Die wahre, geopolitische Bedeutung des Diesel-Deals von Trump und Putin

Symbolbild: KI

Vordergründig will Donald Trump den US-Energiemarkt vor den Zwischenwahlen entlasten. Die Bedeutung des Diesel-Abkommens geht aber weit darüber hinaus. Es emanzipiert Russland von China. Und gemeinsam mit der Blockade der iranischen Ölexporte stärkt es die USA gegenüber China.

Eine Analyse von Eric Angerer

Russland stellt ab sofort mehr als 300.000 Tonnen Diesel für den amerikanischen und internationalen Markt bereit, weitere 500.000 Tonnen sollen im November folgen und eine Million Tonnen unmittelbar danach. Zusätzlich stellte der US-Präsident drei Millionen Tonnen in Aussicht, die Moskau abhängig vom Zustand seiner Raffinerien innerhalb kurzer Zeit liefern soll. Insgesamt geht es damit um mehr als 4,8 Millionen Tonnen Treibstoff (wir haben berichtet).

Für Trump geht es, so schrieb er in seiner Ankündigung, um niedrigere Preise für Amerikaner, insbesondere für die Farmer, Viehzüchter und Fernfahrer. Und natürlich sollen speziell vor den Midterm-Elections, die Anfang November stattfinden, die Energiekosten gesenkt werden, um die Stimmung zu verbessern.

Gleichzeitig hat Trump den Druck auf die ukrainische Regierung erhöht, die Angriffe auf russische Raffinerien zu unterlassen, weil sich das negativ auf die Weltmarktpreise auswirke. Da sich Wolodymyr Selenskyj diesbezüglich und hinsichtlich eines Friedensabkommens mit Russland störrisch zeigt, brachte Trump erneut die Ablöse des ukrainischen Präsidenten ins Spiel. Es wird sich zeigen, ob die USA auf diesem Schauplatz ihre Ziele zumindest teilweise durchsetzen können.

Das Verhältnis von Russland und China

Die Bedeutung von Trumps Diesel-Deal mit Russland geht aber weit über diese offensichtlichen Aspekte hinaus. Sie hat mit Trumps generellen Strategie zur Eindämmung des chinesischen Einflusses zu tun – und mit Russlands Interesse, seine Abhängigkeit von China zu reduzieren.

Durch die Sanktionen der EU, der Biden-USA, Japans und anderer westlicher Länder war Russland stark darauf angewiesen, für seine Exporte von Erdöl und Erdgas andere Abnehmer zu finden. Neben Indien war das vor allem China. Die chinesische Führung hat dabei aber keineswegs als „Freund“ agiert, sondern Russlands Notlage ausgenutzt, um die Preise massiv zu drücken – und um Russland zunehmend in die Rolle einer zweitrangigen, untergeordneten Macht zu degradieren.

Das hat die russische Führung nicht vergessen. Und auch bezüglich des Ukraine-Krieges erwies sie Peking als illoyal. China hat zwar Russland nicht verurteilt, aber auch keine echte Unterstützung geleistet. Es hat sich auch teilweise dem Sanktionsdruck des Westens gebeugt, ist aus einem Energieprojekt mit Russland ausgestiegen und von China dominierte BRICS-Banken halten sich an westliche Restriktionen. Und mehr noch hat China bis heute kriegswichtige Glasfasern, Drohnen und Ersatzteile an die Ukraine geliefert.

Die geopolitische Strategie der USA

Gegenüber diesem illoyalen Verbündeten will Russland eine übermäßige Abhängigkeit verhindern. Die USA unter Trump wiederum wollen China, dem geopolitischen Hauptkonkurrenten, den Zugang zu russischen Rohstoffen möglichst erschweren. Das ist Teil der Strategie der Eindämmung des chinesischen Einflusses, wie sie die USA, federführend entwickelt vom Elbridge Colby, dem Unterstaatssekretär für Kriegspolitik, unter Trump betreiben.

Die USA unter Trump orientieren keineswegs auf eine kriegerische Auseinandersetzung mit China (wie es die Globalisten in der EU und die US-Demokraten gegenüber Russland taten). Sie sind für eine Zusammenarbeit mit China bereit, wollen aber dabei aus einer Position der Stärke agieren. Und da China im Bereich der immer wichtigeren Seltenen Erden eine dominante Position einnimmt, versuchen die USA, zumindest im Bereich der globalen Energiemärkte dagegenhalten zu können.

Dabei geht es einerseits um die Kontrolle über Öl- und Gasvorkommen, andererseits auch um Energiewege. Und in eineinhalb Jahren hat die Trump-Administration in diesen Bereichen bereits einiges erreicht. Der Panama-Kanal wurde China entrissen und steht nun wieder unter US-Einfluss. Auch aus Venezuela wurde China verdrängt und das dortige Erdöl unter US-Kontrolle gebracht.

Insgesamt setzen sich in Lateinamerika immer mehr pro-US-Rechtsregierungen durch, möglicherweise bald auch in Brasilien, wo der chinesische Einfluss bislang groß war (wir haben die geopolitische Bedeutung der brasilianischen Wahl hier analysiert). Und schließlich hat Trump kürzlich die US-Vorherrschaft über die reichhaltigen Rohstoffe Grönlands gefestigt.

Die Situation am Persischen Golf

Durch den Iran-Krieg und die Blockade der iranischen Erdölexporte durch die US-Navy fügen die USA China einen weiteren Schlag zu. Denn der Großteil des iranischen Öls ging nach China. Nebenbei kontrollieren die USA nun auch die arabischen Exporte aus dem Golf – und sie können die Schwäche Katars, Kuwaits und auch Saudi-Arabiens für politische Zugeständnisse nutzen.

Indien, ein Verbündeter Israels mit guten Beziehungen sowohl zu den USA als auch zu Russland, ist weiterhin gut versorgt. Einerseits kommt das Erdöl aus Russland, andererseits nutzt Indien verstärkt Häfen, die östlich der Meerenge von Hormus liegen (besonders den Terminal in Fujairah in den VAE). Und schließlich bezieht Indien Öl aus Venezuela und den USA selbst.

Da dem Mullah-Regime in Teheran nun die wesentlichsten Einnahmen fehlen, steht es mittlerweile mit dem Rücken zur Wand. Die USA haben aktuell kein Interesse an einer neuerlichen Aufnahme der kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern sehen momentan der Desintegration des Regimes zu (siehe auch hier).

Gut möglich aber, dass die ökonomisch in die Enge getriebenen Mullahs noch vor den anstehenden Wahlen in Israel und den USA eine neuerliche Eskalation suchen. Allerdings haben sie lange keine direkte Attacke auf den verhassten jüdischen Staat mehr gewagt. Denn anders als Trump wäre die israelische Regierung weiteren Militärschlägen gegen die Mullahs wohl nicht abgeneigt – und würde auf iranische Raketen entsprechend reagieren.

Geopolitische Konsequenzen

Zu den geopolitischen Erfolgen der US-Regierung am amerikanischen Doppelkontinent und am Persischen Golf könnte nun also auch eine Annäherung mit Russland kommen. Trump strebt sie wohl schon seit Amtsantritt an, sie wurde aber von der EU, Großbritannien und in der Folge der Ukraine unterlaufen. Und auch die russische Führung ist sicherlich vorsichtig, inwieweit man den USA trauen kann (insbesondere wenn die Demokraten zurückkehren sollen).

Jedenfalls wäre ein tatsächlicher Ausgleich zwischen den USA und Russland ein geopolitischer Meilenstein. Trumps Ziel, China zu einem vorteilhaften Deal zu zwingen, käme in Reichweite. China müsste wohl die Finger von Amerika lassen. Und im Austausch Seltene Erde versus Treibstoffe würde man ins Geschäft kommen.

Dabei sollte man auch die neue US-Sicherheitsstrategie im Hinterkopf haben, die die US-Regierung Anfang Dezember 2025 beschlossen hatte. Sie beinhaltet im Kern: Konzentration auf die Amerikas, Reindustrialisierung, Annäherung mit Russland, Deeskalation mit China, Kritik an den europäischen Eliten (im Detail siehe meine Analyse hier).

Ein US-Ausgleich wäre auch ein massiver Schlag für die Globalisten, insbesondere in der EU und in London, die in den vergangenen Jahren die Eskalation mit Russland betrieben haben. Ein solcher Ausgleich würde auch die erneute Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und Israel befördern. Schlussendlich könnten die antiglobalistischen patriotischen Pole, nämlich Russland, die trumpistischen USA, Südamerika, Indien und Israel, zusammenwachsen – und das globalistische Lager (EU, Großbritannien, China, Muslimbruderschaft, Kanada) zunehmend schwächen.

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