Familie setzt auf E-Auto und Wärmepumpe – und bekommt deswegen Stromvertrag gekündigt

Symbolbild: KI

Sie machten alles so, wie es die Politik seit Jahren fordert: weg vom Gas, hin zur Wärmepumpe, dazu ein Elektroauto und ausschließlich Ökostrom. Doch für eine Familie aus Schleswig-Holstein wurde genau das zum Problem. Ihr Stromanbieter kündigte den Vertrag wegen zu hohen Verbrauchs – mit gerade einmal sechs Tagen Vorlauf.

So sieht sie also aus, die schöne neue Energiewelt: Eine sechsköpfige Familie aus dem Kreis Pinneberg vor den Toren Hamburgs hat ihre Energieversorgung ganz auf die politisch gewünschte Elektrifizierung ausgerichtet. Seit vergangenem Jahr heizt sie ihr großes Zweifamilienhaus mit einer Wärmepumpe statt mit Gas, vor der Tür steht ein Elektroauto. Den benötigten Strom bezog sie ausschließlich aus erneuerbaren Energien.

Doch dann kam die Kündigung. Nicht etwa, weil die Familie ihre Rechnungen nicht bezahlt hätte, sondern weil sie zu viel Strom verbrauchte. Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, kündigte der Ökostromanbieter Grüüün den Vertrag am 24. September mit Wirkung zum 30. September. Ganze sechs Tage blieben der Familie, um sich einen neuen Versorger zu suchen.

Zu viel Stromverbrauch für die schöne neue Energiewelt?

Die Begründung des Unternehmens: Laut Vertragsbedingungen dürfe der jährliche Stromverbrauch 20.000 Kilowattstunden nicht überschreiten. Tatsächlich hatte die Familie zwischen April 2025 und März 2026 gut 23.000 Kilowattstunden benötigt.

Das klingt zunächst nach viel. Allerdings leben sechs Personen in dem großen Haus, darunter auch die Großeltern. Vor allem aber verschlingt die Wärmepumpe rund drei Viertel des gesamten Stromverbrauchs. Ohne die neue Heizung hätte es die Kündigung also wohl gar nicht gegeben.

Die Familie hatte den Versorger bereits im vergangenen Herbst über den Einbau der Wärmepumpe informiert. Spätestens mit der Jahresabrechnung im Frühjahr war dem Unternehmen auch der gestiegene Verbrauch bekannt. Trotzdem erfolgte nach Angaben der Betroffenen keine Warnung. Erst Monate später zog der Anbieter plötzlich die Reißleine. Und eine Verlängerung der Kündigungsfrist lehnte er ab.

Ökostromanbieter gibt kurz darauf auf

Die Familie hatte Glück im Unglück. Sie fand rechtzeitig einen neuen Stromversorger und konnte die teure Grundversorgung vermeiden. Der neue Anbieter verlangt nur geringfügig mehr für Haushaltsstrom und bietet sogar einen günstigeren Wärmepumpentarif an.

Kurz darauf kündigte Grüüün dann selbst an, Ende Oktober den Geschäftsbetrieb einzustellen. Als Grund führte das Unternehmen die Energiepolitik der Bundesregierung an. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) behindere angeblich den Ausbau erneuerbarer Energien; eingeplante Ökostrommengen könnten nicht erzeugt werden.

Ob die Kündigung der Familie bereits mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens zusammenhing, ist unklar. Der Mutterkonzern Muench Energy beantwortete eine entsprechende Anfrage des „Hamburger Abendblatts“ nicht.

Strombedarf steigt – Netzausbau kommt nicht hinterher

Der Fall zeigt allerdings ein grundsätzliches Problem der Energiewende: Millionen Haushalte sollen gemäß der grünen Ideologie künftig elektrisch heizen und fahren. Entsprechend wächst der Strombedarf erheblich, während Deutschland seine Energieversorgung zunehmend auf wetterabhängige Wind- und Solaranlagen ausrichtet und gesicherte Kraftwerkskapazitäten zurückgefahren (oder im Falle der Atomenergie ganz eingestampft) wurden.

Schon heute geraten Teile der Infrastruktur unter Druck. Die Hamburger Energienetze rechnen damit, dass sich der Strombedarf der Hansestadt innerhalb von 20 Jahren verdreifachen könnte. Für große Stromabnehmer müssen begrenzte Netzkapazitäten deshalb künftig nach einem besonderen Vergabeverfahren verteilt werden. Bei privaten Wärmepumpen und Ladestationen sieht der Netzbetreiber derzeit zwar (noch?) keine Engpässe. Die Kündigung in Pinneberg zeigt aber bereits, wie empfindlich Stromanbieter auf hohen Verbrauch reagieren können. Das ist durchaus aussagekräftig.

Die Familie in Pinneberg investierte brav in jene Technik, die politisch als Zukunft der Energieversorgung propagiert wird – und wurde anschließend wegen des damit verbundenen Stromverbrauchs vor die Tür gesetzt. Ein netter Dank für die horrenden Kosten, die die Politik im Zuge der Energiewende und der „grünen Transformation“ den Bürgern aufbürdet. Dass Stromanbieter, Netze und Kraftwerkskapazitäten mit den politischen Zielsetzungen auch nur ansatzweise Schritt halten können, darf mehr und mehr bezweifelt werden.

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