Massiver Pflegekräftemangel und drohende Impfpflicht: Streiks und Proteste auch in Belgien

Bild: freepik / diana.grytsku

Das chronisch überlastete Pflegepersonal ist mit Beginn der sogenannten Pandemie zum beliebten Werkzeug der Politik geworden, um das Volk auf Linie zu bringen: „Wenn ihr nicht gehorcht, muss das Pflegepersonal leiden“, so heißt es. Das ist eine sehr steile These seitens Politikern, die seit vielen Jahren auf die Mitarbeiter des Gesundheitswesens – man kann es leider nicht anders ausdrücken – geschissen haben. An der Beseitigung der wahren Ursachen des Fachkräftemangels zeigt man dabei nach wie vor kein Interesse. Auch die Medien stellen sich diesbezüglich blind und taub.

Ein Kommentar von Vanessa Renner

So sorgte zuletzt der Streik von Pflegepersonal im belgischen Lüttich in den lokalen Medien für Schlagzeilen: Die Lage sei so schlimm, dass sogar Zwangsrekrutierungen von Ersatzpersonal stattfinden mussten – Medienberichten zufolge wurden entsprechende Vorladungen teils von der Polizei überbracht. Das André-Renard-Krankenhaus in Lüttich hat nun sogar seine Notaufnahme bis Montag geschlossen: „Das Limit ist erreicht,“ teilte die Klinik mit. Das Personal sei schlicht überlastet.

Ein Medienbericht beleuchtet die psychischen Auswirkungen der ständigen Überforderung im Arbeitsalltag für die Pflegekräfte in Belgien. Das Framing ist klar: „Mit mehr als 800 Covid-Patienten auf der Intensivstation, steht das Pflegepersonal in unseren Krankenhäusern unter Druck. Nach zwei Jahren Epidemie sind viele am Ende“, ist dort zu lesen. Damit macht man es sich sehr einfach. Denn dass schon lange vor der Krise die Arbeitsbelastung für Klinikpersonal zu hoch war, das liest man dort eher nur im Nebensatz – auch wenn richtigerweise festgestellt wird, dass durch Covid-19 lange bestehende strukturelle Probleme eher ins Licht der Öffentlichkeit rückten. Jedoch: Ohne Konsequenzen. Denn auch in Belgien versteckt die Politik sich hinter einmaligen Covid-Prämien und stupidem Händeklatschen.

Die Medien tragen durch ihre gehorsam einseitige Berichterstattung einen großen Teil dazu bei, dass sich für Gesundheitspersonal langfristig gar nichts ändern wird. Bläut man den Bürgern nämlich ein, dass die Überlastung rein von Covid-19 herrühren würde und dass daran am allerbesten noch rein die bösen Ungeimpften Schuld wären, so denkt das gehirngewaschene Schäfchen sich: „Fein, wenn alle geimpft sind und Covid auf magische Weise verschwindet, ist im Gesundheitswesen wieder alles bestens.“ Das ist es jedoch nicht.

Saisonale Überlastung

Ist die Überlastung von Kliniken im Allgemeinen und Intensivstationen im Besonderen durch grippeartige Erkrankungen überhaupt ein neues Problem? Nein. Werfen Sie beispielhaft einen Blick auf die folgenden Schlagzeilen aus Deutschland und Österreich aus den Jahren 2009 bis 2018: Kommt Ihnen das bekannt vor?

Diese Krankheitswellen werden die Menschheit immer begleiten. Das ist nicht schön, aber natürlich. Im Fall von schweren Erkrankungen sind Hospitalisierungen nötig. Häufen sich die Hospitalisierungen, so kommt das Gesundheitssystem ins Wanken. Das war und ist jedes Jahr aufs Neue mit schwankender Intensität der Fall. Eine einmalige Covid-Prämie wie sie aktuell auch in Deutschland aussteht, wird an fehlenden Fachkräften nichts ändern. Hört man auf, die Grippe als Covid-19 zu bezeichnen, wird das Gesundheitssystem mitsamt seiner hilflosen Patienten und überlasteten Mitarbeiter unverändert langsam aber sicher an Menschenfeindlichkeit und Profitgier krepieren. Wer kann, verlässt nun endgültig das sinkende Schiff. Andere wiederum werden so an den Rand ihrer Belastungsgrenze gedrängt, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als in den Krankenstand zu gehen. Nachwuchs ist dabei rar gesät: Viel Arbeit, wenig Lohn und fehlende Anerkennung wirken alles andere als attraktiv.

Das belgische André-Renard-Krankenhaus konstatierte in einer Stellungnahme: „Ohne eine Aufwertung des Pflegeberufs wird sich die Situation in den kommenden Monaten verschärfen, daher sind strukturelle Maßnahmen erforderlich.“ Mit der Verschärfung der Lage dürfte er Recht haben: Dank der Lockdown-Politik müssen zwischen „den Wellen“ nämlich auch noch zahllose aufgeschobene Behandlungen nachgeholt werden. Von Entlastung kann somit auch abseits von Covid-19 keine Rede sein. Das Kabinett von Gesundheitsminister Frank Bandenbroucke hatte dazu nicht zu mehr zu sagen, als dass die Situation zwar bedauert werden würde, eine Verweigerung der Aufnahme von Patienten jedoch einen schweren Verstoß gegen das Notfallversorgungsgesetz darstelle und entsprechende Konsequenzen haben werde. Da braucht sich wohl niemand wundern, wenn Klinikpersonal fortan lieber für Amazon arbeitet.

Proteste gegen Impfpflicht auch in Belgien

Dass auch in Belgien derweil massenhaft Gesundheitspersonal gegen die drohende Impfpflicht im medizinischen Bereich protestiert, schweigt man bei den Abhandlungen über die angeblich Covid-induzierte Überlastung lieber tot. Auch in Brüssel weiß man eigentlich längst, dass Krankenhäuser ohne ihr ungeimpftes Personal dem Untergang geweiht sind. Dass die Politik in zahlreichen Ländern trotzdem Impfpflichten in genau diesem Bereich installieren will, ist nur ein weiterer Schlag ins Gesicht derer Menschen, die sich mit aller Kraft und Hingabe dem Helfen verschrieben haben. Die Frage ist nur: Wer hilft ihnen?

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