Was treibt die NÖ‑Regierung an, das schöne Bundesland mit Windmaschinen vollzustopfen? Jüngst brach LH Johanna Mikl-Leitner eine Lanze für den Tourismus. Gut so! Aber wer will denn unter Spießrotoren Urlaub machen, sich dort erholen und wandern? Was geschieht mit den wunderschönen Landschaften und der reichhaltigen Kultur, wenn Horizont und Himmel nur Windräder beherrschen?
Ein Gastkommentar von Angelika Starkl
Wer glaubt, ich übertreibe, fahre bitte ins Weinviertel! Rund um Großkrut, Mistelbach, Wolkersdorf, bis hinauf zur tschechischen Grenze wird er ihnen begegnen: den unzähligen donauturmhohen, bedrohlichen Monstern. Den dominierenden Zeichen technokratischer Präsenz. Wie kann man so was auch noch Park nennen?
„Wir können ein Land unsere Heimat nennen, in dem andere Urlaub machen wollen. Darauf können wir stolz sein“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und verwies auf die Vielfalt des Landes: „Unsere Landschaft und Natur, unsere Kultur, Stifte, Klöster und Museen, unsere herausragende Kulinarik und Wirtshauskultur und vor allem die vielen Gastgeberinnen und Gastgeber, die mit viel Engagement für ihre Gäste da sind.“
So lobt die Landeshauptfrau ihre Heimat. „Wir bauen weiterhin auf vier zentrale Schwerpunkte: Ausflugstourismus, Urlaubstourismus, Gesundheitstourismus und Wirtschaftstourismus. Wir wollen uns auch international noch stärker in die Auslage stellen und die östlichen Nachbarländer intensiver bearbeiten. Bis 2030 wollen wir das Nächtigungsvolumen aus den Märkten der östlichen Nachbarländer um 100.000 Nächtigungen steigern. Darüber hinaus setzen wir auf Natur- und Aktivangebote sowie unsere Leitprojekte wie den Weinherbst“, verspricht sie vollmundig vor der Presse.
Versprechen ohne Umsetzung?
Mit Windrädern wird diese versprochene „Auslage“ aber zum Zerrbild. Die östlichen Nachbarländer wie Tschechien und Slowakei werden schon jetzt von unglaublichen Windindustriegebieten an der Grenze empfangen, die das Auge beleidigen. Wird ein Kunststück werden, 100.000 Nächtigungen mehr pro Jahr zu erzielen, wenn die östlichen Gäste erst mal an den Monstern vorbei müssen. Bleibt zu hoffen, dass ihnen da nicht gleich schlecht wird. Zumal es schon 20 Bürgermeister in Tschechien gibt, die den Blick nach Österreich von der Znaimer Burg aus frei von Windmonstern haben wollen und sich dafür politisch einsetzen.
Ja, auch wir wollen unsere Heimat Niederösterreich als Land der Lebenskultur bewahren. Wir lieben die sanften Hügel des Weinviertels und die urigen Wälder des Waldviertels, die abwechslungsreichen Gegenden und unseren ausgezeichneten Wein! Die schmucken Dörfer und Kellergassen, die Burgen und Schlösser, die Rad- und Wanderwege. Aber durch immer höher werdende Spießrotoren, die in immer größerer Zahl den weiten Horizont verstellen, wird dieser Schönheit das Gesicht zerschnitten.
Diese Vergewaltigung der Naturlandschaft ist ein Verbrechen
Als Gärtnerin bin ich glücklich über die schönen Gärten in NÖ, die großen Parks in den Städten, über den pestizidfreien Umgang mit der Erde. In NÖ haben wir lange gebraucht, um dahin zu kommen. Stephan Pernkopf, Mikl-Leitners Stellvertreter, hat die Landwirtschaftsschule Josefina in Wieselburg besucht und ist ein Adlerfreund. Umso unverständlicher ist es, dass er sich derart vehement für den Ausbau der Windindustrie in NÖ einsetzt und nicht ablassen will, obwohl das Bundesland die Energieziele längst schon erfüllt hat. Geht es um Geld, oder geht es um die Menschen?
Die Politik setzt auf Windindustrie
Rotorblätter werden in China produziert, mit giftigen PFAS-Ewigkeitschemikalien ummantelt und machen dann eine Diesel-Schiffsreise um die halbe Welt. Das gerodete Balsaholz aus dem Regenwald? Super umweltfreundlich! Der Betonklotz braucht so viel Stahl und Beton wie 10 Einfamilienhäuser. Felder und Wälder werden durch Zufahrtsschneisen und Bodenverdichtung zerstört und der Infraschall macht die Leute krank. Und dann stellt sich auch noch ein schwarzer Bürgermeister aus dem Weinviertel hin, dessen Gemeinde von 29 Windriesen umzingelt ist, und sagt uns, wie toll er es findet, weil er von den 50.000 Euro pro Windrad pro Jahr seine Gemeinde saniert hat. Wie verrückt ist denn das?
Der ÖVP‑Politiker Josef Plank, selbst ein Bergbauernkind und mit der Landwirtschaft groß geworden, ehemals Agrarlandesrat von Erwin Pröll, ist heute der Präsident der WINDKRAFT Österreich. In einer Kampagne mit dem Slogan „Heimat sicherer Energie“ ist er zum Erfüllungsgehilfen der Windenergiebetreiber geworden. Und ist aber gerade dabei, diese Heimat nicht sicherer zu machen, sondern zu verkaufen.
Geht’s ums Geld oder die Menschen in diesem Land?
Viele Niederösterreicher fragen sich, wie die Politik der ÖVP in Zukunft aussehen wird. Viele haben das Gefühl, dass man sich nicht mehr um ihre Anliegen und Nöte kümmert. Viele sind enttäuscht und wandern zu anderen Parteien ab. Ob Bürger, Bauer, Edelmann, Kaufmannstochter, Bettelmann. Wenn die Bürgernähe verloren ist, man mit den Menschen im Land nicht mehr redet und ihre Sorgen nicht versteht, dann wird es mit der schwarzen Dominanz bald vorbei sein.
Was sich einst Volkspartei nannte, ist heute ein Abklatsch einer globalen Interessensgemeinschaft, EU-beflissen, abhängig, und dient nicht mehr dem Volk, sondern nur mehr dem Mammon. Das selbständige politische Denken ist einer buckelnden Willfährigkeit gewichen. Das Vertrauen des Volkes wurde durch Misswirtschaft, Rußlandfeindlichkeit, politische Packelei, falsche Entscheidungen und Verstocktheit verspielt. Wer verlernt hat, auf sein Volk zu hören, der verliert. Es nützt keine noch so gut bezahlte Propaganda in den Massenmedien, es nützt kein Sandstreuen in die Augen von Landwirten und auch kein überhebliches, arrogantes Besserwissen. Wenn man das Land mit Windrädern retten will, ist das ein Weg in eine Sackgasse, die verdammt eng wird. Wer seine Heimat Niederösterreich liebt, der kämpft für ihren Erhalt und ihre Schönheit! Windräder schaden nicht nur dem Tourismus. Sie werden sich letztendlich auch noch als fatale Kostenfalle erweisen.
Bürgerinitiativen als Feindbild
Menschen, die ihren Lebensraum schützen wollen, schließen sich zusammen. Bürgerinitiativen sind demokratische Einrichtungen. Sie sind weder rechtsradikal, noch unwissend, noch politisch gelenkt, noch militant. Aber man stellt sie so hin. Das ist Framing der schlimmsten Art. Bürger, die verhindern wollen, dass ihr Leben durch Windmonster beeinträchtigt und gestört wird, haben ein Recht in diesem Staat! Man macht sie lächerlich, stellt sie als unglaubwürdig dar und hat kein Verständnis dafür, wenn sie sich gegen diese Übergriffe seitens der Regierung wehren. Oftmals fährt man einfach nur über sie drüber, wohl wissend, dass sie meist nur in der sie umgebenden Region aktiv werden.
Das wird sich ändern und die gute Vernetzung schreitet voran. Denn viele haben erkannt: Es geht ums ganze Land, nicht nur um eine bestimmte Region. Manche von ihnen sind vorsichtig, manche preschen vor. Unterschiedlich sind die Menschen in Wissen, Handeln und Lebenseinstellung. Aber eines ist klar: Solange die Politik nicht auf ihre Bürgerinitiativen Rücksicht nimmt, wird der Kreis der Unzufriedenen immer größer, er wird immer besser vernetzt und immer mächtiger. Solange in diesem Bundesland eine Politik gegen die Interessen der Bevölkerung gemacht wird, halten sie dagegen. Und ich bin ganz sicher: So wie einst David den Riesen Goliath besiegt hat, werden sie gewinnen!