Nach zwei schweren Gewaltvorfällen gegen Busfahrer der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) im Frühjahr 2026 zieht die Stadt Konsequenzen. Der Stadtrat hat am Mittwoch mit großer Mehrheit einen Antrag der Freien Fraktion beschlossen: Künftig sollen Busfahrer mit geschlossenen Fahrerkabinen besser geschützt werden. Ursachenbekämpfung? Fehlanzeige…
Auslöser waren zwei Vorfälle, die in Leipzig für Entsetzen sorgten. Anfang April griff ein 13-jähriger Jugendlicher, ein polizeilich bekannter irakischer Intensivtäter, in einem Bus der Linie 90 einen 62-jährigen Fahrer an. Der Fahrer hatte eine Gruppe Jugendlicher um Ruhe gebeten. Der Junge soll dem Fahrer mehrere Kopfstöße versetzt haben. Der Fahrer erlitt einen Schlaganfall, musste notoperiert werden und lag im Koma.
Ende April, also nur wenige Wochen später, bedrohte ein 22-Jähriger – laut Polizei angeblich ein Deutscher – an einer Haltestelle in Grünau einen Busfahrer mit einem Beil, nachdem dieser seine Bitte um eine Zigarette abgelehnt hatte. Der Busfahrer konnte den Angreifer zusammen mit zwei Kollegen überwältigen. Es gab Verletzte auf beiden Seiten.
FDP-Stadtrat Sven Morlock, der den Antrag einbrachte, forderte, die Fahrer so schnell wie möglich in geschlossenen Kabinen unterzubringen. Gleichzeitig räumte er ein, dass eine nachträgliche Umrüstung der bestehenden Busflotte extrem aufwendig wäre. „Wenn man da was einbaut, erlischt die Betriebserlaubnis. Die muss dann neu beantragt werden und da wir ja verschiedene Bustypen haben, ist das durchaus aufwändig“, erklärte Morlock in der Ratsversammlung.
Deshalb setzt der Beschluss auf die Zukunft: Bei allen neuen Bussen – diese werden per Ausschreibung beschafft – sollen geschlossene Fahrerkabinen verbindlich vorgeschrieben werden. Laufende Beschaffungsverfahren bleiben davon unberührt und können wie geplant fortgesetzt werden.
Neben der Kabinen-Entscheidung setzen die LVB bereits auf andere Schutzmaßnahmen. Seit September 2026 testen sie Bodycams bei Fahrausweisprüfern. Zusätzlich gibt es flächendeckende Videoüberwachung in den Fahrzeugen und Notruftaster für das Fahrpersonal. Die Zahl der Übergriffe auf Fahrer liegt laut LVB relativ konstant bei etwa 60 Fällen pro Jahr, bei den Kontrolleuren ist sie jedoch deutlich höher.
Früher wären Sicherheitsvorkehrungen wie geschlossene Fahrerkabinen in Linienbussen undenkbar gewesen – und auch nicht nötig. Busfahrer und Fahrgäste begegneten sich auf Augenhöhe, Konflikte blieben die Ausnahme. Dass die Stadt Leipzig heute solche Schutzmaßnahmen beschließt, zeigt, wie stark sich der Alltag im öffentlichen Nahverkehr – und nicht nur dort – verändert hat. Warum wohl? Damit möchte man sich politisch offenkundig nicht auseinandersetzen.
