Impf-Flop Algerien: Kaum ein Viertel der Bevölkerung ließ sich impfen

Bilder: freepik / Hintergrund via wirestock, Hände via nando_novoa

Trotz massiven Drucks der Politik ist die Covid-19-Impfkampagne in Algerien wohl in weiten Teilen als gescheitert anzusehen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind bislang nur fünf Millionen Algerier doppelt geimpft, weitere sechs Millionen hätten die erste Impfdosis erhalten.

Dies entspreche 24 Prozent der Bevölkerung. Unter Studenten betrage der Anteil der Geimpften nur knapp 1 Prozent, im Bildungs-, Hochschul- und Gesundheitssektor gerade einmal 20 Prozent.

In Algerien begann die Impfkampagne vergleichsweise spät, erst im März diesen Jahres. Das ursprüngliche Ziel der Regierung war es, mindestens 20 Millionen Menschen – knapp die Hälfte der Bevölkerung – durchzuimpfen. Angesichts einer auch in Algerien erwarteten, möglichen „vierten Welle“ drängte Gesundheitsminister Abderrahmane Benbouzid seine Landsleute noch einmal eindringlich zur Impfung: Aufgrund der anhaltend zögerlichen Bereitschaft bestehe die Gefahr, dass das Land 13 Millionen bereits georderte Impfdosen verliere, da das Wirkungsdatum bald ablaufe. Allerdings kündigte er für Dezember die Einfuhr von zusätzlichen sieben Millionen Impfdosen an.

Auf diese Panikmache scheinen die traditionell gegenüber der Zentralregierung in Algier misstrauischen Bürger vor allem in der Provinz nicht hereinzufallen – sie vertrauen in gesunder Skepsis auf ihr Immunsystem. Benbouzid hingegen warnt unbeirrt und versucht Ängste zu schüren, dass „viele gesunde Menschen“, darunter auch Prominente, dem Virus bereits zum Opfer gefallen seien. Niemand sei dagegen immun. Gerade jene, mit erst einer Impfung seien besonders gefährdet, das die erste Dosis die Immunität reduziere.

Die Tricks sind also ähnlich wie die in Europa – doch sie verfangen nicht wie hierzulande. Und ebenfalls wie in der EU betonte der Minister auch, dass seine Behörden keinen Impfzwang ausüben werden, da die Impfung „Teil der individuellen Freiheit“ bliebe. Man darf gespannt sein, wie lange es angesichts des geringen Impffortschritts bei dieser Haltung bleibt. Bereits im September hatte Benbouzid die „totale Mobilisierung“ der Regierung und Bevölkerung in Sachen Covid-Impfung gefordert.

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