Warum hassen Regierungen die sozialen Netzwerke? Weil ihnen hier der geballte Zorn der Bürger entgegenschlägt. Dem Social-Media-Team der britischen Regierung ist gerade ein vermeintlich belangloser Tweet zur Zeitumstellung auf beispiellose Weise um die Ohren geflogen. Wie lange die Ignoranz der Politik gegenüber den Forderungen der eigenen Bevölkerung wohl noch gutgeht?
Es sollte wohl nur ein netter Tweet sein, um Bürgernähe vorzutäuschen – doch das Echo hat sich gewaschen. Das Social-Media-Team der britischen Regierung informierte auf X über die anstehende Zeitumstellung und wollte wissen, wie die Menschen die „gewonnene“ Stunde nutzen:
Am 25. Oktober um 2 Uhr morgens werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt, was bedeutet, dass ihr eine Stunde dazugewinnt ⏰
Was werdet ihr mit der zusätzlichen Zeit anfangen? Teilt es uns unten mit 👇
You have set the UK back 40 years so an hour won't hurt anybody
— Andrew Mardon (@andymardon) October 20, 2026
Tatsächlich ging der Tweet viral – nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der Kommentare. Ob die Verantwortlichen diese Reaktionen erwartet hatten? Mutmaßlich nicht. „So wie ich euch kenne, werde ich dafür besteuert“, konstatierte etwa ein Kommentar mit mehr als 84.000 Likes. Ein Nutzer hatte ziemlich genau vor Augen, wofür sein ihm abgepresstes Geld genutzt wird: „Verdammt, ich arbeite nachts, das heißt, ich verdiene einen weiteren Stundenlohn, den ihr Arschlöcher mir besteuert und in die Finanzierung dieser Invasion pumpen könnt, die ihr angeblich zu stoppen versucht. Ich überlege mir, mich krankzumelden.“
„Noch eine Stunde, in der wieder hundert Asylanträge bewilligt werden. Toll“, heißt es an anderer Stelle. Ein Nutzer meinte, er würde sich in der Zeit einen zweiten Job suchen, „um eure Sozialschmarotzer zu bezahlen“. Und noch einer gab an: „Ich werde sie wahrscheinlich unter staatlicher Überwachung verbringen, weil ich es wage, mich für Remigration einzusetzen.“
Ein anderer wurde ausfällig: „Großartig – eine zusätzliche Stunde mit euch nutzlosen Arschlöchern.“ Den Likes zufolge schätzten knapp 37.000 User das ähnlich ein. Mehrere Kommentatoren gaben an, die Stunde zu nutzen, um die Regierung noch ein bisschen länger zu verachten.
„Ihr habt das Vereinigte Königreich 40 Jahre zurückgeworfen, eine Stunde wird also niemandem wehtun“, kommentierte ein User. In eine ähnliche Kerbe schlug dieser Beitrag: „Schade, dass die Uhren nicht in eine Zeit zurückgestellt wurden, als Großbritannien tatsächlich ein schöner Ort zum Leben war. Wo die Steuern nicht so horrend waren.“
Mancher scheint noch Hoffnung auf einen Regierungswechsel zu setzen: „Ich stelle meine Uhren tatsächlich auf 2029 vor, wenn Labour nicht mehr an der Macht ist“, schrieb einer. Passend dazu eine Antwort eines anderen Users: „Wenn Rupert [Anmk: Lowe] Premierminister wäre, würde er die zusätzliche Stunde nutzen, um Leute abzuschieben.“
Bleibt zu hoffen, dass diese „Hassrede“ für die Kommentatoren keine Konsequenzen hat. Vielleicht sollten sie für die nächsten Wochen und Monate vorsorglich einen Bademantel für etwaige Hausbesuche der Polizei parat halten.