Aufstand der Lieferroboter? Glitch verursachte kuriosen Robo-Stau auf Gehweg

Symbolbild: KI

In den Vereinigten Staaten kann man technologisch einen Blick in die Zukunft wagen: In Chicago brausen schon seit Längerem kleine Roboter über die Gehwege, um Essen auszuliefern. Bei den Anwohnern stößt das auch wegen der Pannen der autonomen Boten nicht unbedingt auf Gegenliebe. Kürzlich kam es zu kuriosen Szenen: Ein Fehler führte zu einem Robo-Stau.

Im Rahmen eines Pilotprogramms cruisen in Chicago rund 100 Lieferroboter durch die Straßen, die Essen von A nach B bringen. Wir berichteten bereits im Dezember vergangenen Jahres über den Widerstand von Anwohnern gegen die Maschinen: Blockaden und Kollisionen mit Fußgängern (samt anschließender „Fahrerflucht“) sorgten für Unmut. Außerdem ist die Datenlage zu möglichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bislang dünn.

Ungeachtet des Widerstands sind die Roboter weiterhin unterwegs. Stand Anfang 2026 hatten die kleinen Boten rund 28.000 Bestellungen abgewickelt und über 29.000 Meilen auf Gehwegen zurückgelegt. Dass dabei immer wieder einmal Unfälle passieren, verwundert wenig.

Kürzlich sorgte ein Fehler für einen kuriosen Robo-Stau auf einem Gehweg: Emsig blinkend und mit wehenden Fähnchen versammelte sich ein gutes Dutzend von „Coco“-Robotern auf einem Bürgersteig und blockierte den Weg.

Glücklicherweise handelte es sich nicht um eine Robo-Demo oder eine neue Generation von Klima-Klebern, sondern um einen Glitch: Mehrere Roboter änderten beim Verlassen ihrer Station zeitgleich ihre Route, wodurch es offenbar zur gegenseitigen Blockade kam. Das Unternehmen entschuldigte sich für die Beeinträchtigungen. „Wir haben inzwischen das Routenverhalten, das dazu geführt hat, behoben und Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um eine Wiederholung zu verhindern“, gab man an. Außerdem betonte man, dass die automatisierten Lieferungen den Verbrauchern bereits Einsparungen in Höhe von rund 500.000 Dollar gebracht, Verkehr reduziert und Jobs in der Flottenwartung geschaffen hätten.

Roboter zerstörte Bushaltestelle

Pannen und Unfälle bleiben nicht aus. Im März gingen Videos eines Lieferroboters in Chicago viral, die zeigten, wie das Gefährt durch die Glaswand einer Bushaltestelle bretterte. Diese ging natürlich zu Bruch. Der Roboter „blinzelte“ daraufhin mit seinen augenförmigen Scheinwerfern und schüttelte mit Vor- und Rückwärtsbewegungen die Scherben ab.

Das für den Roboter verantwortliche Unternehmen – Serve – schaltete daraufhin eine Werbung, in der der Roboter sich entschuldigte: „I took ‚breaking into the market‘ too literally. I’m really sorry about the bus stop… and the dramatic entrance. I promise to do better.“ („Ich habe den Ausdruck ‚den Markt stürmen‘ zu wörtlich genommen. Die Sache mit der Bushaltestelle tut mir wirklich leid … und der dramatische Auftritt. Ich verspreche, mich zu bessern.“)

Folgen für Arbeitsmarkt noch unklar

Dank der bislang nur kleinen Flotte blieben echte Katastrophen bis jetzt zum Glück aus. Sollte das Programm verlängert werden und die Nutzung der Roboter zunehmen, könnte sich das freilich ändern.

Interessant wird zudem, inwieweit die automatisierten Boten menschlichen Lieferfahrern Jobs streitig machen. Aktuell sollen die Roboter vor allem Lieferungen mit kurzen Wegen übernehmen, damit Lieferfahrer sich lohnenderen Aufträgen widmen können. Dass negative Auswirkungen für menschliche Boten ausbleiben, wenn die Roboter stetig weiterentwickelt werden und immer mehr Restaurants in der Hoffnung auf billigen Service auf sie zurückgreifen, muss allerdings bezweifelt werden. Kurierdienste äußern diesbezüglich durchaus bereits Sorgen.

Hierzulande sind die Lieferrobos noch kaum unterwegs. Der rechtliche Rahmen für Gehweg-Roboter ist in Deutschland bislang nicht einheitlich geregelt. In Hamburg war zwischenzeitlich eine kleine Zahl „REWE Lieferbots“ in einem Testgebiet unterwegs. Sie hatten eine Reichweite von 1,5 bis 2 Kilometern, 32 Liter Fassungsvermögen und fuhren weniger als 6 km/h.

Man darf gespannt sein, was die größeren Pilotprojekte im Ausland ergeben. Bislang sind die Reaktionen jedenfalls sehr gemischt.

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