Putins Atom-Warnung an die NATO: Finger weg von Kaliningrad

(C) Report24/KI

Dutzende NATO-Kampfjets rund um Kaliningrad, Drohungen aus Litauen über die Zerstörung russischer Raketenstellungen – und jetzt die Antwort aus Moskau: Atomwaffen. Moskau hat der NATO schriftlich mitgeteilt, dass bei einem Versuch, die Exklave vom Mutterland abzuschneiden, auch die nukleare Karte gezogen werden könnte. Wladimir Putin legte nun persönlich nach. Bei einem direkten Angriff auf Kaliningrad seien alle russischen Waffen im Spiel. Ja, alle.

Der russische Präsident machte beim Valdai-Forum am Donnerstag klar, wo für Moskau die rote Linie verläuft. Komme es zu einem direkten Angriff auf Russland – Putin nannte ausdrücklich Kaliningrad –, werde der Einsatz aller verfügbaren Waffen „unvermeidlich und sofort“ zum Thema. Dass Frankreich und Großbritannien selbst Atommächte sind, erwähnte er gleich mit. Russland wisse sehr genau, mit wem es im Ernstfall zu tun hätte.

Was hinter Putins „allen Waffen“ steckt, hatte Moskau bereits einen Tag zuvor schwarz auf weiß an die NATO geschickt. Reuters konnte das russische Schreiben einsehen. Darin droht Russland für den Fall, dass NATO-Staaten Kaliningrad vom übrigen Land abschneiden wollen, mit seinem gesamten Arsenal – ausdrücklich einschließlich Atomwaffen. Bei einem direkten Krieg könnten zudem von Beginn an Entscheidungszentren in NATO-Staaten ins Visier geraten.

Kampf um Kaliningrad?

Diese Warnung kommt hat ihre Ursachen. Um Kaliningrad wird seit Monaten immer offener über den Ernstfall gesprochen. Im Mai sorgte Litauens Außenminister Kęstutis Budrys mit sehr deutlichen Worten für Aufsehen. Die NATO müsse Moskau zeigen, dass sie die russische „Festung“ Kaliningrad knacken könne. Falls nötig, könne das Bündnis die dortige Luftabwehr und russische Raketenstellungen „dem Erdboden gleichmachen“. Der Kreml reagierte empört, doch drei Monate später blieb es nicht mehr bei Worten. Mitte August waren laut Reuters Dutzende Flugzeuge aus NATO-Staaten bei einer unangekündigten Operation rund um Kaliningrad im Einsatz. Eine westliche Militärquelle erklärte der Nachrichtenagentur, dabei sei gezeigt worden, wie im Kriegsfall Funk- und Radarverbindungen sowie die Luftabwehr der russischen Exklave gestört werden könnten.

Kaliningrad ist für Russland dabei weit mehr als irgendein abgelegener Flecken an der Ostsee. Rund eine Million Menschen leben dort, eingeklemmt zwischen den NATO-Staaten Polen und Litauen. In der Exklave sitzt die russische Baltische Flotte, dazu kommen Raketen, Flugzeuge und eine starke Luftabwehr. Für Moskau ist das Gebiet ein vorgeschobener Militärstützpunkt mitten im NATO-Raum – und gleichzeitig eine offene Flanke. Im Kriegsfall könnte die Versorgung über Land schnell zum Problem werden.

Ein enger Raum, der kaum Fehler verzeiht

Und direkt daneben liegt der Suwałki-Korridor. Dieser schmale Streifen zwischen Polen und Litauen verbindet die baltischen Staaten auf dem Landweg mit dem Rest der NATO. Auf der anderen Seite liegt Belarus. Damit prallen ausgerechnet dort zwei Probleme aufeinander: Die NATO will verhindern, dass Estland, Lettland und Litauen vom übrigen Bündnis abgeschnitten werden. Russland will verhindern, dass dasselbe mit Kaliningrad passiert. Moskau macht inzwischen keinen Hehl mehr daraus, wie ernst es dieses Szenario nimmt. Schon Ende Mai hatte Putin auf die Aussagen aus Litauen reagiert und erklärt, Russland verfüge über alle nötigen Mittel, jeden zu vernichten, der Kaliningrad angreife. Vier Monate später steht nun erstmals die der Einsatz von Atomwaffen ganz offen im Raum.

Das größte Risiko dabei muss kein geplanter Großangriff sein. Die Russen und die NATO operieren im Baltikum auf engem Raum. Kampfjets steigen auf, Kriegsschiffe beobachten sich, Drohnen sorgen für Alarm, elektronische Störungen gehören ebenfalls zur angespannten Lage. Der frühere russische Diplomat und Nuklearwaffenexperte Nikolai Sokov warnte deshalb vor gegenseitigen Fehlkalkulationen. Irgendwann kann eine Seite etwas für den Beginn eines Angriffs halten, was die andere noch für Abschreckung hält.

Nun stellt sich nur noch die Frage, wie weit die Eskalationsspirale noch gedreht werden soll. Denn eines Tages könnte schon ein kleines Missverständnis dazu führen, dass taktische Atomwaffen mit Hyperschallgeschwindigkeit durch die Luft fliegen und ganze Städte in Schutt und Asche legen.

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: