Am 28. September kam es an einem Spielplatz in Illertissen in Mittelschwaben (Bayern) zu einem sexuellen Übergriff auf ein Kind. Furchtbar genug. Für Kritik sorgt aber auch das Vorgehen der Polizei: Eine Mitteilung über den Übergriff ging erst vier Tage später an die Öffentlichkeit; eine Täterbeschreibung gab man gar nicht heraus. Die Mutter des missbrauchten Kindes wandte sich dafür später an die Medien.
Am 28. September gegen 16:30 Uhr soll ein Mann mittleren Alters ein Kind in einem an einen Spielplatz in der Illertisser Innenstadt angrenzenden Waldstück angesprochen haben. Er lockte es an, indem er um Hilfe bat, und brachte es dann dazu, ihn zu „berühren“.
Die Polizei hielt sich „zum Schutz des Kindes“ mit weiteren Informationen sehr bedeckt. „Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand erfüllen die Handlungen den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern“, so veröffentlichte man. Das Kind hatte sich einer erziehungsberechtigten Person anvertraut, die daraufhin die Polizei gerufen hat. Eine Fahndung wurde umgehend eingeleitet. Aber bislang offenkundig ohne Erfolg.
Die Tat ereignete sich am Montag, die Mitteilung an die Öffentlichkeit erschien erst vier Tage später, am Freitag. Die Polizei bat um Mithilfe und suchte Zeugen. Die Vorwürfe hätten zuerst verifiziert werden müssen, begründete ein Sprecher die späte Veröffentlichung. Allerdings war keine Täterbeschreibung zu bekommen. Genau die wäre aber nicht nur zur Identifizierung des Täters wichtig, sondern auch, damit Eltern und Betreuungspersonen von Kindern darauf achten können, ob sich womöglich verdächtige Personen ihren Schutzbefohlenen nähern.
Mutter veröffentlicht Täterbeschreibung
Die Augsburger Allgemeine hat am 19. Oktober einen Nachsetzer veröffentlicht: Die Mutter des betroffenen Kindes hat sich an die Redaktion gewandt. Sie wollte eine Täterbeschreibung veröffentlichen, wie sie sie von ihrem Kind erhalten hat. Der Mann wird wie folgt beschrieben:
- mittleren Alters (40 bis 50 Jahre)
- graue kurze Haare
- sportliche Kleidung (weißes Shirt, weiße kurze Hose, weiße Sneakers)
- Rucksack rot weiß
- keine Brille
- kein Bart
- Hauttyp: gute sommerliche Bräune
Er soll Deutsch gesprochen haben, aber „mit komischem Akzent“. Seitens der Polizei wurden die Angaben der Mutter weder bestätigt noch dementiert.
Die Mutter wollte die Beschreibung veröffentlichen, weil in Bellenberg mehrfach ein Mann beobachtet worden sein soll, wie er bei Kindergarten bzw. Kinderkrippe Fotos von Kindern machte. Die Polizei gibt an, dass kein Zusammenhang zum Übergriff auf das Kind bestehe: Der Mann sei überprüft worden und habe angeblich nur „Pokémon Go“ auf seinem Smartphone gespielt.
Viele Bürger beschleicht mehr und mehr das Gefühl, dass der Schutz von Tätern in Deutschland über dem der Opfer steht. Persönlichkeitsrechte von gefährlichen Personen stehen mitunter gar der Veröffentlichung von Fahndungsfotos im Weg – die Öffentlichkeit wird also nicht gewarnt, flüchtige Straftäter können schwerer gefasst werden. Entsprechend sensibel reagiert man auch in den sozialen Netzen auf Fälle wie diesen, wo es die Mutter eines Opfers ist, die endlich eine Täterbeschreibung öffentlich macht, statt der Polizei, die die Bürger schützen sollte.