Während Moderna an einer neuen Genspritze gegen das Hantavirus arbeitet, gibt es bereits seit Jahren Forschungsarbeiten an klassischen Behandlungsmethoden. Im Fokus steht dabei Griffithsin, ein Protein aus einer einfachen Rotalge. Doch damit lässt sich wohl nicht so viel Geld verdienen.
Kaum tauchen wieder einmal Berichte über Hantavirus-Fälle auf, dreht die mediale Maschinerie am Rad. Und die üblichen Verdächtigen von Big Pharma – in diesem Fall Moderna – arbeitet auch schon an einer neuen Genspritze, die als Impfstoff gegen das Nagetiervirus verkauft werden soll. Gemeinsam mit der Korea University arbeitet Moderna bereits an einem neuen mRNA-„Impfstoff“, Report24 berichtete. Doch dabei braucht es für eine solche Krankheit, die vor allem in den Slums und Elendsvierteln Asiens verbreitet ist, keine solche Impfung.
Denn es gibt offensichtlich einen höchst wirksamen Wirkstoff, der auch bei diesem Virus Wirkung zeigt: Griffithsin. Dabei handelt es sich um ein Protein – genauer gesagt um ein Lectin – einer simplen Rotalge mit dem Namen Giffithsia. Dieses erkennt bestimmte Zuckerstrukturen und bindet diese. Mehr noch zeigte dieses Protein in der Grundlagenforschung interessante antivirale Eigenschaften – unter anderem gegen HIV, SARS-ähnliche Coronaviren, Hepatitis C oder Nipah-Viren. Kein Wunder also, dass irgendwann auch Hantaviren ins Visier der Forscher gerieten.
A natural protein from red algae (Griffithsin) reduced hantavirus infection of cells by up to 95% and cut infectious viral load by >99.99% in laboratory tests.
— Nicolas Hulscher, MPH (@NicHulscher) May 5, 2026
An animal study found Griffithsin protected 80% of mice from lethal hantavirus infection by blocking viral entry. https://t.co/ZngXLYDM8H pic.twitter.com/Jhn05taAet
Viele gefährliche Viren tarnen nämlich ihre Oberflächenproteine mit Zuckerstrukturen. Und genau dort setzt Griffithsin an: Das Protein bindet an diese sogenannten Glykane und erschwert dem Virus offenbar das Eindringen in die menschlichen Zellen. Dadurch wird die Replikation unterbunden und das Immunsystem kann sich um die gefährlichen Eindringlinge kümmern. Eine gefährliche Umprogrammierung körpereigener Zellen wie bei der umstrittenen mRNA-Technologie (wie z.B. bei den Corona-Genspritzen) fällt damit weg.
Im Jahr 2020 erschien die Studie „Hantavirus Infection Is Inhibited by Griffithsin in Cell Culture“ im Fachjournal Frontiers in Cellular and Infection Microbiology. Der Titel klingt trocken, die Ergebnisse waren jedoch durchaus bemerkenswert. Die Forscher testeten Griffithsin gegen das hochgefährliche Andes-Virus sowie das Sin-Nombre-Virus – zwei Hantavirus-Arten mit teils dramatischen Sterblichkeitsraten. Dabei hemmte Griffithsin in den Zellkulturen je nach Dosis die Virusinfektion teils sogar deutlich. Eine modifizierte Variante namens „3mGRFT“ zeigte sogar noch stärkere antivirale Effekte.
Das waren zwar nur Zellkulturversuche, doch diese waren vielversprechend. 2022 folgte die nächste Studie im selben Fachjournal: „An algal lectin griffithsin inhibits Hantaan virus infection in vitro and in vivo„. Und diesmal gingen die Forscher deutlich weiter. Denn nun beschränkte man sich nicht mehr auf Zellkulturen, sondern testete Griffithsin zusätzlich in Tiermodellen. Untersucht wurden mehrere Hantavirus-Arten gleichzeitig – darunter Hantaan-, Seoul-, Puumala-, Dobrava- und Andes-Viren.
Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Griffithsin möglicherweise breit gegen verschiedene Hantaviren wirken könnte. Die Autoren sprachen sogar offen von einem potenziellen „pan-hantaviralen“ Hemmstoff. Genau solche breit wirksamen antiviralen Ansätze wären aus medizinischer Sicht eigentlich hochinteressant, weil sie nicht für jede Virusvariante sofort ein neues Produkt benötigen würden. Ein Allrounder, sozusagen. Während beispielsweise bei den Corona-Impfstoffen (und Genspritzen) immer wieder neue, angepasste Vakzine (sogenannte „Booster“) verabreicht werden sollen, braucht es hier keine Veränderungen. Zumindest so lange nicht, bis auch die Viren ihre Strategie ändern.
https://t.co/f2h7esbtAb
— tune (@keisuke4713) May 7, 2026
海洋紅藻Griffithsia sp.から単離
:藻類由来レクチンGriffithsin(GRFT)
最強力🦠侵入阻害剤
ピコモル濃度でHIV感染阻害:殆どの抗HIV剤能を凌駕
他🦠,寄生虫を阻害も実証
抗🦠活性は高mannoseオリゴ糖に存在する末端mannoseに結合,🦠envelope糖蛋白表面に糖鎖の架橋能に由来 https://t.co/qar4Cuod1r pic.twitter.com/sS57ID92qM
Doch ein Naturprotein aus Algen lässt sich eben nicht so teuer verkaufen wie patentierbare mRNA-Plattformen mit kostenpflichtigem Dauer-Update-Modell. Die Logik dahinter ist offensichtlich. mRNA-Produkte lassen sich vergleichsweise schnell an neue Viren anpassen. Genau das verkauft die Branche als Revolution der Medizin. Kritiker wiederum sehen darin vor allem ein gigantisches Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Booster-Zyklen und permanenter Plattform-Erweiterung.
Alternative antivirale Ansätze wie Griffithsin erhalten deshalb kaum öffentliche Förderung oder mediale Aufmerksamkeit, obwohl sie theoretisch gegen mehrere Viren gleichzeitig wirken könnten. Man muss dafür nicht einmal in wilde Verschwörungstheorien abgleiten. Es reicht ein Blick auf die Finanzstrukturen moderner Pharmamärkte. Ein patentierbarer mRNA-Baukasten mit Milliardenförderung ist für Investoren einfach attraktiver als ein antivirales Naturprotein, das sich womöglich schwieriger exklusiv vermarkten lässt.
Natürlich wäre es unseriös zu behaupten, Griffithsin sei nun die Lösung gegen Hantaviren. Das ist es (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch) nicht. Die Forschung steckt weiterhin im präklinischen Stadium. Es existieren bislang keine zugelassenen Therapien und keine großen Humanstudien. Viele Substanzen scheitern später an praktischen Problemen oder mangelnder Wirksamkeit im menschlichen Organismus. Doch genau deshalb drängt sich eine unbequeme Frage auf: Warum werden experimentelle mRNA-Projekte regelmäßig medial gehypt, während andere antivirale Ansätze kaum jemand kennt?
