Eigenbedarf geht vor: China verbietet die Ausfuhr seiner Mikrochips nach Russland

Bild: freepik / evgeniyjam

Weil China wegen der US-Sanktionen selbst nicht genügend Mikrochips hat, liefert es keine mehr an Russland. Dies trifft jedoch die russische Rüstungsindustrie hart. Vor allem die Raketen brauchen solche Chips…

China ist Opfer vieler Exportbeschränkungen für Halbleiterchips durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Allerdings scheint es, dass das Reich der Mitte nun auch die Ausfuhr seiner eigenen Loongson-CPUs nach Russland und in andere Länder verbietet. Dies dürfte ein bedeutender Schlag für Russland sein, das nach einer Alternative zu AMD- und Intel-Prozessoren sucht, seit die meisten Unternehmen ihre Lieferungen in das Land wegen der Invasion in der Ukraine eingestellt haben.

Die Wirtschaftszeitung Kommersant schreibt unter Berufung auf Quellen, die dem russischen Ministerium für digitale Entwicklung und dem Elektronikmarkt nahe stehen, dass die chinesische Regierung die Lieferung von Loongson-Prozessoren, die auf ihrer eigenen LoongArch-Architektur basieren, in die Russische Föderation und andere Länder verboten hat. Die Gründe für das Verbot der Chipexporte nach Russland sind nicht etwa Sanktionen wie in anderen Länder, sondern weil sie in Chinas militärisch-industriellem Komplex verwendet werden. Der Eigenbedarf geht eben vor.

Die Sanktionen, die nach dem Einmarsch in die Ukraine im Februar vom Westen gegen Russland verhängt wurden, haben bereits die meisten westlichen Unternehmen vertrieben und zwingen Moskau dazu, alternative Lieferanten für wichtige elektronische Komponenten zu finden. Offenbar hat es versucht, die in China hergestellten Loongson (Drachen-Chips) zu übernehmen. Dabei handelt es sich um eine Familie von Allzweck-Mikroprozessoren, die mit der MIPS-Architektur kompatibel sind und von dem chinesischen Unternehmen Loongson Technology im eigenen Land hergestellt werden. Es ist wahrscheinlich, dass China angesichts der Exportbeschränkungen die 12-nm-CPUs von Loongson für sich behalten möchte, vor allem, wenn die Produktionskapazität begrenzt ist.

Die kurzfristigen Auswirkungen des Verbots, das noch nicht offiziell in Kraft getreten ist, werden wahrscheinlich minimal sein, aber es könnte große Auswirkungen haben, wenn Russland den Zugang zu Grauimporten von Intel- und AMD-CPUs verliert, die über andere Länder eingeführt werden. Nicht nur der russische Verteidigungssektor wird durch die westlichen Sanktionen in Bedrängnis gebracht. Nahezu jedes Unternehmen im Land bemüht sich um den Erwerb von im Westen hergestellten elektronischen Geräten. Wie die Financial Times diese Woche berichtete, gibt es inzwischen eine wachsende Zahl russischer so genannter Import-Export-Spezialisten, die Schlupflöcher finden, um Computer und andere Unterhaltungselektronik zu erwerben und sie durch den Zoll und nach Russland zu bringen.

Je länger diese Exportbeschränkungen also andauern, desto schwieriger wird es für die russische Rüstungsindustrie, High-Tech-Kriegswaffen wie zum Beispiel Raketen oder Drohnen herzustellen. Dies wird sich bei einem länger anhaltenden Krieg in der Ukraine auch entsprechend negativ auf die Kampfkraft der russischen Truppen auswirken.

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