Alarmstufe Rot: Saudi Aramco warnt vor Sprit-Mangel ab Juni

(C) Report24/KI

Deutliche Warnung vom weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco: Sollte die Blockade der Straße von Hormus nicht umgehend beendet werden, droht die weltweite Versorgung mit Benzin und Flugkraftstoff noch vor Beginn des Sommers auf ein „kritisch niedriges Niveau“ abzusinken.

Von Richard Schmitt

In einem aktuell veröffentlichten Statement zeichnete Aramco-Chef Amin Nasser ein düsteres Bild der globalen Energiesicherheit. Die Erschöpfung der Treibstoff-Lagerbestände beschleunige sich rasant, wobei veredelte Kraftstoffe am stärksten betroffen seien. Seit Beginn des Konflikts mit dem Iran und der damit einhergehenden faktischen Sperrung der wichtigsten Wasserstraße der Welt seien dem Markt bereits kumuliert eine Milliarde Barrel Öl entzogen worden. Jede weitere Woche der Schließung koste die Weltwirtschaft zusätzliche 100 Millionen Barrel, berichtet dazu die Financial Times.

Pufferbestände vor der Erschöpfung

Die globalen Lagerbestände gelten in Krisenzeiten als das einzige Sicherheitsnetz, doch laut Amin Nasser sind die Vorräte in diesem Puffer bereits „erheblich dezimiert“. Er warnte Energie-Großhändler davor, das verfügbare Volumen zu überschätzen. Ein Großteil der gemeldeten Vorräte sei für den täglichen Betrieb der globalen Infrastruktur – etwa als Füllmenge in Pipelines oder Mindestbestände in Tanks – gebunden und stehe dem freien Handel faktisch nicht zur Verfügung.

„Die aggregierten Lagerbestände spiegeln nicht die tatsächliche physische Knappheit wider, die wir am Markt sehen“, betonte Nasser. Während die Internationale Energieagentur (IEA) bereits die größte Freigabe strategischer Reserven in ihrer Geschichte koordiniert, sind die technischen Kapazitäten zur Entnahme begrenzt. In den USA und Europa liegt das Maximum bei lediglich zwei Millionen Barrel pro Tag – das sei zu wenig, um das Defizit der blockierten Golf-Route auszugleichen.

Preisdruck und Inflationsgefahr

Die Rohölpreise reagierten in den vergangenen Wochen extrem volatil: Nachdem sie im April auf 126 US-Dollar pro Barrel geklettert waren, pendelten sie sich zuletzt bei etwa 100 US-Dollar ein, getrieben von der Hoffnung auf eine diplomatische Lösung durch die US‑Regierung. Analysten von JPMorgan warnen jedoch, dass die gewerblichen Vorräte in den Industrieländern bis Anfang Juni „operative Belastungsgrenzen“ erreichen könnten.

Natasha Kaneva, Leiterin der globalen Rohstoffstrategie bei JPMorgan, prognostiziert, dass die nächste Phase des Schocks weniger durch die Rohölpreise als vielmehr durch eine massive Versorgungskrise bei Endnutzer-Kraftstoffen geprägt sein wird. „Unserer Einschätzung nach wird die Straße von Hormus im Juni auf die eine oder andere Weise wieder geöffnet werden müssen“, so Kaneva. Ohne ein glaubwürdiges Abkommen drohe ein drastischer Anstieg der Kraftstoffpreise, der die globale Inflation weiter anheizen könnte.

Strategische Neuausrichtung in Saudi-Arabien

Trotz der Krise meldete Saudi Aramco für das erste Quartal steigende Gewinne. Der Konzern profitierte von den hohen Marktpreisen und seiner Fähigkeit, Teile der Exporte vom Persischen Golf zum Hafen Yanbu am Roten Meer umzuleiten.

Amin Nasser kündigte an, die Exportkapazitäten in Yanbu massiv ausbauen zu wollen. Dies ist ein klares Signal, dass das Königreich, dessen Staatshaushalt maßgeblich von den Aramco-Einnahmen abhängt, seine strategische Abhängigkeit von der störungsanfälligen Straße von Hormus dauerhaft reduzieren will. Dennoch bleibt die Warnung bestehen: Sollte die Blockade bis Mitte Juni andauern, könnten die Erschütterungen an den Energiemärkten bis weit ins nächste Jahr hinein spürbar sein. Die Welt stehe, so Nasser, vor „katastrophalen Folgen“, sollte der Konflikt nicht zeitnah beigelegt werden.

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: