Nach fast 40 Jahren: Italien macht den Weg für neue Atomkraftwerke frei

(C) Report24/KI

Italien hat seine Kernkraftwerke abgeschaltet – und kauft seither unter anderem Atomstrom aus Frankreich. Nun zieht Rom die Konsequenzen: Nach fast 40 Jahren schafft das Land wieder die gesetzliche Grundlage für eigene Kernkraftwerke. Während Deutschland seine letzten Reaktoren 2023 stilllegte, plant Italien bereits mit neuem Atomstrom ab 2033 oder 2034.

Der italienische Senat hat am Mittwoch endgültig grünes Licht gegeben. 81 Senatoren stimmten für das Gesetz, 51 dagegen, sieben enthielten sich. Damit erhält die Regierung von Giorgia Meloni den Auftrag, innerhalb von zwölf Monaten die Regeln für Bau und Betrieb neuer Kernkraftwerke, Sicherheitskontrollen, Atommüll und eine unabhängige Aufsicht auszuarbeiten. Nach Jahrzehnten ohne eigene Stromproduktion aus Kernenergie besitzt Italien damit wieder eine gesetzliche Grundlage für den Wiedereinstieg.

Damit vollzieht die italienische Regierung eine historische Kehrtwende. Nach dem Referendum von 1987 entschied die damalige Regierung, die verbliebenen italienischen Kernkraftwerke stillzulegen. Trino und Caorso gingen 1990 endgültig vom Netz. Seitdem produziert Italien keinen Atomstrom mehr – was das Land allerdings nicht daran hinderte, große Mengen Strom aus seinen Nachbarländern einzuführen. Frankreich ist dabei seit Jahrzehnten ein besonders wichtiger Lieferant.

Teure Importabhängigkeit

Ausgerechnet jetzt zeigt sich, wie teuer diese Abhängigkeit werden kann. In der Woche vom 14. bis 20. September lag der italienische Großhandelspreis bei durchschnittlich 215,82 Euro je Megawattstunde. In der entsprechenden Vorjahreswoche waren es 109,61 Euro. Binnen eines Jahres ergibt das ein Plus von knapp 97 Prozent. Italien war in jener Woche laut Marktanalysen zugleich der einzige große europäische Strommarkt mit steigenden Preisen. Hohe Gaspreise und geringe Windstromproduktion drückten besonders auf den Markt.

Auch bei der Energieversorgung insgesamt hängt Italien massiv am Ausland. Das italienische Umweltinstitut ISPRA beziffert die Importabhängigkeit für 2024 auf 75,8 Prozent. Bei Erdgas und Erdöl liegt sie dagegen tatsächlich bei rund 96 Prozent. Italiens Problem ist damit nicht irgendeine statistische Spitzfindigkeit: Drei Viertel des gesamten Energiebedarfs hängen an Lieferungen von außen.

Beim Strom wird der Widerspruch besonders sichtbar. Frankreich lieferte Italien 2025 netto 26,2 Terawattstunden über die gemeinsame Grenze – so viel wie nie zuvor. Der durchschnittliche italienische Großhandelspreis lag in diesem Jahr bei 116 Euro je Megawattstunde, in Frankreich bei 61 Euro. Frankreich setzt eben auf eine stabile Versorgung durch Atomstrom – Italien nicht.

Neue Nuklearstromtechnologien

Rom will das nun ändern. Umwelt- und Energieminister Gilberto Pichetto Fratin hält erste neue Atomstromproduktion bereits 2033 oder 2034 für möglich. Statt einfach die Reaktorkonzepte vergangener Jahrzehnte wieder aufzulegen, setzt die Regierung vor allem auf Small Modular Reactors und andere neue Reaktortechnologien. Der französische Staatskonzern EDF plant seinerseits bis 2035 zehn SMR-Projekte in Europa; eines davon soll in Italien entstehen.

Der Kontrast zu Deutschland könnte kaum deutlicher ausfallen. Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2 stellten am 15. April 2023 endgültig ihren Leistungsbetrieb ein. Die Bundesregierung erklärte damit die Nutzung der Kernenergie in Deutschland für beendet. Drei Jahre später arbeitet Italien an der Rückkehr der Kernenergie und nennt bereits einen möglichen Termin für den Bau eigener Reaktoren.

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: