Im besten Deutschland ist das Maß allmählich voll: Einer Studie zufolge plant bereits jeder fünfte junge Mensch konkret, die Bundesrepublik zu verlassen. 41 Prozent der Befragten können sich vorstellen, auszuwandern.
Die Studie „Jugend in Deutschland 2026“, herausgegeben von Jugendforscher Simon Schnetzer, basiert auf einer soziografisch repräsentativen Befragung von 2.012 jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren und wurde im Zeitraum vom 09.01.2026 bis zum 09.02.2026 durchgeführt.
Die Ergebnisse spiegeln eine immense Perspektivlosigkeit in der jungen Bevölkerung Deutschlands wider. Die multiplen Krisen der letzten Jahre schlagen sich in hoher psychischer Belastung nieder: Der Anteil junger Menschen, die angeben, psychologische Unterstützung zu benötigen, liegt demnach bei 29 Prozent (bei Frauen sogar bei 34 Prozent).
Die Coping-Strategien der Betroffenen geben zu denken: Viele geben demnach an, bei Problemen verstärkt auf KI-gestützte Beratungsangebote zurückzugreifen. Dabei sind Modelle wie ChatGPT dafür bekannt, psychische Störungen zu verstärken und kranke Menschen sogar bis in den Suizid treiben zu können. Beunruhigende 60 Prozent der jungen Menschen weisen laut Studie eine suchtähnliche Smartphonenutzung auf.
Zwar soll die Leistungsbereitschaft weiterhin hoch sein: Die große Mehrheit ist “noch” bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Ob sich das in Deutschland lohnt, wird jedoch verstärkt bezweifelt. „Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden“, wird Autor Kilian Hampel von der Universität Konstanz in einer Pressemitteilung zitiert. Noch deutlicher falle der langfristige Trend aus: 41 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, auszuwandern. Die Studie unterstreiche somit, wie dringend junge Menschen verlässliche Perspektiven für Arbeit, Wohnen und finanzielle Sicherheit benötigen, so Hampel.
23 Prozent der jungen Menschen haben laut Studie bereits Schulden. Zugleich bangen die Befragten schon jetzt um ihre berufliche Zukunft und sorgen sich wegen möglicher Arbeitslosigkeit. Immerhin: Die Entwicklungen rund um KI sorgen dafür, dass die berufliche Ausbildung gegenüber einem Studium an Attraktivität gewinnt und der Fokus stärker auf praxisnahe Qualifikationen gelegt wird.
Die Befragten zeigten linke Tendenzen: Besonders junge Frauen (also jene Gruppe, die häufiger psychische Probleme angibt) würden sich demnach der linken Partei zuwenden. Bei jungen Männern gewinne derweil die AfD an Zustimmung. Damit zeigt sich auch eine wachsende Polarisierung zwischen den Geschlechtern. Vielleicht sollten auswanderfreudige linke Frauen ihr Glück in einer sozialistischen Diktatur suchen, um die Folgen der von ihnen bevorzugten Politik hautnah zu erleben? In jedem Fall lässt sich feststellen: Selbst linke Frauen sind im linken Deutschland offensichtlich nicht glücklich.
Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann von der Hertie School Berlin wertet die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass die junge Generation in gesellschaftliche Zukunftsfragen mehr einbezogen werden müsste. Man könnte freilich auch zu dem Fazit kommen, dass die Politik sich generell auf die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung konzentrieren müsste, um deren Flucht ins Ausland abzuwenden. Arbeit, Wohnraum, ein leistbares Leben mit Zukunftsperspektiven – all das ist in Deutschland alles andere als selbstverständlich geworden.
