Sandl ist eine Gemeinde im oberösterreichischen Mühlviertel, Bezirk Freistadt, nahe der tschechischen Grenze auf über 900 Metern Seehöhe gelegen. Als bekannter Tourismusort bietet Sandl ein nebelfreies Wandergebiet am Viehberg (1.112 m) im Sommer und Skilanglauf im Winter. Der Ort für ist sein Hinterglasmuseum bekannt. Dort in Sandl plant man jetzt ein Windindustriegebiet mit 19 Anlagen auf 1000 Metern Seehöhe. Nicht nur Bürgerinitiativen laufen Sturm. 300 Meter hohe Windräder im „Windpark Sandl“ würden selbst in Gmünd und Schrems am Horizont sichtbar sein.
Von Angelika Starkl
Das Fundament des Windparks bilden nicht nur Beton und Stahl, sondern vor allem die Pachtverträge. Die geplanten Standorte der Windmaschinen befinden sich maßgeblich auf Flächen des Forstgutes Rosenhof der Familie Czernin-Kinsky. Na ja, für private Großgrundbesitzer stellt die Windkraft allerorts in eine attraktive Diversifizierung dar: Die Verpachtung von Standplätzen für Windkraftanlagen bietet stabile, indexgesicherte Erträge.
Landschaftsschutz als rechtliches Argument
Die Faktenlage zum Landschaftsschutz ist eindeutig: Die Region um den Viehberg und den Nordwaldkamm ist ein sensibles Ökosystem und ein bedeutendes Refugium für den sanften Tourismus. Die rechtliche Hürde liegt im Genehmigungsverfahren nach dem ElWOG (Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz) und den Naturschutzgesetzen. Hier zeigt sich ein Trend: Durch die Einstufung der Windkraft als Projekt von „überragendem öffentlichem Interesse“ werden lokale Bedenken des Landschaftsschutzes zunehmend ausgehebelt. Was früher als unantastbares Schutzgut galt, wird heute gegen die Windkraftausbau-Ziele des Landes aufgerechnet.
Ökologischer Fußabdruck im Forst
Unterschätzt wird der infrastrukturelle Eingriff. Für 22 Anlagen müssen massive Fundamente gegossen, Kranstellflächen planiert und Zufahrtswege für Schwerlasttransporte massiv ausgebaut werden. Dies bedeutet eine dauerhafte Bodenversiegelung und Zerschneidung von Waldflächen, die eigentlich als CO2-Speicher dienen sollten.Fazit: Der Widerstand in Sandl speist sich nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung erneuerbarer Energien, sondern aus der Kritik an der Massivität dieses Eingriffs. Wenn eine einzelne Gemeinde eine derart hohe Last tragen soll, während die Wertschöpfung primär bei wenigen Großakteuren verbleibt, gerät das soziale Gefüge ins Schwanken. Es bleibt die Frage, ob der Schutz einer historisch gewachsenen Kulturlandschaft wie jener von Sandl nicht ein ebenso hohes öffentliches Gut darstellt.
Die Kernargumente der Bürgerinitiative
Die BI Sandl stützt ihren Widerstand auf eine detaillierte Liste von Kritikpunkten, die über rein ästhetische Bedenken hinausgehen:
Veraltete Mindestabstände: Die Initiative warnt, dass der gesetzliche Mindestabstand in Oberösterreich nicht mit der Dimension moderner Anlagen Schritt hält. 285 Meter hohe Windkraftanlagen belasten das direkte Wohnumfeld massiv.
Gefährdung der Flugsicherheit: Neuere Stellungnahmen zeigen, dass die Rotoren Flug- und Wetterradarsysteme stören könnten.
Grenzüberschreitender Naturschutz: Da der Windindustrieprojekt unmittelbar an das tschechische Vogelschutzgebiet Novohradské hory grenzt, wird ein massiver Eingriff in sensible Vogel- und Landschaftsräume befürchtet.
Waldrodung für „grünen“ Strom: Kritiker betonen, dass allein die Errichtung der Fundamente und Zufahrtswege massive Schneisen in den Wald schlägt, was dem Gedanken des Naturschutzes widerspricht.
Grenzüberschreitender Widerstand
In Tschechien stößt das geplante Windindustrie-Projekt Sandl auf massiven, grenzüberschreitenden Widerstand, der sich vor allem auf den Schutz des gemeinsamen Naturraums konzentriert. Da die Anlagen unmittelbar an der Staatsgrenze errichtet werden sollen, sehen tschechische Institutionen das empfindliche Ökosystem der Gratzener Berge (Novohradské hory) unmittelbar bedroht. Ein tschechischer Naturschutzverein hat eine Petition gestartet, die bereits von über 3.300 Personen und namhaften Institutionen wie dem Biologiezentrum der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik unterstützt wird.
Status des Verfahrens:
- UVP-Prüfung: Das Projekt wurde im laufenden Verfahren bereits von 22 auf 19 Windkraftanlagen reduziert, um den Schutz des Luchses und anderer Naturwerte zu verbessern.
- Nächster Schritt: Sobald die Behörde die Vollständigkeit der Unterlagen bestätigt, folgt eine sechswöchige öffentliche Auflage, in der jede betroffene Person eine schriftliche Stellungnahme abgeben kann.
So könnte das Projekt zu Fall gebracht werden
Da das Projekt direkt an Tschechien grenzt, greift das völkerrechtliche Espoo-Übereinkommen. Wenn die tschechische Regierung oder Fachbehörden nachweisen, dass ihre Schutzgebiete (Novohradské hory) massiv beeinträchtigt werden, entsteht erheblicher politischer und rechtlicher Druck, der das Verfahren blockieren oder massiv verzögern kann.
