In syrischen Schulbüchern werden Juden als Verräter dargestellt, der Dschihad als gottgefällige Tat gepriesen und Islam-Terroristen zu Helden erklärt. Eine Untersuchung von 130 Lehrbüchern offenbart, welche Ideologie unter Ahmed al-Scharaas Herrschaft in den Klassenzimmern verbreitet wird. Während die EU ihre Beziehungen zur islamistischen Führung in Damaskus ausbaut und 620 Millionen Euro an Hilfen zusagt, kündigt Brüssel angesichts dieser Enthüllungen lediglich weitere Gespräche an. Von finanziellen Konsequenzen ist keine Rede.
Verrat und Hinterhältigkeit würden zu den Eigenschaften der Juden gehören. Diese antisemitische Hetze findet sich in einem syrischen Schulbuch für Sechstklässler. Schon Viertklässler lernen im islamischen Religionsunterricht, dass der Dschihad zu den herausragenden guten Taten gehört, mit denen sich gläubige Moslems Allah nähern können. Achtklässler wiederum lesen von Helden, die Allah um den Märtyrertod baten und den Boden mit ihrem Blut tränkten. Derartige Botschaften verbreiten die staatlichen Lehrbücher des neuen Syrien.
Syria’s next generation is being taught a radically different ideology.
— Open Source Intel (@Osint613) October 20, 2026
A new IMPACT-se report examining 130 school textbooks under the al-Sharaa (Jolani) administration finds a sweeping shift from Arab nationalism toward Islamism.
Syrian Textbooks now glorify jihad, martyrdom… pic.twitter.com/GOUfJhaAvD
Islamismus statt Nationalismus
Das israelische Bildungsforschungsinstitut IMPACT-se hat 130 syrische Schulbücher der Klassen eins bis zwölf untersucht und mit den Lehrmitteln aus der Assad-Zeit verglichen. Die Forscher stellten eine deutliche Verschiebung vom arabischen Nationalismus hin zu einer islamistischen Weltanschauung fest. Wo zuvor der Dienst am Vaterland im Vordergrund stand, wird nun verstärkt das Opfer für Allah und die Gemeinschaft der Moslems verherrlicht. Der bereits unter Assad verbreitete Antisemitismus blieb erhalten. Die religiöse Rechtfertigung von Gewalt erhielt hingegen zusätzliches Gewicht.
Als Heldin erscheint in den Lehrbüchern unter anderem Dalal al-Mughrabi. Die Palästinenserin führte 1978 einen Terroranschlag auf der israelischen Küstenstraße an, bei dem 38 Menschen ermordet wurden, darunter 13 Kinder. Israel wird als feindliches „zionistisches Gebilde“ dargestellt, palästinensische Gewalt gegen jüdische Zivilisten hingegen als legitimer Widerstand. Auch die Darstellung religiöser und ethnischer Minderheiten wurde verändert. Christen verlieren an Bedeutung, Kurden, Drusen und Turkmenen werden weitgehend ausgeblendet. Frauen erscheinen vorwiegend in traditionellen islamischen Rollen, während naturwissenschaftliche Inhalte zur Evolution und zum Urknall gestrichen oder religiös umgedeutet wurden.
Damit prägt die islamistische Weltanschauung zunehmend auch den staatlichen Schulunterricht. Die Bücher aus dem Schuljahr 2025/26 werden weiterhin verwendet. Syriens Bildungsministerium bestätigte im August, dass der Lehrplan im laufenden Schuljahr 2026/27 landesweit einheitlich gelten soll. Die nächste Schülergeneration wächst somit mit Unterrichtsmaterialien auf, in denen Judenhass, dschihadistischer Märtyrerkult und islamistische Gesellschaftsvorstellungen ihren festen Platz haben.
The Islamization of education in Syria: Before-and-after textbook images reveal how a new jihadist-led regime is systematically erasing women, history, and cultural diversity from the classroom.
— Western Syria Alliance – تحالف غرب سوريا (@WesternSyriaA) October 26, 2026
أسلمة التعليم في سوريا: تكشف صورٌ من الكتب المدرسية -قبل التغيير وبعده- كيف تعمل… pic.twitter.com/V6gASTAA4D
Europäische Steuergelder fließen
Währenddessen rollt Brüssel dem einstigen Al-Qaida-Kommandeur Ahmed al-Scharaa weiterhin den roten Teppich aus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte den syrischen Machthaber am 9. Januar in Damaskus und kündigte ein Unterstützungspaket von rund 620 Millionen Euro für die Jahre 2026 und 2027 an. Es umfasst humanitäre Hilfe, Wiederaufbau und bilaterale Zusammenarbeit. Bereits im Mai 2025 hatte die EU ihre Wirtschaftssanktionen gegen Syrien weitgehend aufgehoben. Am 11. Mai 2026 setzte der EU-Rat schließlich das seit 2011 teilweise ausgesetzte Kooperationsabkommen mit Syrien wieder vollständig in Kraft. Die Normalisierung der Beziehungen schreitet also mit großen Schritten voran.
Report24 kritisierte bereits im März 2025, wie bereitwillig die Eurokraten den früheren Dschihadistenführer hofierten, während aus Syrien Massaker an religiösen Minderheiten gemeldet wurden. Nun liefert die Schulbuchuntersuchung weiteren Anlass, die angebliche politische Mäßigung der neuen Führung zu hinterfragen. Auf Nachfrage von Brussels Signal erklärte ein Sprecher der EU-Kommission, man stehe mit den syrischen Behörden in regelmäßigem Kontakt und werde entsprechende Bedenken weiterhin ansprechen, wo dies angebracht sei. Zugleich verwies er auf strenge Kontrollen bei nicht-humanitären Hilfen. Ob die antisemitischen und islamistischen Lehrinhalte Auswirkungen auf die europäische Unterstützung haben könnten, beantwortete die Kommission nicht.