„Zeitenwende“: Neue Kampfhubschrauber der Bundeswehr können nicht schießen

Symbolbild: KI

Wenigstens machen sie Brumm-brumm: Die neuen Airbus-Hubschrauber der deutschen Bundeswehr kommen nicht nur verspätet, sie können auch nicht schießen. Es ist das nächste peinliche Milliarden-Debakel: Die von Boris Pistorius (SPD) so vollmundig beschworene „gelebte Zeitenwende“ findet weiterhin nur als Umverteilung von sehr viel Steuergeld statt.

Für rund 2,5 Milliarden Euro bestellte Deutschland 2023 neue Kampfhubschrauber beim europäischen Luftfahrtkonzern Airbus. Doch statt einsatzfähiger Kampfhubschrauber erhält die Truppe vorerst lediglich Fluggeräte für die Ausbildung: Sie können nicht kämpfen. Was am Wort „Kampfhubschrauber“ war da missverständlich?

Die Informationen gehen aus einem vertraulichen Bericht des Bundesrechnungshofs hervor, über den der „Spiegel“ berichtet. Die Rechnungsprüfer sehen das Vorhaben auf einem „kritischen Pfad“ und werfen dem Verteidigungsministerium vor, die technischen Schwierigkeiten bei der Umrüstung eines zivilen Hubschraubers unterschätzt zu haben. Der Rechnungshof rät, die Bestellung weiterer 33 Maschinen auszusetzen.

Eigentlich sollte dabei alles besonders schnell gehen: Statt einen neuen Kampfhubschrauber zu entwickeln, entschied sich die Bundeswehr für den bereits verfügbaren Airbus H145, der in anderen Varianten unter anderem als Rettungshubschrauber eingesetzt wird. Bis Ende 2028 sollen die Militärmaschinen geliefert werden.

Doch die vermeintlich unkomplizierte Beschaffung entwickelt sich zum nächsten Rüstungsfiasko. Wegen Problemen bei der Planung und der Qualifikation der vorgesehenen Munition dürften die Leichten Kampfhubschrauber (LKH) erst mehrere Jahre (!) später als ursprünglich vorgesehen wirklich einsatzbereit sein.

Kampfhubschrauber ohne funktionierende Bewaffnung

Das Problem beginnt bereits bei der Bordkanone. Die dafür vorgesehene 20-Millimeter-Munition wurde bislang nicht ausreichend erprobt. Wegen der elektrostatischen Empfindlichkeit des Anzündhütchens kann sie nicht als sicher eingestuft werden. Wann der Hersteller das Problem beheben kann, ist offen.

Auch bei den Panzerabwehrraketen sieht es schlecht aus. Diese sollen ab Ende 2027 geliefert und anschließend von der Bundeswehr getestet werden. Das Verteidigungsministerium bezeichnet diese Platzung aber selbst als „sehr ambitioniert“ und riskant.

Erste Schussversuche im Mai 2025 mussten wegen technischer Schwierigkeiten bei der Steuerung abgebrochen werden. Das Verteidigungsministerium plant dennoch, für weitere 384 Millionen Euro Lenkflugkörper zu beschaffen – obwohl deren Einsatzfähigkeit noch gar nicht nachgewiesen ist.

Der Bundesrechnungshof warnt deshalb ausdrücklich vor dem Risiko, dass die Raketen die Einsatzprüfung nicht bestehen und für die Bundeswehr letztlich völlig unbrauchbar sein könnten.

Erst Milliarden für Funkgeräte, jetzt für Hubschrauber

Es handelt sich dabei keineswegs um den ersten kostspieligen Fehlschlag bei der Modernisierung der Bundeswehr. Zuletzt sorgte Ärger bei der milliardenschweren Beschaffung neuer Fregatten für Schlagzeilen. Und auch das Digitalfunk-Projekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ ist von Pleiten, Pech und Pannen gekennzeichnet. Rund zwei Milliarden Euro wurden dafür bereits ausgegeben, doch Berichten vom Frühjahr zufolge war die Technik noch immer noch einsatzbereit (wir haben berichtet). Nicht einmal der einfache Sprechfunk lief problemlos, die Feindkennung funktionierte nicht stabil, Übertragungszeiten waren zu lang und die Bedienung umständlich. Dabei soll das Gesamtvorhaben langfristig mehr als 20 Milliarden Euro kosten.

Nun also Kampfhubschrauber, deren Bewaffnung nicht funktioniert. Angesichts solcher Summen und der immer neuen technischen Fehlschläge dürfte es den Steuerzahlern zunehmend schwerfallen, noch Verständnis für die Beschaffungspolitik der Bundeswehr aufzubringen.

Pistorius feierte bereits die „gelebte Zeitenwende“

Dabei hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius das Hubschrauberprojekt längst als Erfolg verkauft. Bei der Übergabe des ersten Exemplars lobte der SPD-Politiker die erhöhte Geschwindigkeit bei der Beschaffung und sprach von einer „gelebten Zeitenwende“. Von dieser Aufbruchstimmung spürt man im Bericht des Bundesrechnungshofs freilich nichts.

Die Folgen könnten auch für Deutschlands Verpflichtungen gegenüber der NATO erheblich sein. Bis 2029 soll die Bundeswehr zwölf einsatzbereite Kampfhubschrauber bereitstellen, ab 2032 sogar 72. Ob diese Ziele erreicht werden, erscheint angesichts der ungelösten technischen Probleme fraglich.

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