Russisches Erdgas: In der EU wird nur Ungarn noch beliefert

Bild: freepik / manine99

Inzwischen ist es so weit, dass die Europäische Union von den Gasflüssen aus Russland faktisch komplett abgeschnitten ist. Nur eine von vier Pipelines liefert noch Erdgas – und zwar nach Ungarn. Der Rest der Staatengemeinschaft liegt auf dem Trockenen.

Insgesamt vier Erdgas-Pipelines mit einer Gesamtkapazität von 174,5 Milliarden Kubikmetern pro Jahr führen von Russland aus nach Europa. Davon sind zwei (Nord Stream 1 und 2) dank eines gezielten Anschlags beschädigt und nicht mehr operabel. Eine weitere (Yamal Europe) liefert bereits seit Mai dieses Jahres kein Erdgas mehr und die vierte Pipeline (Turk Stream) ist zwar noch in Betrieb, allerdings endet sie in Ungarn, dessen konservative Regierung unter Führung von Premierminister Viktor Orbán sich standhaft weigert, Sanktionen gegen den Energiesektor zu unterstützen.

Laut Forbes Hungary ist Ungarn damit das einzige Land in der Europäischen Union, welches überhaupt noch mit Erdgas aus Russland versorgt wird. Alle anderen EU-Mitgliedsstaaten sind demnach auf Lieferungen aus anderen Ländern bzw. der eigenen Produktion (z.B. die Niederlande) angewiesen. Doch gerade die Lieferung von Flüssiggas über LNG-Tankschiffe ist limitiert, da es nur beschränkte Kapazitäten gibt. Auch Produzenten wie Norwegen oder Algerien können nicht genügend Erdgas als Ersatz liefern.

In Prag, beim informellen EU-Gipfel, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dass der Winter 2023/24 in Bezug auf die Lieferung von Erdgas noch härter werde als dieser Winter. Immerhin werden die russischen Pipelines auch im kommenden Jahr wohl kaum mehr Gas nach Europa liefern, so dass auch die Gasspeicher nicht ausreichend aufgefüllt werden können. Immerhin verbrauchen die europäischen Volkswirtschaften auch im Sommer Erdgas.

Die ungarische Regierung hat sich lautstark gegen viele der gegen Russland verhängten Sanktionen ausgesprochen und argumentiert, dass sie den Europäern mehr schaden als den Russen. Erst letzte Woche forderte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán ein Ende der Russland-Sanktionen bis zum Ende des Jahres, um die Inflation zu stoppen, die Lebensmittelpreise zu halbieren und die steigenden Energiekosten unter Kontrolle zu bringen.

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