IRGC-Kommandeur tot: Der Belutschen-Aufstand wird für Iran zum Problem

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Irans Revolutionsgarden bekommen im Südosten ein wachsendes Problem. Innerhalb von elf Tagen kam es in Saravan zu zwei stundenlangen Gefechten mit bewaffneten Belutschen. Beim jüngsten Kampf fiel ausgerechnet Brigadegeneral Hossein Zarifi, der örtliche IRGC-Operationskommandeur. Gleichzeitig bündeln mehrere belutschische Gruppen ihre Kräfte – und wenige Kilometer hinter der Grenze führt Pakistan vor, wohin ein solcher Aufstand führen kann.

Saravan liegt im äußersten Südosten Irans, nahe der pakistanischen Grenze. Seit Jahren jagen die Sicherheitskräfte des Mullah-Regimes dort bewaffnete Zellen, Schmuggler und militante Gruppen. Am 23. September kam es erneut zu schweren Kämpfen. Fünf Männer wurden nach Angaben der Revolutionsgarden getötet. Unter den Toten auf iranischer Seite befand sich allerdings ein Mann, dessen Name weit über Saravan hinaus Gewicht hat: Hossein Zarifi, Brigadegeneral und Kommandeur des Shahid-Sajjad-Operationshauptquartiers. Mehr als zehn Jahre hatte er in der Region gedient.

Für Saravan war es bereits der zweite schwere Kampf innerhalb von elf Tagen. Am 12. September waren IRGC, Geheimdienst und Polizei gegen eine bewaffnete Gruppe vorgegangen. Die Gefechte zogen sich über Stunden hin. Drei Angehörige der iranischen Sicherheitsorgane und vier Belutschen-Kämpfer starben nach offiziellen Angaben. Kaum war dieser Einsatz vorbei, krachte es erneut. Diesmal verlor der IRGC seinen örtlichen Operationschef.

Sunnitische Extremisten und Separatisten

Der Zeitpunkt fällt mit einer Entwicklung zusammen, die Teheran aufmerksam verfolgen dürfte. Ende 2025 schlossen sich mehrere iranisch-belutschische Gruppen zur Popular Fighters Front, kurz JMM, zusammen. Jaish al-Adl, PADA Baluch, Harakat Nasr Baluchistan, die Mohammad-Rasulallah-Gruppe sowie weitere Kämpfer wollen ihre bisher getrennten Strukturen enger koordinieren. Bereits am Tag ihrer Gründung beanspruchte die neue Front einen Angriff bei Zahedan für sich. Vier Angehörige der Revolutionsgarden wurden dabei getötet. Für die iranischen Sicherheitskräfte verändert ein solcher Zusammenschluss das Spiel. Kleine Zellen lassen sich aufspüren, einkreisen und einzeln bekämpfen. Wenn Gruppen Informationen, Kämpfer und Erfahrungen teilen, wird die Jagd schwieriger. Die JMM steckt noch in ihren Anfängen, doch das Ziel ist klar: Die bewaffneten Kräfte der Belutschen sollen enger zusammenarbeiten.

Die meiste Kampferfahrung bringt Jaish al-Adl mit. Die sunnitische Organisation entstand nach der Zerschlagung von Jundallah und greift seit Jahren Revolutionsgarden, Grenztruppen und andere staatliche Einrichtungen an. Beim Zusammenschluss Ende 2025 fiel allerdings auf, dass die neue Front stärker die gesamte iranische Opposition ansprach. Der Kampf gegen die politische Führung in Teheran rückte stärker in den Vordergrund. Aus einer regionalen Rebellion soll offenbar ein breiterer Gegner der Islamischen Republik werden. Die Ursachen des Konflikts bestehen seit langer Zeit. Sistan und Belutschistan gehören seit Jahrzehnten zu den ärmsten Regionen Irans. Die dortigen Belutschen sind überwiegend Sunniten und leben unter einer schiitisch-islamischen Staatsführung. Wirtschaftliche Vernachlässigung, politische Marginalisierung und harte Sicherheitsmaßnahmen sorgen seit langem für Spannungen. Jeder neue Militäreinsatz sorgt für noch mehr Unmut und Hass.

Grenzüberschreitende Probleme

Der belutschische Raum reicht zudem weit über den Iran hinaus. Das historische Belutschistan erstreckt sich über Gebiete des heutigen Iran, Pakistans und Afghanistans. Die modernen Grenzen schneiden quer durch diesen Raum und durch alte Stammes- und Siedlungsgebiete. Große belutschische Bevölkerungen leben heute sowohl im Iran als auch in Pakistan, kleinere Gruppen in Afghanistan. Neue politische Grenzen entstanden – der gemeinsame ethnische Raum blieb. Direkt auf der anderen Seite der Grenze führt Pakistan seit Jahrzehnten seinen eigenen Krieg gegen belutschische Separatisten. Dort kämpft die Baloch Liberation Army offen für die Abspaltung Belutschistans. Sie wirft Islamabad vor, Gas, Kupfer, Gold und andere Rohstoffe der Provinz auszubeuten, während viele Bewohner arm bleiben. Auch chinesische Projekte und der strategisch wichtige Hafen Gwadar gerieten immer wieder ins Visier.

Anfang 2026 zeigte die BLA, welche Schlagkraft sie inzwischen erreicht hat. Bewaffnete griffen gleichzeitig Ziele in mehreren Städten und Distrikten an, darunter Quetta, Gwadar, Noshki und Panjgur. Pakistan meldete zunächst 15 getötete Sicherheitskräfte und 18 tote Zivilisten. Die BLA behauptete ihrerseits, 84 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet zu haben. Selbst wenn man die Propaganda beider Seiten abzieht, zeigt sich die neue Dimension der Angriffe: Eine bewaffnete Bewegung konnte gleichzeitig an zahlreichen Orten zuschlagen und die pakistanischen Sicherheitskräfte über viele Stunden beschäftigen.

Teherans Probleme wachsen

Teheran dürfte genau hinsehen. Die iranischen Gruppen haben diese Größenordnung bisher nicht erreicht. Auch politisch gibt es erhebliche Unterschiede. Die BLA ist vor allem ethnonationalistisch und separatistisch geprägt, während Jaish al-Adl zusätzlich stark aus dem sunnitisch-islamistischen Milieu kommt. Trotzdem kämpfen Iran und Pakistan innerhalb desselben größeren belutschischen Siedlungsraums gegen bewaffnete Gruppen, die sich von den Staatsgrenzen wenig beeindrucken lassen. Wie schnell daraus Ärger zwischen den beiden Staaten selbst entstehen kann, zeigte der Januar 2024. Iran griff Jaish-al-Adl-Stellungen auf pakistanischem Boden an. Pakistan antwortete zwei Tage später mit Angriffen auf belutschische Separatisten im Iran. Zwei Nachbarstaaten, die beide gegen belutschische Aufständische kämpfen, beschossen plötzlich das Territorium des jeweils anderen. Erst danach gelang es Teheran und Islamabad, die Lage wieder zu beruhigen.

Nun häufen sich die Kämpfe auf der iranischen Seite. Bewaffnete Gruppen schließen sich enger zusammen, in Saravan folgen schwere Gefechte in kurzen Abständen aufeinander, und der IRGC verliert einen erfahrenen örtlichen Kommandeur. Teheran kann Truppen verstärken, weitere Häuser durchsuchen und neue Zellen ausheben. Pakistan zeigt allerdings direkt hinter der Grenze, wie hartnäckig ein solcher Konflikt werden kann, wenn er über Jahre Kämpfer, Waffen und Erfahrung hervorbringt. Hossein Zarifi gehörte zu den Männern, die verhindern sollten, dass sich Irans Belutschenproblem weiter auswächst. Jetzt ist der Kommandeur selbst in Saravan gefallen. Und während Teheran an anderen Fronten bereits genügend Probleme hat, beginnt es ausgerechnet im äußersten Südosten immer heftiger zu brodeln.

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