Ein Mann aus der von Bill Gates mitgegründeten Impfallianz Gavi will an die Spitze der Weltgesundheitsorganisation. Der indonesische Gesundheitsminister Budi Gunadi Sadikin fordert, internationale Gesundheitsempfehlungen stärker in staatliche Maßnahmen umzusetzen. Gleichzeitig sollen milliardenschwere Geldgeber wie die Gates Foundation beim Umbau des globalen Gesundheitssystems mitreden. Nach Lockdowns, Impfzwang und 2G-Regeln dürfte (und sollte) das bei vielen Bürgern die Alarmglocken schrillen lassen.
Die WHO soll künftig mehr politischen Einfluss entfalten. Dafür will der indonesische Gesundheitsminister Budi Gunadi Sadikin die Regierungen stärker in die Pflicht nehmen. Beim World Health Summit am 11. Oktober in Berlin erklärte der Kandidat für die Nachfolge von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus: „Wir müssen die politischen Führungskräfte überzeugen, damit aus Empfehlungen Maßnahmen werden.“ Die größte Herausforderung bestehe darin, gesundheitspolitische Empfehlungen tatsächlich in politisches Handeln zu übersetzen. Ausgerechnet ein Vorstandsmitglied der Impfallianz Gavi möchte also dafür sorgen, dass die Vorgaben internationaler Gesundheitsexperten häufiger in nationalen Regierungsentscheidungen münden.
Eine feindliche Übernahme?
Hinter diesem Vorstoß steht eine enge Verflechtung aus internationaler Gesundheitspolitik, privaten Milliardenstiftungen und der Impfstoffindustrie. Sadikin sitzt im Vorstand von Gavi, wo auch die Gates Foundation, die WHO und Vertreter der Impfstoffhersteller eigene Sitze haben. Der Indonesier vertritt dort offiziell sein Heimatland und Bhutan. Mit seiner Kandidatur für die WHO-Spitze könnte künftig ein Mann jene Organisation führen, die mit Gavi eng zusammenarbeitet und von der Impfallianz erhebliche Finanzmittel erhält. Man könnte dies auch als feindliche Übernahme bezeichnen.
Wie umfangreich die Geldflüsse sind, zeigt der geprüfte WHO-Jahresabschluss für 2025. Allein die Gates Foundation steuerte 11 Prozent der Einnahmen des WHO-Programmbudgets bei. Weitere 10 Prozent kamen von Gavi. Zusammen stehen die beiden eng verbundenen Geldgeber damit für 21 Prozent der Programmeinnahmen. Die Europäische Kommission brachte 8 Prozent auf, Deutschland gerade einmal 6 Prozent. Der Microsoft-Milliardär Bill Gates finanziert über seine Stiftung somit einen erheblichen Teil der WHO-Programme und gehört gleichzeitig zu den wichtigsten Geldgebern von Gavi.
Gavi verdankt seine Entstehung maßgeblich Gates‘ Milliarden. Bereits 1999 sagte die damalige Bill & Melinda Gates Foundation 750 Millionen Dollar als Anschubfinanzierung zu. Im Jahr 2000 startete die Impfallianz beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Seither gehört die Stiftung zu den wichtigsten Finanziers des Bündnisses. Erst im Juni 2025 kündigte sie weitere 1,6 Milliarden Dollar für die Jahre 2026 bis 2030 an. Ein privater Multimilliardär kann damit über seine Stiftung erheblichen Einfluss auf die Finanzierung internationaler Impfprogramme ausüben und über Stiftungsvertreter auch bei wichtigen Entscheidungen mitreden.
Eine Neuordnung des internationalen Gesundheitssystems
Sadikin möchte die großen Geldgeber künftig auch beim Umbau des internationalen Gesundheitssystems stärker einbinden. Bei der Berliner Podiumsdiskussion verglich er die Neuordnung von WHO, Gavi und anderen Gesundheitsinstitutionen mit Fusionen und Übernahmen aus der Wirtschaft. Dafür müsse man mit den „Shareholdern“ sprechen, erklärte er. Der frühere Banker verwendete damit ausgerechnet den Begriff für Anteilseigner. Er nannte ausdrücklich die Gates Foundation und große Industriestaaten. Zuerst sollten die Mitgliedstaaten angeben, welche Aufgaben sie benötigen. Danach müsse man mit den wichtigsten Geldgebern darüber verhandeln, welche Funktionen zusammengelegt, gestrichen oder neu verteilt werden.
Das ist eine höchst fragwürdige Vorstellung von internationaler Gesundheitspolitik. Private Milliardenstiftungen sollen bei der Neuordnung mächtiger Organisationen mitverhandeln, deren Empfehlungen die Politik zahlreicher Staaten beeinflussen. Die Bürger wählen weder die Vorstände solcher Stiftungen noch die Führung der WHO. Trotzdem können deren Entscheidungen und Empfehlungen weitreichende Folgen für ihren Alltag haben. Wie weit dieser Einfluss reichen darf und welchen Interessenkonflikten die Beteiligten unterliegen, gehört deshalb auf den politischen Prüfstand.
Digitale Impfpässe sollen kommen
Sadikins frühere Aussagen zeigen, dass er auch weitreichenden internationalen Gesundheitskontrollen aufgeschlossen gegenübersteht. Bereits beim B20-Gipfel im November 2022 warb der Indonesier für weltweit anerkannte digitale Gesundheitszertifikate nach WHO-Standards. Menschen sollten damit ihren Impf- oder Teststatus nachweisen können, um reisen zu dürfen. Solche Standards wollte er auch bei der Überarbeitung der Internationalen Gesundheitsvorschriften einbringen. Bewegungsfreiheit sollte damit von international anerkannten Gesundheitsnachweisen abhängig gemacht werden können.
In Deutschland und Österreich haben die Bürger während der Corona-Jahre erlebt, welche Folgen gesundheitspolitische Zwangsmaßnahmen haben können. Lockdowns, Ausgangssperren, 2G-Regeln und Impfpflichten griffen tief in die Grundrechte ein. Ungeimpfte wurden vom gesellschaftlichen Leben teilweise ausgeschlossen, Reisen erschwert und berufliche Existenzen unter Druck gesetzt. Die Regierungen rechtfertigten ihre Entscheidungen mit dem Gesundheitsschutz und beriefen sich dabei auch auf internationale Empfehlungen. Die politische Verantwortung für diese Eingriffe lag bei den nationalen Entscheidungsträgern. Nun möchte ein möglicher neuer WHO-Chef ausgerechnet die Umsetzung internationaler Empfehlungen als Vorschriften in staatliches Handeln vorantreiben.
Ein globales WHO-Gavi-Zwangsregime droht
Report24 hat bereits über Pläne von WHO und Gates Foundation zum Ausbau digital vernetzter Impfsysteme berichtet. Internationale Gesundheitsregister und weltweit kompatible Nachweise können die Überprüfung des Impfstatus erheblich erleichtern. Sobald Regierungen solche Systeme mit Zugangsbeschränkungen verbinden, wird aus der Erfassung medizinischer Daten ein Instrument staatlicher Kontrolle. Sadikins Forderungen nach internationalen Gesundheitszertifikaten und einer stärkeren politischen Umsetzung von WHO-Empfehlungen verdienen vor diesem Hintergrund besondere Kritik.
Im Mai 2027 entscheiden die WHO-Mitgliedstaaten über die Nachfolge von Tedros. Sieben Kandidaten stehen auf der offiziellen Liste, darunter Sadikin. Seine Verbindung zu Gavi, seine Pläne zur Einbindung der Großgeldgeber und seine Unterstützung digitaler Gesundheitszertifikate sind bekannt. Ebenso sein Wunsch, internationale Gesundheitsempfehlungen quasi zu Vorgaben zu machen. Die Corona-Jahre haben gezeigt, wie schnell Regierungen die Freiheitsrechte ihrer Bürger im Namen des Gesundheitsschutzes einschränken. Jetzt will ein Gavi-Vorstandsmitglied die WHO führen und deren Empfehlungen stärker in die Politik tragen. Die Geldgeber sitzen bereits an den Entscheidungstischen. Die Rechnung für staatliche Zwangsmaßnahmen bekommen am Ende die Bürger präsentiert.