Aramco-Raffinerie brennt: Saudi-Arabien rüstet zur Großoffensive gegen die Huthis

(C) Report24/KI

In Riad brennt eine Aramco-Raffinerie, die Ansar-Allah-Miliz (Huthis) reklamieren den Angriff für sich. Fast zeitgleich werden Saudi-Arabiens Pläne für einen massiven Gegenschlag im Jemen bekannt: Mehr als 100.000 jemenitische Soldaten könnten dafür mobilisiert werden. Es geht um den Bab el-Mandeb, das südliche Tor zum Roten Meer – und damit um einen der wichtigsten Öltransitwege der Welt. Saudi-Arabien braucht diesen Seeweg dringender denn je.

Eine gewaltige schwarze Rauchsäule zog am Samstag über der Aramco-Anlage südlich von Riad hinweg. Feuer und Rauch waren an der Raffinerie zu sehen. Wenig später meldete sich die vom Iran unterstützte Schiitenmiliz Ansar Allah (weitläufig als Huthis bekannt) und erklärten, sie hätten das Gelände mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Ihr Militärsprecher Yahya Saree behauptete, der Angriff habe sein Ziel erreicht und die Brände ausgelöst. Die saudisch geführte Koalition weist die Houthi-Darstellung eines erfolgreichen Angriffs auf Riad als irreführend zurück.

Mit 130.000 Barrel Verarbeitungskapazität pro Tag gehört die Raffinerie in Riad nicht zu Aramcos Riesenanlagen. Ras Tanura schafft 550.000 Barrel, Jazan 400.000 Barrel. Doch angesichts der global ohnehin schon schwierigen Lage in Sachen Diesel und Mitteldestillate ist jede weitere ausgefallene Raffinerie ein zusätzliches Problem. Mehr noch verdeutlicht dieser Angriff wieder einmal, wie verwundbar die saudi-arabische Ölinfrastruktur eigentlich ist. Mit 130.000 Barrel Verarbeitungskapazität pro Tag gehört die Raffinerie in Riad nicht zu Aramcos Riesenanlagen. Ras Tanura schafft 550.000 Barrel, Jazan 400.000 Barrel. Der Brand allein bringt die saudische Ölindustrie also nicht ins Wanken. Die Botschaft hinter den immer neuen Angriffen ist trotzdem unübersehbar: Saudi-Arabiens gewaltige Energie-Infrastruktur bietet den Houthis eine lange Liste möglicher Ziele – Raffinerien, Pipelines, Häfen und Verladeanlagen.

Riad plant einen Großangriff

Riad bereitet nun den Gegenschlag am Boden vor. Reuters sprach mit sechs regionalen und westlichen Regierungsvertretern und Diplomaten, die von Vorbereitungen für eine neue Offensive im Jemen berichten. Sunnitische jemenitische Truppen unter saudischem Einfluss sollen am Boden vorstoßen, Saudi-Arabien soll aus der Luft unterstützen. Die USA liefern bereits Aufklärungs- und Zieldaten. Auf dem Tisch liegen zwei Varianten. Bei der kleineren Operation würden die Truppen entlang der Küste vorrücken und versuchen, den Zugang zum Bab el-Mandeb wieder unter Kontrolle zu bringen. Der größere Plan sieht Angriffe an mehreren Fronten vor, darunter Al-Bayda, Marib, Taiz und Al-Jawf. Mehr als 100.000 jemenitische Soldaten könnten dafür zusammengezogen werden. Wann die Offensive startet, ist noch offen. Die Vorbereitungen laufen. Doch solche Vorankündigungen zeugen nicht gerade von strategischer Klugheit – der Feind kann sich so besser vorbereiten.

Warum Riad dieses Risiko eingeht, zeigt ein Blick auf die Karte. Die Houthis haben sich entlang der jemenitischen Rotmeerküste vorgeschoben und die Meerenge Bab el-Mandeb unter ihre Kontrolle gebracht. Zwischen Jemen und Dschibuti beziehungsweise Eritrea zwängt sich hier der gesamte Schiffsverkehr zwischen Rotem Meer und Golf von Aden hindurch. Ohne Bab el-Mandeb kein direkter Weg vom Indischen Ozean zum Suezkanal. Seit der Eskalation am Persischen Golf ist diese Meerenge für den Ölhandel sogar noch wichtiger geworden. Im vierten Quartal 2025 liefen laut Daten der US-Energiebehörde EIA durchschnittlich 5,4 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte pro Tag durch Bab el-Mandeb. Im zweiten Quartal 2026 waren es bereits 8,1 Millionen Barrel. Davon entfielen 6,1 Millionen Barrel auf Rohöl und Kondensate. Zur gleichen Zeit brach der Ölverkehr durch die Straße von Hormus dramatisch ein: von 21,6 Millionen Barrel täglich im vierten Quartal 2025 auf nur noch 4,9 Millionen im zweiten Quartal 2026.

Öl wird auf dem Spotmarkt teurer

Saudi-Arabien steckt mitten in dieser Verschiebung. Um das gefährliche Nadelöhr von Hormus zu umgehen, kann Aramco Öl über die Ost-West-Pipeline quer durch das Königreich nach Yanbu am Roten Meer pumpen. Von dort fahren die Tanker nach Norden zum Suezkanal oder nach Süden durch Bab el-Mandeb. Die zweite Route hängt nun an einer Meerenge, die von den Houthis bedroht wird. Die Folgen waren bereits im August zu sehen. Laut EIA halbierten sich die saudischen Ölexporte über Yanbu gegenüber Juli in etwa. Die permanenten Angriffe und die unsichere Lage am Bab el-Mandeb machten ausgerechnet jene Route zum Problem, die Saudi-Arabien als Ausweichweg für die Straße von Hormus braucht. Riad musste Öl auf längeren und teureren Wegen über das Rote Meer nach Norden schicken.

Die Folgen dieser Entwicklungen sind weltweit spürbar. Während beispielsweise die Benchmark-Ölsorte Brent offiziell bei rund 100 Dollar je Barrel liegt, kostet dasselbe Öl auf dem physischen Markt für noch verfügbare Lieferungen bereits mehr als 120 Dollar. Ein Aufschlag von 0,126 Dollar pro Liter – inklusive Steuern und Abgaben sind das schlussendlich um die 15 bis 20 Eurocent pro Liter, die dann auf die Tankstellenpreise durchschlagen. Die offiziellen Ölpreise sind eben nicht dieselben wie die Spotmarkt-Preise, welche die Raffineriebetreiber für noch freie Kapazitäten bezahlen müssen.

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: