bei Sokrates, der sich weigerte, die Suche nach der Wahrheit aufzugeben, selbst um den Preis seines eigenen Lebens.
Wir sehen es im legendären letzten Widerstand der 300 Spartaner – umzingelt und hoffnungslos in der Unterzahl gegenüber den gewaltigen Heeren Persiens –, die die Möglichkeit ausschlugen, sich selbst zu retten, und sich stattdessen dafür entschieden, bis zum letzten Mann zu kämpfen, anstatt ihren Posten oder ihre Pflicht aufzugeben.
Und wir sehen es im epischen Mythos des Achilles, dem die Wahl angeboten wird, nach Hause zurückzukehren und ein langes, friedliches Leben zu führen – der sich jedoch stattdessen dafür entscheidet, in Troja zu bleiben und im Streben nach ewigem Ruhm zu sterben.
Diese – diese Eigenschaften sollten die moralische Vorstellungswelt des Westens prägen.
Vom christlichen Märtyrer, der sich weigerte, seinen Glauben zu verraten, bis zum Patrioten, der sein Leben für sein Land gab; vom heiligen Thomas Morus bis zur Schlacht von Alamo – und weiter bis zu den unsterblichen Schlussworten der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, in denen es heißt:
„Wir verpfänden einander gegenseitig unser Leben, unser Vermögen und unsere heilige Ehre.“
Von den Griechen hat der Westen sein Pflichtbewusstsein geerbt – eine unerschütterliche Treue zum eigenen Kodex, zur eigenen Sache, zum eigenen Land.
Unsere Helden, die Helden des Westens, sind diejenigen, die sich gerade dann entscheiden, ihrer Pflicht treu zu bleiben, wenn dies am schwierigsten und schmerzhaftesten ist: der Mann, der an sein Wort gebunden ist; der Soldat, der seinen Posten nicht verlässt; der Kapitän, der sprichwörtliche Kapitän, der mit seinem Schiff untergeht.
Dies unterscheidet sich grundlegend von dem, was wir beispielsweise noch heute bei Fanatikern wie den radikalen Mullahs des Iran sehen, deren Todeskult kindliche Selbstmordattentäter als Nationalhelden feiert und das Märtyrertum als Selbstzweck darstellt.
Unsere Helden – unsere Helden mögen bereit sein, für ihre Sache zu sterben; aber unsere Helden beten den Tod nicht an.
Gerade weil wir das Leben schätzen, erkennen wir das Heldentum derjenigen, die eher bereit sind, ihr Leben zu opfern, als ihre Prinzipien zu verraten.
Nun betrachten wir die westliche Vorstellung dieser Dinge – Heldentum, Ehre, Pflicht – als selbstverständlich.
Wir nehmen an, dass diese Dinge irgendwie für alle Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten universell gültig seien.
Das sind sie nicht.
Sie sind das Ergebnis eines besonderen Charakters, eines besonderen Charakters, der hier entstand und die gesamte Geschichte der Zivilisation prägte, die auf ihn folgte.
Einer Zivilisation, für deren Verteidigung wir heute mit derselben Leidenschaft kämpfen müssen wie unsere Vorväter.
Auf die Männer, die den Parthenon errichteten, folgten die Baumeister der europäischen Christenheit, die die Kathedralen von Mailand, Köln und Florenz erbauten.
Das Streben nach der Vollendung der menschlichen Gestalt, das die antiken griechischen Bildhauer antrieb, fand in Michelangelo einen neuen Ausdruck.
Die Suche der griechischen Philosophen nach der Struktur des Universums wurde von Kopernikus übernommen, dann von Galilei, dann von Kepler und schließlich von Newton.
Der Hunger nach neuem Wissen war es, der Magellans erste Expedition rund um die Welt hervorbrachte, Kolumbus‘ Entdeckung Amerikas und schließlich die Reise von Apollo 11 zum Mond.
Und die Eigenschaften, die Alexander dazu brachten, die gesamte damals bekannte Welt zu erobern, traten bei Cäsar wieder hervor, dann bei Karl dem Großen und bei Cortés.
Und in Amerika fand dieselbe Tradition auf neue Weise zu sich selbst zurück.
Ein offenes und wildes Land wurde zum Schauplatz einer großen Wiedergeburt westlicher Vorstellungskraft und westlichen Ehrgeizes.
Das griechische Streben nach neuen Horizonten wurde zum amerikanischen Pioniergeist.
Die Zivilisation Athens und Roms verwandelte eine junge Republik an der Küste in ein kontinentales Imperium.
Die größten Amerikaner jeder Generation haben die unverkennbaren Züge ihrer Vorväter getragen – geboren in Athen, geformt durch Rom, getauft in der Christenheit, gehärtet im Schmelzofen des mittelalterlichen Europas, ausgestattet mit dem englischen Genie für die Freiheit und dann über den Atlantik getragen, um an den Küsten einer neuen Welt wiedergeboren zu werden.
Gemeinsam müssen wir diesen Geist nun wiederentdecken.
Wir stehen an einem Wendepunkt – einem Wendepunkt nicht nur in der Geschichte meiner Nation, sondern in der Geschichte unserer gesamten Zivilisation.
Die Bedrohungen, denen wir heute gegenüberstehen, sind genauso real wie jene auf der dramatischen Bühne der Antike.
Nationale Interessen verschwanden nicht angesichts internationaler Institutionen.
Der Krieg verschwand nicht einfach deshalb, weil wir den Frieden bevorzugten.
Andere Staaten rüsteten weiter auf, strebten nach Einfluss und konkurrierten um Territorien, Technologien, Ressourcen, Märkte, Energie und Macht.
Und nun herrscht wieder Krieg.
Es gibt wieder einen neuen Wettbewerb zwischen Großmächten.
Es gibt wieder Verwundbarkeit, Aggression, Terrorismus, ein ganzes Universum neuer Bedrohungen und Angriffe.
Und deshalb müssen wir unsere Institutionen und unsere Bündnisse wiederaufbauen, um diesen Bedrohungen gemeinsam zu begegnen – in dem Bewusstsein, dass der Zweck dieser Institutionen und Bündnisse nicht darin besteht, die Souveränität der Nationen abzuschaffen, aus denen sie bestehen, sondern darin, sie zu verteidigen.
Und dass Nationen ihre unterschiedlichen Identitäten nicht aufgeben müssen, um ihre gemeinsamen Interessen anzuerkennen.
Mit unseren Partnern hier in Griechenland haben wir dafür ein Modell geschaffen.
In unseren Verteidigungspartnerschaften, im Bereich Energie und Technologie, in unserem gemeinsamen Bestreben, Europas Grenzen vor den Bedrohungen durch Massenmigration zu schützen.
Unsere Freundschaft reicht bis in die frühesten Jahre meiner Nation zurück.
Als sich Griechenland 1821 erhob, um nach Jahrhunderten osmanischer Herrschaft seine Unabhängigkeit zurückzugewinnen, erkannten die Amerikaner in diesem Kampf etwas Vertrautes.
Drei Jahre später hielt der große amerikanische Staatsmann Daniel Webster eine berühmte Rede vor dem Kongress und trug dazu bei, die Sache der griechischen Revolution vor die Vertreter der jungen amerikanischen Republik zu bringen.
Und er begann damit, ihre Aufmerksamkeit auf alles zu lenken, was sie umgab.
Dies sagte er in seiner Rede, er sagte:
„Diese freie Regierungsform, diese Volksversammlung … diese Praxis der freien Debatte und der öffentlichen Diskussion, der Wettstreit von Geist mit Geist … selbst das Gebäude, in dem wir uns versammeln, diese wohlproportionierten Säulen, diese verzierte Architektur – all das erinnert uns daran, dass Griechenland existiert hat und dass wir, wie der Rest der Menschheit, tief in seiner Schuld stehen.“
Diese Worte sind heute genauso wahr wie damals, als er sie aussprach.
Und wir alle – nicht nur Amerikaner, sondern auch Europäer und unsere Freunde überall im Westen – müssen die Lehren neu lernen, die unsere Vorväter aus diesem Ort und seiner Geschichte gezogen haben.
Die Geschichte Griechenlands – die Geschichte Griechenlands gewährt uns nicht nur einen Einblick – sie gewährt uns nicht nur einen Einblick in unsere Institutionen in ihren frühesten Formen.
Die Geschichte Griechenlands zeigt uns ein Bild von uns selbst.
Sie zeigt uns, dass wir das Erbe großer Helden in uns tragen und dass wir stolz sein sollten – dass wir außerordentlich stolz sein sollten – auf unsere Herkunft.
Wir sollten voller Bewunderung auf das blicken, was unsere Vorväter dieser Landschaft abgerungen haben.
Die Geschichte unserer Zivilisation ist die größte Geschichte, die die Menschheit je gekannt hat.
Und sie begann hier, mit den ersten Männern und Frauen des Westens.
Von ihnen – von ihnen – können wir die Tugenden, den Mut und die Stärke wiederentdecken, um den Gefahren entgegenzutreten, denen wir in unserer Zeit gegenüberstehen.
Vielen Dank.
(Applaus.)
