Pest-Verdacht in Sibirien: Laborantin tot – Klinik abgeriegelt, Warnung gelöscht

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Eine 28-jährige Mitarbeiterin eines russischen Anti-Pest-Instituts stirbt nach einer schweren Erkrankung. Ein Krankenhaus wird abgeriegelt, 197 Kontaktpersonen kommen unter Beobachtung und Russlands oberste Gesundheitsaufseherin reist persönlich nach Irkutsk. Russische Medien berichten von Lungenpest und einem zerbrochenen Reagenzglas mit Yersinia pestis. Doch die Behörden schweigen. Was ist da los?

Das Krankenhaus von Schelechow läuft seit dem Tod der jungen Laborantin im Ausnahmebetrieb. Patienten können teilweise weder aufgenommen noch entlassen werden, mehrere Bereiche stehen unter Quarantäne. Fast 200 Menschen, die Kontakt mit der Verstorbenen hatten, wurden erfasst und medizinisch überwacht. Anna Popowa, Chefin der russischen Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor, reiste eigens in die Region und beriet mit Gouverneur Igor Kobsjew über weitere Maßnahmen. Und trotzdem bleibt der Erreger offiziell namenlos.

Kobsjew spricht lediglich von einer „besonders gefährlichen Infektion“. Russische Medien sind längst deutlicher. Die Regionalzeitung „Ljudi Baikala“ berichtet, die Verstorbene habe am Irkutsker Anti-Pest-Institut gearbeitet und dort am 25. September ein Reagenzglas mit dem Erreger der Lungenpest zerbrochen. Wenige Tage später kam sie schwer krank ins Krankenhaus. In der Nacht zum 2. Oktober starb sie.

Die Behörden mauern

Der behauptete Laborunfall wurde bislang noch nicht amtlich bestätigt. Doch selbst aus dem Umfeld russischer Behörden kam zunächst das Wort, das Irkutsk offenbar vermeiden will. Der Regierungschef der benachbarten Republik Burjatien, Alexej Zydenow, schrieb öffentlich, die Frau sei an der Pest gestorben. Später änderte er seine Aussage und schrieb nur noch, sie sei „möglicherweise“ an der Pest gestorben. In den russischen sozialen Medien wird derweil wild spekuliert.

Dann begann auch noch das Löschen. Die Stadtverwaltung von Baikalsk warnte ihre Einwohner am 3. Oktober davor, nach Schelechow zu fahren. Rund zwei Stunden später verschwand die Warnung wieder. Auch REN TV entfernte mehrere Beiträge über eine mögliche Pest-Ausbreitung aus seinen sozialen Kanälen. Eine öffentliche Erklärung für die Löschaktionen gibt es bislang nicht. Damit wird die russische Informationspolitik selbst Teil der Geschichte. Die Behörden reagieren auf höchster Ebene, isolieren Kontaktpersonen und stellen Teile eines Krankenhauses unter Quarantäne. Gleichzeitig erfahren die Menschen offiziell nicht einmal, welcher Erreger diese Maßnahmen ausgelöst hat.

Was ist da wirklich los?

Bei den 197 Kontaktpersonen gibt es bislang immerhin Entwarnung. Kobsjew erklärte, niemand habe typische Krankheitssymptome entwickelt, die bisherigen Laboruntersuchungen seien negativ. Nach Medienberichten wurden 189 Personen vorsorglich in medizinischen Einrichtungen untergebracht oder dort überwacht. Bestätigte Sekundärfälle sind bislang nicht bekannt. Der Fall bleibt trotzdem interessant. Falls Schipilowa tatsächlich während ihrer Arbeit mit Yersinia pestis infiziert wurde, wäre ausgerechnet in einem Anti-Pest-Institut ein Laborunfall mit einem der gefährlichsten bakteriellen Erreger passiert.

Andererseits stellt sich die Frage: Wenn es wirklich die Lungenpest war, wurde die junge Frau dann auch gleich mit geeigneten Antibiotika wie Fluorchinolonen oder Tetracyclinen behandelt? Das wäre die Standardprozedur. Die offizielle Geschichte bekommt damit also Löcher. Und mehr noch: Gerade wenn eine Exposition mit Yersinia pestis vermutet wird, dann schickt man diese Person doch nicht einfach in ein öffentliches Krankenhaus und setzt dort hunderte weitere Menschen dem Risiko einer Infektion aus.

Das alles lässt im Moment mehrere Möglichkeiten offen: Die Reagenzglas-Geschichte stimmt so nicht; der Unfall wurde zunächst nicht als relevante Exposition erkannt; der Zwischenfall wurde nicht korrekt gemeldet/behandelt; oder sie bekam sehr wohl Antibiotika und starb trotzdem. Welche davon zutrifft, wissen wir nicht. Mehr noch stellt sich die Frage, warum die zuständigen Behörden derart mauern.

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