Flaute, überhitzte Solarpaneele: Britanniens Stromnetz in der Hitzefalle

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Das britische Stromnetz gerät unter Druck. Die Kraftwerksbetreiber werden zur zusätzlichen Produktion aufgefordert und Strom muss teuer vom europäischen Kontinent beschafft werden. Ausgerechnet eine extreme Hitzewelle zeigt damit die Schwächen eines Systems, das sich immer stärker auf wetterabhängige Energiequellen wie Wind und Sonne stützt.

Der britische Netzbetreiber National Energy System Operator, kurz NESO, hatte laut dem Telegraph am Dienstagabend eine sogenannte „Electricity Margin Notice“ für den Mittwochabend veröffentlicht. Hinter diesem Begriff steckt ein Warnsignal: Die Sicherheitsreserve zwischen erwarteter Stromnachfrage und verfügbarer Erzeugung drohte zu klein zu werden. Kraftwerksbetreiber und andere Marktteilnehmer wurden deshalb aufgefordert, jede zusätzlich verfügbare Leistung bereitzustellen.

Solche Warnungen kennt Großbritannien eigentlich vor allem aus kalten Winterperioden, wenn Heizungen, Beleuchtung und Industrie das immer stärker von Wind- und Solarstrom abhängige Netz an seine Grenzen bringen. Nun geschah dies bei Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke, während Teile Europas sogar über 40 Grad meldeten. Ausgerechnet der Sommer, in dem Solarparks eigentlich Höchstleistungen liefern sollen, entwickelte sich zum Stresstest für die britische Stromversorgung.

Sonne allein rettet kein Netz

Die Sonne produziert zwar Strom, doch Photovoltaikanlagen arbeiten nicht umso besser, je heißer es wird. Im Gegenteil: Steigt die Temperatur der Module deutlich über die genormten 25 Grad hinaus, sinkt ihre Leistung. Bei herkömmlichen Siliziummodulen liegt der Verlust typischerweise bei rund 0,3 bis 0,5 Prozent pro zusätzlichem Grad Celsius. Auf einem überhitzten Dach oder Solarfeld können die Paneltemperaturen weit über der offiziellen Lufttemperatur liegen. Das bedeutet zwar nicht, dass Solaranlagen bei Hitze nutzlos wären. Sie liefern weiterhin Strom und profitieren vom wolkenlosen Himmel. Doch gerade in einer Situation, in der jedes zusätzliche Megawatt zählt, fällt dieser Effizienzverlust ins Gewicht.

Hinzu kommt ein grundlegendes Problem: Der Spitzenbedarf entsteht häufig am Abend – eben dann, wenn die Solarproduktion einbricht oder bereits vollständig verschwunden ist. Zur selben Zeit herrschte über Großbritannien und weiten Teilen Europas eine ausgeprägte Windflaute. Nach Angaben aus dem britischen Strommix lag der Anteil der Windenergie am Mittwochvormittag nur bei rund zwölf Prozent, Solarenergie bewegte sich im einstelligen Prozentbereich. Mehr als die Hälfte des britischen Stroms kam dagegen aus Gaskraftwerken. Wenn Wind und Sonne nicht verlässlich liefern, muss jemand anders die Lücke schließen. Und das sind in diesem Fall eben die konventionellen Kraftwerke.

NESO aktivierte deshalb zusätzliche Erzeugungskapazitäten. Gaskraftwerke sollten hochfahren, um die Reserve wieder aufzufüllen. Die teuer auf Standby gehaltenen Kraftwerke müssen also einspringen, weil Wetterabhängigkeit keine Zuverlässigkeit garantiert. Noch deutlicher wurde die Abhängigkeit vom Ausland. Großbritannien sicherte sich zusätzlich Strom über die Interkonnektoren zum europäischen Kontinent. Dem britischen Telegraph zufolge wurden rund 1,7 Gigawatt Importleistung beschafft, um die Lage zu entschärfen. Der Preis dafür war allerdings happig: Für zusätzliche Mengen sollen zeitweise bis zu 1.400 Pfund je Megawattstunde bezahlt worden sein – ein Vielfaches normaler Sommerpreise.

Auch Europa kämpft mit der Hitze

Dabei konnte sich London nicht einmal darauf verlassen, dass der Kontinent unbegrenzt aushelfen kann. Die Hitzewelle setzte auch Frankreichs Stromversorgung unter Druck. Dort musste die Leistung mehrerer Kernreaktoren reduziert werden, weil Flüsse zu warm wurden und Kühlwasser nur eingeschränkt genutzt werden konnte. Frankreich, normalerweise einer der wichtigsten Stromexporteure Europas, exportierte deutlich weniger Strom als noch in der Woche zuvor.

Die europäische Energiepolitik schafft damit eine dauerhaft kritische Lage: Im Winter drohen Probleme bei Dunkelflaute und hoher Heizlast. Im Sommer steigt der Strombedarf durch Kühlung und Klimatisierung, während Windflauten, sinkende Solarwirkungsgrade und hitzebedingte Einschränkungen bei Kraftwerken gleichzeitig auftreten können. Das Netz braucht dann nicht weniger, sondern mehr steuerbare Reserveleistung. Ohne Gaskraftwerke und Stromimporte wäre die Lage extrem kritisch geworden.

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