Grüne Sprachregeln: „Mutter und Vater“ unerwünscht

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Bei Britanniens Grünen wird selbst „Mutter und Vater“ zum sprachlichen Problem. Ein zwölfseitiger Leitfaden erklärt den Mitgliedern, welche ganz normalen Wörter sie besser meiden und womit sie diese ersetzen sollen. „Mütter und Väter“ werden zu „Eltern und Betreuungspersonen“, der „Polizist“ zum „police officer“ und auch „Homosexueller“, „ältere Menschen“ oder „Jugendlicher“ geraten ins Visier. Wer sich dem politisch erwünschten Vokabular wiederholt verweigert, landet im eigenen Leitfaden schließlich beim Thema „Belästigung“.

Es beginnt mit zwei Wörtern, die jedes Kind kennt: Mutter und Vater. „Mothers and fathers“ sollen Mitglieder der Green Party of England and Wales nach Möglichkeit durch „parents and carers“, also „Eltern und Betreuungspersonen“, ersetzen. Dabei bleibt es nicht. Seite für Seite arbeitet sich die Partei durch den englischen Wortschatz und entscheidet, welche Begriffe noch passen und welche künftig besser verschwinden sollen. Am Ende steht ein kleines grünes Wörterbuch für den politisch korrekten Parteialltag – samt Warnung für jene, die sich nicht daran halten wollen.

Das Papier trägt den Titel „Inclusive Terminology Guidance“. Aus dem „Polizisten“ („policeman“) soll der geschlechtsneutrale „police officer“ werden, aus dem „Vorsitzenden“ („chairman“) ein „chair“. Auch „Politikerin“ („female politician“), „Ärztin“ („lady doctor“), „nicht behindert“ („able-bodied“), „Geschlechtsumwandlung“ („sex change“), „Homosexueller“ („homosexual“), „transsexuell“ („transsexual“), „Jugendlicher“ („youngster“) und „sexuelle Präferenz“ („sexual preference“) gehören zu den Begriffen, von denen die Grünen abraten.

Eine lange Liste an verbotenen Wörtern…

Schimpfwörter wie „nutter“ oder „lunatic“ sollen ebenfalls weg. Die Partei argumentiert, solche Ausdrücke verstärkten negative Klischees über psychische Erkrankungen. Doch dieselbe Sprachliste greift eben weit über Beleidigungen hinaus. Mutter, Vater, Homosexueller oder Jugendlicher sind gewöhnliche Bezeichnungen. Auch sie werden aussortiert oder mit einem den Grünen genehmen Ersatz versehen.

Für Hautfarbe und Herkunft gibt es ebenfalls Nachhilfe. „Global majority“ wird als Sammelbegriff für Menschen schwarzer, asiatischer, brauner, indigener oder lateinamerikanischer Herkunft empfohlen. Beim englischen „Brown“ mahnt das Papier zur Vorsicht. „Racially minoritised“ passt besser in das gewünschte Weltbild: Der Ausdruck soll hervorheben, dass Menschen durch gesellschaftliche Machtverhältnisse zu einer rassischen oder ethnischen Minderheit gemacht würden. Mit den empfohlenen Begriffen wird gleich die politische Deutung aus Sicht der linkswoken Grünen mitgeliefert.

Dann erklärt der Leitfaden den Mitgliedern, was bei einem sprachlichen Fehltritt zu tun ist. Ein Versehen darf passieren. Betroffene sollen sich entschuldigen, die Korrektur annehmen, sich dafür bedanken und es beim nächsten Mal besser machen. Damit ist ziemlich klar, in welche Richtung das alles laufen soll. Bei Wiederholung wird der Ton ernster. Die unerwünschte Sprache könne ein „unfreundliches oder ausgrenzendes“ („unwelcoming or exclusionary“) Umfeld schaffen und zu Mobbing und Belästigung beitragen. Wiederholtes Verhalten könne als „Belästigung“ („harassment“) gewertet werden.

Nur eine Empfehlung?

Damit ist aus der angeblichen freundlichen Empfehlung plötzlich mehr geworden als eine Stilfrage. Denn die Green Party besitzt einen verbindlichen Verhaltenskodex für ihre Mitglieder. Er gehört zum nationalen Disziplinarsystem der Partei. Die Regeln gegen Mobbing, Belästigung und Diskriminierung sind ausdrücklich in dieses Regelwerk eingebunden; Verstöße können Gegenstand von Disziplinarmaßnahmen werden.

Ausgerechnet die Partei selbst liefert damit den entscheidenden Widerspruch. Ein Sprecher erklärte nach Bekanntwerden des Papiers, es handle sich um gewöhnliches Gleichstellungsschulungsmaterial, wie es auch andere Organisationen verwendeten. „It is a guide and nothing else“, lautete die Verteidigung. Nur ein Leitfaden, sonst nichts. Ein Leitfaden also, der seinen Mitgliedern erst die erwünschten Wörter vorgibt, ihnen anschließend erklärt, wie sie nach einer Korrektur reagieren sollen, und bei wiederholtem Abweichen schließlich „Belästigung“ ins Spiel bringt. Gleichzeitig kennt die Partei verbindliche Disziplinarregeln gegen eben diese Belästigung. Wie freiwillig eine solche Sprachregel auf ein Parteimitglied wirkt, kann sich jeder selbst ausmalen.

J.K. Rowling teilt gegen die Grünen aus

Für J. K. Rowling war das eine Steilvorlage. Die „Harry Potter“-Autorin nahm die unerwünschten Begriffe und baute daraus auf X ihren eigenen Satz: „Speaking as the elderly mother of three youngsters … it is my able-bodied and sexually-preferred opinion that the Greens are turning into total nutters.“ Sinngemäß auf Deutsch: Als ältere Mutter von drei jungen Menschen, die keine Geschlechtsumwandlung hatte und viele Homosexuelle kennt, sei es ihre „körperlich nicht eingeschränkte und sexuell bevorzugte Meinung“, dass sich die Grünen zu „völligen Spinnern“ entwickelten. Damit hatte Rowling mit „elderly“, „youngsters“, „sex change“, „homosexuals“, „able-bodied“, „sexual preference“ und „nutters“ praktisch die halbe grüne Negativliste in einer einzigen Breitseite untergebracht.

Nicht nur in Österreich oder in Deutschland, sondern ebenso in Großbritannien zeigen die Grünen, dass sie eine Partei der Bevormundung und Umerziehung sind. Die Moslems haben ihre Scharia-Polizei, die Grünen ihre linkswoke Sprachpolizei. Noch gelten die Sprachverbote nur für die Mitglieder der Grünen, doch was, wenn diese eines Tages in der britischen Regierung sitzen?

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